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"Folterporno", so werden in letzter Zeit all die neuen Vertreter der Folterfilmwelle genannt, in denen die Macher auf möglichst explizite Art alle möglichen Foltermethoden aufzeigen wollen, mit immer drastischeren Mitteln. Vor allem die "Saw"-Filme hat diesen Titel schon längst weg, geht es doch seit einiger Zeit kaum noch um etwas anderes, in dieser Reihe. Doch manchmal wird der Begriff auch an falscher Stelle genutzt, so z. Bsp." bei "Captivity". So ist dieser als der Tiefpunkt der Folterporno-Welle verschrien, welcher nun endgültig die Tabugrenze zu durchbrechen scheint. Doch nach Ansicht des Films, kommt einem dieser Vorwurf fast schon wie ein schlechter Marketinggag vor.

Denn "Captivity" ist eigentlich nichts anderes, als ein völlig belangloses 08/15-Psychothrillerchen, welches nur in wenigen Momenten auf den Folterzug aufspringt, ansonsten eher mit den Genreüblichen Mitteln eines Serienkillerthrillers spielt. Die Story ist schnell erklärt und kaum der Rede wert. Es geht um das Supermodel Jennifer, welches von einem unbekannten Mann in ein Kellerverlies entführt wird und dort von diesem gefangen gehalten und gefoltert wird. In der Nachbarszelle sitzt Gary, welcher ebenfalls vom Entführer fest gehalten wird. Schnell finden die beiden Sitzenden einen Draht zu einander und planen die Flucht. Doch dann erlebt Jennifer eine böse Überraschung... Genau wie der Zuschauer, denn mehr Geschichte gibt es nicht. Auf ganz dünnen Pfaden wandelt die Handlung einher, läßt Überraschungen vermissen und bittet zwischen den Zeilen sogar einen moralischen Aspekt, welcher aber sehr stark am Rande des Lächerlichen steht, wenn auch die Macher diesen immer wieder gerne zur Sprache bringen.

Vor allem die Logik hat es diesesmal schwer. Schwerer als wie sie es in Genreüblichen Filmen eigentlich auch sonst schon hat. Die Beziehung zwischen den Jennifer und Gary ist z. Bsp. völlig an den Haaren herbeigezogen. Sie verlieben sich in einander innerhalb der größten Not, ja haben z. Bsp. am vierten Tag ihrer Gefangenschaft nichts besseres zu tun, als sich eine Runde zusammen im Bett zu vergnügen. Dazu eine völlig hahnebüchene weitere Beziehung zwischen zwei Brüdern, welche aber ebenfalls an der Grenze des absoluten Schwachsinns liegt. Und wie Jennifer z. Bsp. einen Blutcocktail so unbeschadet überstehen konnte und von den ganzen Quälerreien anscheinend nicht eine Bläsur mit sich trägt, dass wird einem irgendwie auch vorenthalten. In Sachen Logiklücken hat man es hier jedenfalls wirklich mal mit einem ganz heftigen Brocken zu tun. Drehbuchschreiber Larry Cohen, der z. Bsp. auch hinter dem Drehbuch zu "Phone Booth" steckt, hat mit dem Ding hier jedenfalls keine sonderlichen Bäume ausgerissen

Das der Film dabei dennoch nicht sonderlich langweilig wird, dafür kann vor allem die klaustrophobische Atmosphäre sorgen, welche Regisseur Roland Joffé (der in den 80ern sogar mal zwei Oscarnominierungen erhalten hat) hier wirklich gelungen zur Schau trägt. Die engen Räume, die fast schon stetige Dunkelheit und vor allem der düstere Fremde, welcher fast eine gute Stunde völlig im Dunklem bleibt, können schon für so manchem leichten Schauer über dem Rücken sorgen, vor allem auch, wenn man sich das Treiben in einer ordentlichen Soundkulisse geben kann, welche hier teilweise mit vollem Kacharo auf den Zuschauer eindrückt. Dazu ein wirklich gelungener Score-Track, der ebenfalls nicht zu verachten ist. So blödsinnig die Handlung teilweise auch zu sein scheint, die Atmosphäre kann sich spüren lassen.

In Sachen Gore dürften Blutbad-Liebhaber dann aber doch enttäuscht sein. Denn ursprünglich war "Captivity" nicht als Folterfilmchen geplant. Doch da diese Welle ja momentan finanziell so gut abgeht, haben es sich die Produzenten nicht nehmen lassen, den Film damit ein wenig "aufzupeppen". Doch zum einen merkt man, dass diese Momente nicht so wirklich in das ganze Geschehen hineinpassen, zum anderen dürften sie den Härtegrad des Machbaren, trotz der oben genannten Kritikervorwürfe, hier bei weitem nicht erreichen. Auch wenn der Blutcocktail für Jennifer nicht gerade appetitlich ist und auch die Dusche oder das Zahnziehen nicht ganz ohne Ekel-Images von sich geht, so hat man den wirklichen Anteil dieser Szenen doch eher auf Sparflamme gehalten, weshalb auch die Ablehnung der FSK mehr als lächerlich wirkt. Ob das Ganze, völlig ohne diese Szenen, nun besser oder schlechter ausgefallen wäre, lässt sich jedoch schwerlich sagen.

Zu den Darstellern lässt sich dagegen einiges sagen. Zum einen ist es verwunderlich, dass sich "24"-Star Elisha Cuthbert zu so etwas überreden ließ. Gut, dass sie Horrorqualitäten besitzt, hat sie schon im doch recht ordentlichen Slasher "House of Wax" bewiesen, doch hier wirkt sie dennoch merkwürdig fehl am Platz. Ihre (dünne) Rolle stellt sie dann aber dennoch ganz ordentlich zur Schau. Ebenfalls nett anzusehen ist "Identität"-Star Pruitt Taylor Vince, der hier wieder einmal wunderbar düster auftritt und schon für so manches kleines Angstgefühlchen gut ist. Dagegen wirkt Daniel Gillies allerdings müde und lustlos. Nun gut!

Fazit: "Captivity" ist alles in allem nichts anderes, als ein völlig durchschnittliches Thriller-Vergnügen, das zwar mit einigen härteren Momenten bestückt wurde, aber alles in allem dennoch ziemlich harmlos wirkt und dies in allen Belangen. Die Story passt auf Din-A4 Blatt und ist unlogisch bis zum geht nicht mehr, die Wendungen zum Schluss des Films sind stark vorhersehbar und die berüchtigten Foltermomente des Streifens erweisen sich als laues Lüftchen. Die knackige Atmosphäre, welche sich vor allem aus den engen Räumlichkeiten, der schonungslosen Dunkelheit, dem gruseligen Killer, sowie dem knackigen Score speisen kann, rettet das ganze Treiben aber trotzdem noch ins Mittelfeld. Gesehen muss man "Captivity" deshalb aber trotzdem nicht!

Wertung: 5/10 Punkte

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