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Scream - Schrei! (1996)
Eine Kritik von McClane (Bewertung des Films: 10/10) eingetragen am 21.04.2002, seitdem 1130 Mal gelesen
Durch Wes Cravens „Scream – Schrei!“ erfuhr das Slashergenre einen Aufschwung, den es bisher nur nach John Carpenters „Halloween – Die Nacht des Grauens“ gegeben hatte.
Mit dem Anfang hat Craven sowieso schon Filmgeschichte geschrieben: Casey Becker (Drew Barrymore) bereitet gerade einen Videoabend für sich und ihren Freund vor, als ein mysteriöser Telefonterror startet. Kurz darauf schlägt der Anrufer zu und ermordet sowohl Casey als auch ihren Freund Steve (Kevin Patrick Walls). Diese erste Sequenz ist ein Meisterwerk an Spannung: Geschickt wird die Argumentation des Anrufers immer bedrohlicher (z.B. die Enthüllung der Tatsache, dass er Casey beobachten kann und so ihre Haarfarbe kennt), ohne dass dies gekünstelt wirken würde.
Gleichzeitig sitzt Sidney Prescott (Neve Campbell) zu Hause, als ihr Freund Billy Loomis (Skeet Ulrich) durchs Fenster in ihr Zimmer einsteigt. Natürlich gibt’s ein wenig Gerede über ihre Beziehung und der nervige Daddy Prescott muss davon abgehalten werden ins Zimmer zu kommen. Hierin liegt eine der Stärken von „Scream“: Die Darstellung der Teens entspricht nicht mehr den dumm-hilflosen Opfern früherer Genrefilme, sondern eher dem toughen Kitschbild, dass amerikanische TV-Serien zeichnen – und gerade deshalb macht es Spaß zuzusehen wie diese Stereotypen bald um ihr Leben rennen (in noch überzogenerer Form findet man diesen Trick bei „Starship Troopers“).
Von den brutalen Morden geschockt wollen die Bewohner reagieren: Befragungen der Teenager, eine Ausgangssperre. Für Sidney ist die Nachricht von den Morden eine doppelte Belastung: Vor einem Jahr fiel auch ihre Mutter einem Killer zum Opfer. Während Sidney und ihre Freunde Billy, Tatum Riley (Rose McGovan), Stuart (Matthew Lillard) und Randy Meeks (Jamie Kennedy) noch über die Identität des Killers rätseln, versucht Klatschreporterin Gale Weathers (Courteney Cox) an Informationen zu kommen, indem sie den Polizisten Dwight (David Arquette), der von allen nur Dewey genannt wird und nebenbei Tatums Bruder ist, umgarnt.
„Scream“ geht einen ganz besonderen Weg im Slashergenre. Denn die Mordszenen sind in den meisten Vertretern dieses Genres die Spannungshöhepunkte, aber das Dazwischen will auch gefüllt werden. Und hierzu nutzt „Scream“ sowohl Humor als auch Selbstreflexion. Es finden sich Unmengen von Anspielungen auf andere Horrorfilme (teilweise führen die Figuren sogar richtige Diskussionen darüber) und auch der Humor regt zum Lächeln an. Dabei finden sich kaum große Brüller, aber kleine Witze, über die man auch noch bei mehrmaligem Ansehen lachen kann.
Ansonsten ist die Story spannend und hintergründig. Die komplexe Hintergrundgeschichte wie die von Sidney ist im Horrorgenre eher selten zu finden und macht den Film nur noch reizvoller. Außerdem finden wir diverse Wendungen und ironische Brüche mit den Regeln des Slashermovies, die wunderbar unterhalten.
Auch wenn die anderen Mordsequenzen die Genialität des Anfangs nicht erreichen, so sind die Übergriffe des Killers doch sehr spannend gemacht und man weiß im Gegensatz zu vielen anderen Vertretern des Genres nie so genau, ob das potentielle Opfer nicht vielleicht doch entkommt. Gorefans hingegen brauchen nicht zu hoffen: Obwohl die Freigabe schon berechtigt ist, gibt es in „Scream“ keine besonders harten FX; nur „normales“ Blutfließen.
Das Team vor und hinter der Kamera leistet großartige Arbeit. Das Script von Kevin Williamson ist sehr gut (s.o.) und von Wes Craven meisterhaft umgesetzt worden. Die Schauspieler können voll und ganz überzeugen, vor allem Neve Campbell überzeugt im Gegensatz zu anderen Scream Queens nicht nur durch Aussehen und Schreien, sondern auch durch Schauspieltalent – ähnliches kennt man nur von Jamie Lee Curtis. Von den anderen, hervorragenden Schauspielern wachsen dem Zuschauer vor allem die beiden Sympathen Jamie Kennedy und David Arquette ans Herz.
Mit „Scream“ hat Wes Craven eine Slasheroffenbarung geschaffen, die klar zu den besten Filmen des Genres zählt und durch Spannung, Story und Humor voll und ganz überzeugt.
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