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Fremder ohne Namen, Ein (1973)

Eine Kritik von McClane (Bewertung des Films: 7/10)
eingetragen am 24.08.2007, seitdem 950 Mal gelesen


„Ein Fremder ohne Namen“ bzw. ein „High Plains Drifter“ – diesen Rollentypus hatte Clint Eastwood schon in mehreren Western dargestellt, hier war er gar titelgebend.
Das kleine Städtchen Lago bezieht seinen Reichtum aus der nahegelegenen Mine, zum Schutz der Bewohner sind drei Revolverhelden abgestellt. Doch die drei fühlen sich wie die Herren und provozieren einen namenlosen Fremden (Clint Eastwood), der in die Stadt einreitet bis aufs Blut – doch dieser schießt sie kurzerhand kaltblütig über den Haufen. Hier zitiert Eastwood den Anfang von „Für eine Handvoll Dollar“, in dem er erstmals als Fremder ohne Namen unter Gesetzlosen aufräumte.
Mit dem Tod des Trios sind die Beschützer weggefallen, doch die Bewohner Lagos fürchten die Rache dreier Inhaftierter, die in diesem Tagen freikommen. Sie bitten den Fremden sie zu ihrem Schutz auszubilden, dieser verlangt dafür das Recht in der Stadt alles bestimmen zu können...

Wie bei einigen anderen Eastwoodwestern um einen ungewöhnlichen Vertreter des Genres, auch wenn der Ausgang an sich eine Rachegeschichte ist, wie man sie im Western häufiger antrifft. Die Motive des Fremden hängen nämlich mit dem Tod des Marshalls zusammen, der in den Straßen Lagos von den drei Outlaws zu Tode gepeitscht wurde. Das Ende verklärt die Motive gar noch mythisch. *SPOILER* Es wird im O-Ton angedeutet, dass es sich bei dem Fremden tatsächlich um den aus seinem Grab zurückgekehrten Marshall handelt. Natürlich könnte er auch überlebt haben, doch wie kam er dann aus dem Grab? Natürlich könnte er auch der Bruder des Toten sein, wie die deutsche Synchro erklärt. Im O-Ton hingegen bleibt eine Ambivalenz. *SPOILER ENDE*
Klar ist nur, dass der Fremde die Stadtbewohner für ihre Feigheit strafen will, die in dem Tod des Marshalls resultierte. Er entmachtet Sheriff und Bürgermeister, gibt ihre Ämter an einen Kleinwüchsigen, den die Stadtbewohner sonst knechten, lässt ein Hotel komplett für sich räumen usw. Das Geschehen nimmt groteske Züge an, doch darin liegt der ungewöhnliche Reiz von „Ein Fremder ohne Namen“: Der Held, der skrupellos wie im Italowestern ist (und in deren Tradition steht „Ein Fremder ohne Namen“), straft weniger durch Gewalt, sondern mehr durch Demütigung.
So ist „Ein Fremder ohne Namen“ kein Western für Actionpuristen: Es gibt wenige Konfrontationen, diese sind roh und blutig, aber nicht so aufsehenerregend wie in den Werken von Leone oder Peckinpah. Sie wirken eher wie kleine Entladungen, wenn „Ein Fremder ohne Namen“ langsam aber stetig die Aggressionen aufbaut, die sich natürlich dann vollends entladen, wenn die drei Halunken in die Stadt einreiten. Diese wollen Rache an den Stadtbewohnern, da diese in mehrerlei Hinsicht für ihre Verhaftung verantwortlich sind.

„Ein Fremder ohne Namen“ besitzt allerdings auch seine Schönheitsfehler. Zum einen ist er ein wenig zu gemächlich inszeniert und könnte hier und da etwas mehr Drive vertragen. Zum anderen ist das Frauenbild selbst fürs Jahr 1973 direkt aus der Steinzeit importiert. Zwei Frauen kommen vor, die erste, eine arrogante Intrigantin, wird vom Fremden direkt gegen ihren Willen ins Heu gezerrt, doch ihre Rachegelüste nimmt keiner ernst, die andere, die einzige ehrbare Bürgerin, steigt mit dem Fremden in die Kiste, obwohl sie ihn kurz davor noch verabscheut, und will danach wegziehen.
Aber Hauptaugenmerk des Films liegt auf Clint Eastwood und der verkörpert den skrupellosen Fremden wie kein Zweiter, regiert jede Szene mit viel Charisma, ähnlich wie in Leones Dollar-Trilogie. Die Nebendarsteller machen einen guten Job, vor allem Geoffrey Lewis als Anführer der Outlaws kann punkten, aber gegen Eastwood kommt keiner von ihnen an.

Alles in allem hat „Ein Fremder ohne Namen“ seine Schönheitsfehler, ist aber trotzdem ein roher, ungewöhnlicher und gut inszenierter Western mit einem fabelhaften Clint Eastwood.


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