|
 |

Ansicht eines Reviews
Fremder ohne Namen, Ein (1973)
Eine Kritik von psst (Bewertung des Films: 10/10) eingetragen am 23.04.2008, seitdem 577 Mal gelesen
"Ein Fremder ohne Namen" ist ein Titel, der gleich das Hauptmerkmal sämtlicher Standardhelden des Italowesterns markiert, Sie sind fremd und sie haben keinen Namen. Brauchen sie auch nicht.
Sie brauchen nur zu schießen. Über die Schießereien hinaus hat Eastwoods Western aber viel mehr zu bieten. 9 Jahre nachdem er mit "Für eine Handvoll Dollar" den Durchbruch mit der Rolle des wortkargen und kantigen Revolverhelden hatte, kehrt der gute Clint in der selben Manier zurück. Nur ist er jetzt noch schlechter gelaunt und so gestaltet sich "High Plains Drifter" zu einem zynischen und gänzlich humorlosen Western, der die italienische Machart vollkommen aufnimmt. Gab es schon einen Wandel in "Hängt ihn höher!", so war dieser jedoch noch zu sauber für einen wirklich interessanten Genrebeitrag. Hier aber haben wir einen amerikanischen Italowestern.
Inhalt
Schon zu Beginn wird die Stärke des Films deutlich, wenn aus der flimmernden Hitze der Wüste ein Reiter aus der Ferne auf die Kamera zugeritten kommt und dazu ein fieser pfeifender Ton den einzigen Soundtrack bietet. Die Inszenierung des Helden als Antiheld, als übermännliche Bedrohung, die garantiert keinem Kind oder einer alten Frau über die Straße hilft. Kommend aus dem Nirgendwo, wie der vielzitierte apokalyptische Reiter, eventuell bekannt aus Johnny Cash's "The man comes around" - "...a pale horse. And his name that sat on him was death. And hell followed with him!" Man ahnt schon: da kommt Rock'n Roll auf uns zu.
Dann braucht es noch einige Minütchen, in denen das klassische Westerndorf eingeführt wird und wir haben die ersten drei Toten. Die Schießerei im Barbershop ist ein schon bekanntes Thema des Italowesterns. Doch dann kommt eine Szene, die sicherlich vielen sauer aufstoßen wird. Eine Frau, die sicherlich - naja - leicht zu haben ist, findet unseren Fremden so gut, dass sie einen dummdreisten Annäherungsversuch startet. Clint hat aber keine Lust auf Theater und spart sich das dämliche Vorspiel, schleift die Frau in die nächste Scheune und verkürzt so den leidlichen Weg des Flirts. Dass die Frau nach kurzer Gegewehr ganz begeistert ist, war sicherlich kein Einfall einer zufällig am Set vorbeiziehenden Feministinnengruppe. Aber das ist ja auch ein Männerfilm und die Frauen sind dann auch zu dumm, aus Rache den Mann in der Badewanne (!) abzuknallen.
Als die Stadt gemeinschaftlich den Fremden anheuert, weil sich alle vor drei freigelassenen Banditen fürchten, merken die Bewohner, welch hohen Preis so ein Eastwood hat. Er schikaniert wo er nur kann und nutzt seine Position skrupellos aus. Der Grund dafür ist: Rache. Gibt es etwas Schöneres?
Die feigen Bewohner haben sich nämllich der unterlassenen Hilfeleistung schuldig gemacht, als die besagten drei Banditen den Sheriff, den Bruder des Fremden, totgepeitscht haben. Dann ist ja alles geklärt und es kann zum Showdown kommen. Und als die drei ahnungslosen Ganoven einkehren, kommen sie dann auch direkt in die Hölle...
Dieser Film ist für mich der beste amerikanische Western aller Zeiten. Eastwood zeigt sein Gespür für hervorragende Inszenierungen und schaffte so einen Film, der härter und kompromissloser nicht sein könnte. Der Staub und Dreck, das Verschwinden der Grenze von Gut und Böse und die Brutalität sind Eigenarten, die in Amerika allenfalls Peckinpah bisher in den Western integrierte und die Eastwood hier gekonnt zelebriert. Die verklärte Wildwestromantik der 50er verschwindet gänzlich und mit ihr der homoerotische Anstrich aus dem Männerbild des Westerns. Keine durch Prärieeinsamkeit geprägten Männerfreundschaften am Lagerfeuer, kein kuscheliges Zusammenrücken gegen die bösen Indianer. Hier ist jeder auf sich allein gestellt und wenn man den anpisst, der schneller zieht, dann hat man eben Pech gehabt. Aber natürlich schießt keiner schneller, besser und lässiger als Clint Eastwood. Setzt dem Mann ein Denkmal aus Gold!
10/10
 | "Surprise me!" BETA |
Zur Übersichtsseite des Films Liste aller lokalen Reviews von psst
Zurück
 |
 |
|