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Fremder ohne Namen, Ein (1973)

Eine Kritik von Kiste (Bewertung des Films: 8/10)
eingetragen am 10.11.2011, seitdem 180 Mal gelesen


Ein fremder, namenloser Reiter, den es in die kleine Stadt Lago verschlägt, wo ihn die Bewohner, fast allesamt Feiglinge, zuerst misstrauisch beäugen. Doch als der Fremde örtliche Halunken erschießt und dabei einen schnellen Umgang mit der Waffe zeigt, wollen die Bewohner ihn unbedingt zum Bleiben bewegen. In Kürze wird eine Gruppe Banditen in der Stadt erwartet, frisch aus dem Gefängnis entlassen und auf Rache ob des einjährigen Gefängnisaufenthaltes sinnend. Der Fremde soll die Stadt schützen. Er lässt sich dazu unter der Bedingung überreden, dass man ihm jeden Wunsch erfülle.

Neben der Dollar Trilogie ist ein Fremder ohne Namen einer der weiteren klassischen Eatswood Western, der zwar Elemente des Italo Westerns zeigt, von der Story jedoch eine ganz andere Richtung einschlägt, denn statt wilden Schießereien, Duellen zur Mittagszeit oder Reiteinlagen durch die Prärie, gehts es hier hauptsächlich darum ein ganzes Dorf zum Narren zu machen und deren Bewohner zu demütigen, gemeinerweise wird der Grund dafür erst am Schluß ersichtlich.
So Stapft Eastwood in gewohnt wortkarger Manier durch die Straßen von Lago (wobei "Straßen" stark übertrieben ist das Kaff hat insgesamt vielleicht 20 Hütten zu bieten), säuft und vergewaltigt ein wenig und benimmt sich insgesamt nicht gerade wie ein Schwiegermutterliebling. Die Not zwingt die Bewohner allerdings dazu den lonesome Cowboy zum Schutz der Stadt zu engagieren und ab da geht die Show erst richtig. Drei Bösewichter sind im Anmarsch doch Clint läßt ein Picknick aufbauen und mal eben die Stadt rot anpinseln (paßt ja auch zum neuen Namen "Hell").
Es gibt kaum Schießereien, kaum Tempo und dennoch ist ein Fremder ohne Namen ein Western voller Zynismus. Die Art wie eastwood die Einwohner zu willfähigen Marionetten degradiert und diese bluten läßt ist sehr intelligent geschildert. Zwar läuft alles auf eine simple Rachestory hinaus, aber auf diese Art hat dieses Vorhaben wohl noch niemand durchgezogen. Trotz geringem Budgets (maximal eine handvoll Dollar *lol*) und relativ harmloser Ballereien ist der Film keine Sekunde langweilig, allein schon um zu sehen, welche Teufelei der Fremde sich als nächstes ausdenkt. Das Finale gegen die drei Finsterlinge gerät da beinahe zur Nebensache.
Eastwood ist dabei wie beinahe immer der Prototyp des schweigsamen Antihelden, aber auch die Nebendarsteller leisten gute Arbeit. Wer mal einen guten Western abseits der gängigen Konventionen sehen möchte, ist hier jedenfalls gut aufgehoben.
7,5/10



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