Partner von sozene

Ansicht eines Reviews

Blood In Blood Out - Verschworen auf Leben und Tod (1993)

Eine Kritik von McClane (Bewertung des Films: 9/10)
eingetragen am 02.04.2005, seitdem 1899 Mal gelesen


Taylor Hackfords „Blood In Blood Out“ erzählt auf fesselnde Weise die Geschichte dreier Chicanos aus East L.A.
Anfang der 70er Jahre: Miklo (Damian Chapa) ist ein Halbblut, flieht jedoch trotz Bewährungsstrafe von der Baustelle seines weißen Vaters in Las Vegas nach East L.A., wo der spanische Teil seiner Familie wohnt. Er kommt bei seinem Cousin Paco (Benjamin Bratt) unter, einem Ex-Boxer und Heißsporn. Die beiden sind ebenso wie Pacos Halbbruder Cruz (Jesse Borrego) Mitglieder einer Straßengang namens Vatos Locos. Langsam, ruhig und doch nicht langweilig führt Regisseur Taylor Hackford seine drei unterschiedlichen Charaktere ein.
Die Vatos Locos haben jedoch Krach mit einer anderen Gang, den Tres Putos. Die Situation eskaliert und es geschieht etwas, was das Leben der drei für immer prägt: Die Gang überfällt Cruz, schlägt ihn brutal zusammen und verletzt ihn am Rückgrat, sodass für sein Leben gezeichnet ist. Die Vatos Locos suchen auf Pacos Drängen Vergeltung, doch auch dieser Streit artet aus, wobei Miklo den Chef der anderen Gang erschießt und selbst verletzt wird. Bei der Flucht vor der Polizei werden Miklo und Paco geschnappt. Die Eskalation der Gewalt ist eine der beeindruckendsten und fesselndsten Szenen des ganzen Films, die den Pulsschlag des Zuschauers direkt hochtreibt.

Nur aufgrund dieses einen Zwischenfalls entwickeln sich die Leben der drei total unterschiedlich: Cruz wird aufgrund der Schmerzen drogensüchtig und gefährdet seine Karriere als begabter Künstler. Paco wird vor die Wahl Militär oder Knast gestellt und entscheidet sich für ersteres. Durch diese Erfahrung geprägt wird er später Drogenfahnder. Miklo hat diese Chance wegen seiner Vorstrafe nicht und muss direkt nach San Quentin einwandern, wo Gangs das Leben beherrschen…
„Blood In Blood Out“ ist ein geniales Ghettodrama, das auf die üblichen Klischees verzichtet. Zwar werden auch hier bekannte Themen wie Drogensucht oder Verzweiflungstaten behandelt, aber ohne die üblichen Stereotypen. Auch das ungewohnte Latino-Milieu hebt „Blood In Blood Out“ von vielen anderen Ghettodramen ab und wird sehr stimmig rübergebracht, egal ob es sich dabei um Riten wie den Tag der Toten oder das simple Flair des Lebens in East L.A. handelt. Dabei ist die exzellente deutsche Synchro fast genauso stimmig wie der O-Ton und das ist eine echte Leistung.

Trotz der enormen Lauflänge ist der Film selbst im Director’s Cut extrem spannend und besitzt so gut wie keine Längen. Zwar sind nicht alle Handlungsstränge gleichberechtigt (vor allem Miklos Leben im Knast steht im Mittelpunkt), doch auch das stört nicht. Eingängig wird Cruz Abstieg geschildert (die dramatische Szene mit der Spritze und seinem kleinen Bruder ist ein echter Schlag in die Magengrube): Nach und nach verliert er den Respekt der Leute, die ihn lieben, und wirft seine Karriere weg, obwohl er noch die schillerndste Zukunft zu haben schien. Dem gegenüber steht Paco: Anfangs noch als Heißsporn unbeliebt, so entwickelt er sich zum Kämpfer für Recht und Ordnung – teilweise aufgrund des Schicksals seiner Freunde. Die wenigen Szenen, die seine Polizeiarbeit schildern, sind absolut fesselnd und zeigen auch dramatische Shoot-Outs, die jedoch nie in oberflächliche Action ausarten.
Hauptaugenmerk liegt jedoch auf Miklo, der als Halbblut mit seiner weißen Haut besonders um Anerkennung bei den anderen Chicanos kämpfen muss. Vor allem in San Quentin wird ihm dies klar, da der Knast von weißen, schwarzen und Latino-Gangs beherrscht wird und er sich für eine entscheiden muss. Beeindruckend klischeefrei behandelt Hackford auch hier Themen wie Homosexualität und Bandenmorde, was nicht viele Regisseure schaffen. Eingängig und hochspannend wird der kriminelle Werdegang Miklos beschrieben, wobei Taylor Hackford nicht mit krassen Szenen geizt. Doch auch hier verstärken Bandenmorde usw. nur den dramatischen Effekt und verkommen nie zu oberflächlichen Schauwerten. Das geschilderte Gangwesen gab es übrigens in den 70er und 80er Jahren sogar wirklich in amerikanischen Gefängnissen.

Doch egal wie sich die Charaktere, die sich im Verlauf der Handlung, die sich über viele Jahre erstreckt, immer wieder über den Weg laufen, entscheiden – man kann mit jeder der sehr plastisch erdachten Figuren mitfühlen. Ohne falsche Sentimentalität, aber trotzdem berührend beschreibt Hackford die inneren Zustände seiner Charaktere, die trotz ihrer unterschiedlichen Karrieren immer noch Blutsbrüder bleiben. Vor allem die bewegende Schlussszene macht dies ganz deutlich.
Zudem kann sich Hackford auf ein erstklassiges Ensemble verlassen. Vor allem dem sonst oft sehr blassen Benjamin Bratt hätte ich eine derart großartige Leistung nicht zugetraut. Mit Damian Chapa und Jesse Borrego findet er zwei genauso gute Mitstreiter und auch in den Nebenrollen kann „Blood In Blood Out“ erstklassige Darsteller wie Ving Rhames, Delroy Lindo, Billy Bob Thornton und Danny Trejo auffahren.

Regie, Darsteller und Story – das alles ist bei „Blood In Blood Out“ erste Sahne. Der Film erfordert zwar viel Sitzfleisch und ist sehr ruhig erzählt, aber wer sich auf Taylor Hackfords Meisterwerk einlässt, bekommt ein fesselndes und spannendes Drama geboten.


Zur Übersichtsseite des Films
Liste aller lokalen Reviews von McClane

Zurück





Copyright © 1999-2010 KI Media GbR
Alle Rechte vorbehalten.
Nutzungsbedingungen · Werben · Impressum
Hosted by Net-Build · mobile enabled by WebSizer



Quicksearch






User-Center

Benutzername: 
Paßwort:
Login nur für diese Sitzung:

·

1.311 Besucher online



Abonnement


Abonnement - Bitte erst anmelden
Melden Sie sich bitte an, um Abonnements vornehmen zu können



Neue Reviews


Splinter (2008)
Isle of the Damned (2008)
Summer Wars (2009)
Leben und Sterben in L.A. (1985)
Tokyo Gore Police (2008)




News


02.03. - 11:58
Die Gewinner der "VIP-Tickets" für "Engel mit schmutzigen Flügeln" stehen fest

18.02. - 14:58
Großes Gewinnspiel zum Kinostart von "Engel mit schmutzigen Flügeln"

14.09. - 16:29
Innovativ, unabhängig und unberechenbar - das größte deutsche Indie-Festival geht in die 16. Runde

17.08. - 16:43
OFDb führt Online-Tiefpreisgarantie ein

17.07. - 17:13
Sozioland präsentiert eine Umfrage zum neuen "Harry Potter"-Film


weitere News...