Als "Six Feet Under" vor einigen Jahren zu Ende ging war klar, dass die Darsteller aus dieser Top-Serie nicht lange brauen würden, um neue Jobs zu kriegen. So wandelt seit einiger Zeit Michael C. Hall als Mischung aus Detektiv und Massenmörder durch "Dexter", Freddy Rodriguez macht einen auf knallharten Punk in Robert Rodriguez Meisterstück "Planet Terror" und auch Francis Conroy kann sich immer wieder über einige kleinere Rollen, z. Bsp. in "Broken Flowers", freuen. Nur Peter Krause hatte man einige Zeit nicht mehr zu Gesicht bekommen. Bis jetzt! Denn nun hatte ihn Craig A. Baxley unter Vertrag, der mit ihm einen neuen Mystery-Dreiteiler, ganz im Stil von Baxleys früheren Werken wie Stephen Kings "Sturm des Jahrhunderts", drehte. Hierzulande als Doppelpack bei RTL 2 versendet, konnte man nun endlich auch hier Baxleys neues Werk begutachten und durfte mit Freuden feststellen, dass sein vor kurzem abgelieferter Bermuda-Dreieck-Quatsch wohl nur ein Ausrutscher war.
Denn hier läuft Baxley wieder zu alter Form auf und zeigt einmal mehr, dass er es durchaus drauf hat, spannende TV-Dreiteiler zu spinnen. Die Geschichte wirkt dabei schon einmal hübsch mysteriös und scheint genau das zu sein, was man von einem TV-Mysteryfilm erwarten darf. Es geht um den abgehalfterten Detektiv Joe Miller, der nach seiner Scheidung zurückgezogen mit seiner Tochter lebt. Eines Tages fällt ihm ein merkwürdiger Schlüssel in die Hände, mit dem er von jeder Tür aus in ein Motelzimmer gelangt und von dort aus wohin er nur immer will. Schon bald findet er heraus, dass es noch wesentlich mehr dieser mysteriösen Gegenstände gibt welche alle mit dem Zimmer verbunden sind und das es Sammler und Sekten gibt, die über Leichen gehen würden, um an diese Gegenstände zu kommen. Als Millers Tochter eines Tages in dem Zimmer verschwindet, macht er sich auf, um die Geheimnisse des Zimmers und der Gegenstände zu lüften und seine Tochter zu retten... Ohne Frage, die Geschichte macht schon beim Lesen der Inhaltsangabe Lust auf mehr. Mysteriöse Gegenstände versprechen Spannung, die Frage nach der Lösung ist bereits von Anfang an gegeben. Und so ist es auch nicht verwunderlich, dass man sich sofort von der Story gefangen nehmen lässt, Logiklöcher und Brüche mit einem Lächeln übersieht und sich an den ganzen Mysterien erfreut.
Vor allem schafft es Baxley wirklich, über eine lange Zeit hinweg, immer wieder mit Überraschungen und Innovationen aufzuwarten. Natürlich wird der Schlüssel, jenes merkwürdige Ding, dass seinen Besitzer an jeden Ort der Welt zu bringen scheint, erst einmal misstrauig beäugt, bevor er seine wahren Qualitäten offenbaren kann aber auch die Gefahren, die damit verbunden sind. Mit viel Gefühl werden vor allem die einzelnen Figuren eingeführt, von der heruntergekommen und nur durch seine Tochter noch einigermaßen lebhaften Hauptfigur, die Tochter selbst, welche mal alles andere als nervig erscheint und die vielen anderen Figuren drum herum, über die mal harmlosen, mal gefährlichen Sammler bis hin zu einer Sekte, die in den Gegenständen Gottes Werke sehen. Jeder Figur wurde hier spürbares Leben eingehaucht und nicht eine unter ihnen wurde irgendwie vernachlässigt. Und die unterschiedlichen Gegenstände lassen die Ideen der Schreiberlinge nur so sprühen. Vom Kugelschreiber der einen verbrennen lässt, über den Kamm der die Zeit anhält, bishin zum tödlichen Auge. Man ist die ganze Zeit gespannt, was als nächstes kommt und was die Macher noch so alles aus einfachen Gegenständen herausholen.
Sowieso ist Spannung und Atmosphäre hier fast durchgehend vorhanden. Schon nach den ersten Minuten möchte man wissen wie es mit den Figuren weitergeht, wo der Schlüssel seine Hauptfigur noch hinführen wird, und ob er seine Tochter überhaupt retten kann und wenn ja, wie er dies bewerkstelligen will. Der Spannungsbogen spannt sich immer weiter und weiter, mit jeder neuen Begebenheit möchte man einfach mehr wissen, bevor einen so manche Wendung wieder vom Weg abbringt. Ehrlich gesagt hat man sogar lange Zeit das Gefühl, das der Film nicht uninteressant werden würde, würde er sogar mehr als nur drei Teile umfassen. Was nicht zuletzt auch an der starken Atmosphäre liegt, welche stetig präsent ist und das Herz aller Mystery-Liebhaber höher schlagen lässt. Ein TV-Film konnte jedenfalls schon lange nicht mehr so viel Spannung und prickelnde Atmosphäre erzeugen, wie dieser hier.
Schade nur, dass dem ganzen Treiben dann zum Ende hin plötzlich doch ein wenig die Ideen auszugehen scheinen. Nachdem sich vor allem die erste Hälfte vor knackigen Ideen kaum zu retten weiß, flacht das Ganze in der zweiten Hälfte doch langsam ab und bietet dann zum Ende hin eine Lösung, die man sich nach dem Gesehenen doch wesentlich knackiger gewünscht hätte. Aber hier läuft Baxley dann noch einmal auf unnötig konventionellen Bahnen entlang, die es eigentlich nicht gebraucht hätte oder zumindest auf dem gleichen Niveau hätten sein dürfen, wie zu Beginn. So rutscht das Ganze dann im Endeffekt doch ein wenig auf der Richterskala nach unten, was ein wenig schade ist.
Aufgefangen wird das Ganze dann aber wieder von seinem exzellenten Hauptdarsteller. Schon bei "Six Feet Under" war Peter Krause ja der eigentliche Hauptstar und auch hier beweist er wieder einmal sein exzellentes Können. Wie er die Hauptfigur hier leben lässt, sie durch alle möglichen Gefühlswankungen treibt und das Treiben immer dann auffängt, wenn es droht abzurutschen, ist schlichtweg erstaunlich. Eigentlich hätte er das Zeug zu einem der ganzen Großen Darsteller in Hollywood, so ist er aber zumindest auf dem TV-Gebiet einer der besten Schauspieler überhaupt. Tatkräftig stehen im dabei weitere (TV-)Stars wie Julianna Margulies, Peter Jacobson oder auch Kevin Pollack zur Seite, die ebenfalls überzeugen. Aber Krause ist und bleibt der Beste!
Fazit: Atmosphärisches, innovatives und vor allem mega spannendes Mysteryvergnügen, dass vor allem den Fans von Baxleys früheren TV-Dreiteilern gefallen dürfte. Die Geschichte des verschwundenen Zimmer strotzt nur so vor Ideen und der Spannungsbogen bleibt fast bis zum Schluss erhalten, weil vor allem die Charaktere, die Inszenierung, sowie die Dramaturgie stimmen. Auch wenn das Ganze zum Ende hin ein wenig abflacht und die Lösung dann leider nicht mehr ganz das Niveau des restlichen Treibens hält, so kann man sich mit "Das verschwundene Zimmer" dennoch ein bis drei knackige Filmabende machen und einem der besten TV-Darsteller bei seiner Arbeit zu sehen. Auf diesem Niveau dürfen Baxley und Krause jedenfalls gerne bleiben!
Wertung: 7,5+/10 Punkte