Hin und wieder braucht der Mensch mal ein kleines, sinnfreies, praktisch verachtenswert Menschenmaterial verheizendes Ballerfilmchen, in dem die Gesetze der Wahrscheinlichkeit aufgehoben sind und man so richtig die Kuh fliegen lassen kann.
Wird das mit dem nötigen Löffel tierischen Unernstes serviert, dann kann man damit auch die griesgrämigsten Humanisten unter den Kritikern weich klopfen, denn dann gerät der Bleihagel zu einem comichaften Exzess, in dem man sich mal so richtig als Kind oder als Tier fühlen kann, ohne sich dafür zu schämen.
„Shoot’em Up“ ist so ein Film, die purste Komprimation auf den Mechanismus Gut gegen Böse, ein seelenloses Spektakel aus bekannten Actionversatzstücken, geputscht bis jenseits aller Übertreibungen.
Clive Owen spielt den finsteren (und sehr leicht wütend zu machenden) Mr.Smith, der sich eigentlich nur eine Karotte an der Haltestelle gönnen wollte und dann Zeuge wird, wie sich ein Killer daran macht, eine Schwangere zu meucheln. Keine drei Minuten später ist der Killer tot, das Kind auf der Welt, die Nabelschnur durchschossen und eine Kompanie von Killern zieht Smith ins Dauerfeuer, der mit dem Kind fliehen muß. Und dann wieder. Und wieder. Und wieder…
Mehr braucht man über den Inhalt eigentlich nicht zu sagen, denn was sich hier in der Folge an Plot zusammengeschnipselt wird, ist die Erwähnung nicht wert, es geht jedenfalls um Knochenmark und Politiker, um Waffengesetze und endlos milchgebenden Brüste der leicht angejahrten Monica Bellucci. Prost, kann man da noch sagen.
Der Zuschauer muß schon verdammt aufpassen, damit er halbwegs mitbekommt, um was es in dieser Chose überhaupt geht, denn fast ansatzlos folgt hier Feuergefecht auf Feuergefecht, unterbrochen von ein paar Stunts und kurzen Autojagden. Im Wesentlichen wird aber geballert, lang anhaltend und ununterbrochen, egal wo, sei es nun in der Waffenfabrik, in zahlreichen Werkshallen, beim Fallschirmsprung oder beim Monica-Rammeln, hier wird eine ganze Großstadt ausgelöscht, was das Killerpotential angeht.
Letzendlich ist das bisschen Plot aber auch egal, wichtiger sind One-Liner, viele Kugeln, Blut und noch mehr Kugeln. So künstlich der Plot, so abstrus ist auch die filmische Actionrealität angelegt, in der es Finsterlinge mit Maschinenpistolen nicht schaffen, aus drei Metern Entfernung Owen in den Rücken zu treffen. Man muß sich also schon frei machen von aller Logik und jeglichem Anspruch auf Realismus, dann funktioniert die rasende Fahrt.
Und dennoch, irgendwas fehlt.
Sei es nun die verbesserungswürdige Synchro, das bescheuerte Drehbuch, das die One-Liner öfters mal nacherklärt; die auf Nötigste reduzierten Worthülsen, das Under-Acting von Owen und das Over-Acting von Finstermann Paul Giamatti (wie immer ein Genuß, aber redet zu viel) – „Shoot’em Up“ bemüht sich darum, ein Knaller zu sein – es bleibt stets ein Bemühen.
Ein Kulthit soll es sein, ein Reißer für die Ewigkeit, Actionessenz, doch Kulthits werden nicht gemacht, sie erschaffen sich selbst durch ihr Publikum.
Zwar erstarrt Mark Davis Film nie in kompletter Künstlichkeit, er schafft es aber auch nur bedingt, dass das Publikum echtes Adrenalin ausschüttet, wie es etwa „Crank“ erreichte, der auch übertrieben und unwahrscheinlich war, aber seine „Situationen“ noch irgendwie menschlich auflöste.
Die hier vorliegenden 87 Minuten provozieren Gelächter, Spaß – und sind stets abstrus und leicht unwirklich. Manchmal stimmt der Takt (das Gefecht zu „Ace of Spades“ z.B.), aber dann fühlt man wieder, die Macher müssen immer noch einen draufsetzen.
Das tötet den Überraschungseffekt durch zu viele Wiederholungen und man vermisst das „Wow!“ (7/10)