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Warum eigentlich... bringen wir den Chef nicht um? (1980)

Eine Kritik von Moonshade (Bewertung des Films: 7/10)
eingetragen am 12.07.2004, seitdem 363 Mal gelesen


Lange bevor es den „Club der Teufelinnen“ gab, der die Emanzipation der Frau mal wieder so richtig schön mit Biß versah, war da schon „Nine to Five“ oder, wie er etwas verständlicher in deutsch heißt „Warum eigentlich...bringen wir den Chef nicht um?“
Der US-Titel bezieht sich auf die standardisierte Arbeitszeit einer Sekretärin in einem Großunternehmen, doch in Deutschland sind wir alle etwas flexibler, auf jeden Fall hätte 1980 der Titel wohl beim Publikum versagt.

In den Staaten jedoch war der Film einer der absoluten Renner des Jahres und knackte die 100-Mio-Marke (was 1980 keineswegs Standard, sondern ein Ausnahmefall war); was beweist, daß hier endlich mal der Geschmack von Tausenden von angestellten Frauen in niedrigen Positionen mit vielen Aufgaben angesprochen wurde.

Ein Triumvirat von namhaften Darstellerinnen gibt sich dann auch als gebeutelte Befehlsempfängerinnen die Ehre: Lily Tomlin als vierfache Mutter mit Job, die das Büro allein führen könnte, aber von ihrem Chef ständig übergangen wird. Jane Fonda spielt ein neu eingestelltes Schusselchen mit ausgeprägtem Gerechtigkeitssinn und Dolly Parton das grundsolide Mäuschen, von dem jeder denkt, daß es mit dem Chef in der Kiste landet (wogegen der nichts hätte). Allesamt gebeutelt von einem patriarchalischen, unfairen, sexistischen und miesepetrigen Chef, hervorragend gespielt von Dabney Coleman.

Der Film bringt nichts Wesentliches ans Licht, ist aber eine flott gespielte Komödie, die inzwischen etwas in den Gelenken knarzt. Der Spaß entsteht hauptsächlich durch verbale Spitzen, dann durch die Phantasien der drei Frauen, wie sie ihrem Chef den Garaus machen könnten.
Ab der Mitte rutscht der Film dann etwas in hysterischen Slapstick ab, wenn es scheint, als hätten sie ihn vergiftet und sie seine Leiche aus dem Krankenhaus stehlen möchten. Das letzte Drittel appelliert dann an den Gerechtigkeitssinn, wenn sie ihren Vorgesetzten zwangsläufig entführen und die Firma umkrempeln.

Es ist Biß drin, doch der liegt hauptsächlich an Lily Tomlin, die wie für diese Rolle gemacht ist. Fonda ist als geblümtes Mäuschen ein wenig fehl am Platz, während Dolly Parton einfach die schauspielerische Ausstrahlung fehlt, um mehr als eine niedliche Countrysängerin zu sein. Knuddelig jedenfalls der Schlußauftritt von Altstar Sterling Hayden als Firmenchef.
Wer sich jemals gefragt hat, wieso der Firmenchef in der Zomtec-Reklame (die, in der der Kindergarten eröffnet wird und alle Kinder denselben Schnurrbart tragen) so komisch gekleidet ist: es ist eine genaue Kopie einer Szene in „Nine to Five“ (nur ohne Schnurrbärte).

1980 jedenfalls fühlten sich genug Frauen auf diesem Planeten von diesem Film verstanden oder unterhalten. Anschließend gingen sie ernsthafter zur Sache und der nächste Film zu diesem Thema war Ernst: „Working Girl“. Ein Spaß zwischendurch ist’s immer noch. (7/10)


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