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Last House in the Woods, The (2006)
Eine Kritik von Randolph C. (Bewertung des Films: 7/10) eingetragen am 11.02.2012, seitdem 171 Mal gelesen
Es ist nicht sein Glückstag. Erst wird der Vater des kleinen Andrea (Francesco Lopez) bei einem Autounfall in den Wäldern getötet, danach wird seine Mutter auf der Suche nach Hilfe von einem Unbekannten (der einem Giallo entsprungen zu sein scheint) überfahren, welcher der schwer verletzten Frau im Anschluß mit einem Stein den Schädel einschlägt. Andrea flieht in den Wald, was dem Mörder nicht entgeht. Szenenwechsel. Nach einem Schäferstündchen im Auto, zu dem man sich an einen ruhigen Platz im Wald zurückgezogen hat, werden Rino (Daniele Grassetti) und Aurora (Daniela Virgilio) von den drei schwanzgesteuerten und durch Drogen aufgeputschten Halbstarken Cesare (David Pietroni), Diego (Cristiano Callegaro) und Ginger (Geremia Longobardo) überfallen und verprügelt. Just als Cesare die hilflose Aurora zu einem Blowjob zwingen will, naht Hilfe in Form des Ehepaares Antonio (Gennaro Diana) und Clara (Santa De Santis), die zufällig des Weges kommen, Zivilcourage beweisen, und das Gesindel mit einer Pistole in die Flucht schlagen. Die hilfsbereiten Samariter nehmen Aurora und Rino mit zu sich nach Hause, wo sie auf Giulio (Fabiano Malantrucco), den siebenjährigen Sohn der beiden, treffen. Was unser junges Pärchen jedoch nicht weiß: sie befinden sich nun im "Last House in the Woods", wo ungewöhnliche und grausame Dinge zur Normalität zählen. Und so nimmt eine bizarre Schlachtnacht ihren Lauf, die dank ungebetener Gäste völlig aus dem Ruder läuft...
Verantwortlich für dieses kleine, fiese, und blutige Stück Exploitation ist ein gewisser Gabriele Albanesi, der mit seinem Film dem italienischen Genrekino eine dringend nötige Bluttransfusion verpaßte (der Streifen wurde beim brasilianischen Fantaspoa Festival 2008 nicht umsonst mit dem "Grand Jury Prize" als "Melhor Banho de Sangue" (= bestes Blutbad) ausgezeichnet!). Der junge Römer (zum Zeitpunkt der Dreharbeiten war er 28 Jahre, als er das Drehbuch schrieb gar erst 22 Jahre alt) ist ein großer Horrorfilmfan und hat zuvor mit den Kurzfilmen Braccati (2001), L'Armadio (2002) und Mummie (2003) bereits etwas geübt. Il Bosco Fuori ist sein Spielfilmdebüt, und in dieses packte er so ziemlich alles rein, was ihm in den Sinn kam, wie er selbst ohne Scheu zugibt: "My intention with Il Bosco Fuori was that it would become, let's say... almost a small bible of the horror-splatter movies from the '70s and '80s." Und irgendwie ist ihm das tatsächlich gelungen, ist der Streifen doch eine bunte und sehr unterhaltsame Mischung aus gut bekannten Versatzstücken und liebgewonnenen Set-Pieces des Horrorkinos, die Albanesi ohne Rücksicht auf Verluste in seinen Plot hineingezwängt hat. Wenn man sich Il Bosco Fuori zu Gemüte führt, kommen einem unweigerlich große Namen wie Dario Argento, Tobe Hooper, Lucio Fulci, Sam Raimi und Wes Craven (sowie weniger große wie Joe D'Amato und Lamberto Bava) in den Sinn.
Eigentlich sollte dieser wilde "Best-of"-Mix nicht funktionieren, aber genau das tut er. Die offensichtliche Leidenschaft des Regisseurs ist ansteckend, und das "Anything Goes"-Szenario entfacht eine Energie (á la Demoni), die trotz dramaturgischer Schwächen, schwachen schauspielerischen Leistungen und dummen Aktionen der Protagonisten einfach mitreißt. Und ziemlich effektiv ist das Ganze auch noch geraten. Das ist zu einem großen Teil Daniela Virgilio zu verdanken, mit deren Aurora man - nach Anlaufschwierigkeiten - doch etwas mitfiebert, obwohl (oder weil) sie einige Zeit zur Untätigkeit verdammt ist. Die deftigen, handgemachten, CGI-freien Spezialeffekte (wie abgetrennte Gliedmaßen, herausquellende Gedärme, zertrümmerte Schädel, platzende Geschwüre) stammen u. a. von der SFX-Legende Sergio Stivaletti und können sich absolut sehen lassen. Albanesi merkt an, daß Il Bosco Fuori stark von Dario Argentos Phenomena, einem seiner Lieblingsfilme, inspiriert ist: "Basically the movie is almost a remake of the last half hour of Phenomena. It's an expansion of that last half hour, of that sort of delirium inside the house…". Überraschenderweise ist es ihm trotz des geringen Budgets und der knappen Drehzeit (18 Tage) gelungen, eine ähnlich verstörende Atmosphäre des Wahnsinns zu kreieren, und dafür gibt es von mir eine Standing Ovation. Da ist es auch zu verschmerzen, daß man eine eigene Handschrift in diesem grellen Genreeintopf (nennen wir es Hommage anstelle von dreistem Klau) vermißt.
Il Bosco Fuori läßt alte Zeiten teilweise wieder aufleben, in denen blutrünstige Dämonen durchs Kino tobten, die Hügel blutige Augen hatten, mit dem Teufel getanzt wurde, ein Kettensägenmassaker stattfand, und ein gewisser Dario Argento einen Kracher nach dem anderen aus dem Ärmel schüttelte. Originell ist das alles nicht, wirklich gut auch nicht, aber - verdammt noch mal - es schmeckt nach mehr!
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