Kurz gesagt: wer ein unterhaltsames Märchen für den Großteil der Familie will, ist mit Stardust gut beraten.
In den deutschen Kinos war der Film zwar allem Anschein nach nicht erfolgreich, wahrscheinlich hat der Verleih hier gepennt, denn aus dem Schatten anderer Fantasy-Spektakel und Spektakelchen (wie Narnia, Der Goldene Kompass usw.) kam Stardust nicht heraus. Und das nicht zurecht, denn der Film hat seine Qualitäten, wo die genannten versagen.
Zu diesen Qualitäten gehört vor Allem der Humor, der da zuschlägt, wo andere Filme sich viel zu Ernst nehmen. Es gibt in Stardust eine Menge genreparodistische Gags, mit denen auch die eine oder andere allzu klischeehaft seichte Szene gebrochen wird. Ja, schon, manches ist einfach flach und halt das Übliche, kitschig und vorhersehbar, aber dafür gibt es auch Überraschungen und viele hübsche, kleine Ideen. Die Hexen sind wohl die besten seit denen von Eastwick und besonders Michelle Pfeiffer spielt inbrünstig böse. Ihre Auftritte sind Klasse und lassen z.B. Robert de Niro ziemlich blass dastehen. Die schemenhaften Geister der Verstorbenen kommentieren die Handlungen beinahe auf Monty-Python-Art, und wer de Niro noch nie im Fummel gesehen hat, wird auch seinen Spaß haben. Die Idee des berüchtigten Luftpiraten, der tatsächlich ein ganz feminines Gemüt hat, ist schön, leider sieht es aus, als fände de Niro die Idee etwas lästig. Dennoch sind auch hier ein paar, teilweise grobgeschnitzte Lacher drin.
Die Bilder des Films sind umfangreich computergeneriert, was teilweise überzeugt, teilweise auch nicht (ungewöhnlich ist eine heftige Schwertkampfszene mit einem sozusagen ferngesteuerten Toten, dessen Anatomie bereits nicht mehr so recht intakt ist). Phantastische Kamerafahrten, Zauberblitze und andere Unmöglichkeiten lassen dem Auge immer wieder keine Ruhe. Dabei entsteht eine traumhafte Märchenwelt, die das Mittelalterliche mit dem 19. Jahrhundert mischt.
Durchaus interessant ist die Sexmetapher des Films. Die weibliche Hauptfigur ist ein herabgefallener Stern und je größer ihre Zuneigung zum Helden der Geschichte wird, desto mehr leuchtet sie wie ein Stern. In einer erotischen Lesart, die auch den prüden Zustand der amerikanischen Gesellschaft bedenkt, verweist das Leuchten auf eine sexuelle Erregung und ist somit gleichbedeutend mit der einen oder anderen Versteifung des einen oder anderen Körperteils. Sex ist mehrfach ein Thema: es geht in der Geschichte von Stardust um die Suche nach der wahren Liebe und die sexuelle Initiation der beiden Hauptfiguren, es geht um die Sucht nach ewiger Jugend, was hier gleichbedeutend mit Attraktivität ist (vermischt mit dem hemmungslosen Machtstreben einiger Figuren), und es geht in geringem Maße auch um homoerotische Beziehungen (sowohl von Frau zu Frau wie auch von Mann zu Mann). Ansonsten sind die Rollenverteilungen genregemäß klar: die Bösen sind böse, die Guten gut, die Männer kämpferisch, die Frauen schön bis zur Lichtüberflutung. Das alles kann man herauslesen, wenn man will, und das heißt auch: ein Film in bester klassischer Märchenmanier.
Stardust ist ein rasantes Abenteuer, kein großes Kino, doch immerhin mit Witz (und gelegentlichen Albernheiten) inszeniert, und wie alle guten Märchen auch brutal. Am nicht weiter überraschenden Ende gibt es eine große Party, die Guten sind belohnt, die Bösen bestraft, die Welt ist zwar seltsam, aber sie ist wieder in Ordnung.
Und dann kommt leider der Abspann mit einem unsäglich deplazierten Rule the World von Take That...