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Sternwanderer, Der (2007)
Eine Kritik von Mr.Wilt (Bewertung des Films: 9/10) eingetragen am 09.12.2008, seitdem 261 Mal gelesen
Der Sternwanderer… (mit kleineren Spoilern)
…ist das schönste Märchen für Erwachsene, das mir in den letzten Jahren untergekommen ist und stellt dabei sogar Genreklassiker wie „Die Braut des Prinzen“ und „Corpse Bride“ in den Schatten.
Umso verwunderlicher ist, dass ich bis zur Sichtung des Making-of zum Film noch nie von der gleichnamigen Buchvorlage (im englischsprachigen Original Stardust) des Autors Neil Gaiman gehört hatte, wohingegen z.B. der um Klassen schlechtere Harry Potter in aller Munde ist. Inzwischen habe ich mir auch das Buch zu Gemüte geführt und bin trotz vorhandener Unterschiede von beidem sehr, sehr angetan.
Entgegen meiner sonstigen Gewohnheiten bei Buchverfilmungen kann ich nicht sagen, dass das Buch besser ist. Vielmehr ist es bei dieser Adaption, an der Gaiman selbst mitgewirkt hat, gelungen, die Geschichte als solche zu erhalten, aber die Einzelheiten dem Medium Film in notwendigem Umfang anzupassen. So dauert es im Buch z.B. deutlich länger bis Tristan Thorn (Charlie Cox) auf den Stern trifft. Diese Kürzung, und das gilt weitestgehend auch für alle weiteren, war für den Film notwendig, um die Handlung nicht unnötig in die Länge zu strecken. Hinzu kommt, dass nur solche Stellen gekürzt wurden, die inhaltlich verzichtbar waren ohne das Flair des Ganzen zu beschädigen. Im Gegenzug wurden auch einige Erweiterungen vorgenommen, die den Geist des Buches so sehr wiederspiegeln, dass man sich später beim Lesen wundert, sie im Buch gar nicht vorzufinden. Darunter fallen Kleinigkeiten wie der Tod von Secundus (Rupert Everett) oder das grandiose Schauspiel zwischen einem fremdgesteuerten Septimus (Mark Strong) und Tristan gegen Ende des Films, aber auch so erhebliche Veränderungen wie die Ausdehnung der Rolle der Luftpiraten und den finalen Abgang der Hexen. Gerade die Figur des Captain Shakespeare (Robert De Niro) befand sich in der Form gar nicht im Buch, stellt aber meines Erachtens ein absolutes Highlight des Filmes dar.
Zudem wurde den Örtlichkeiten und Geschehnissen durch die visuelle Darstellung noch mehr Größe und Bedeutung verliehen - weshalb alles noch viel beindruckender erscheint, als es in meiner Vorstellung beim bloßen Lesen des Buches der Fall gewesen wäre. Das reicht von der Burg des Königs von Stormhold über die Unterkunft der Hexen bis zur Präsentation von deren Zauberkünsten. Ob das nun nötig und sinnvoll war liegt wohl im Auge des Betrachters -mir jedenfalls hat es gefallen.
Bei all den angesprochenen Veränderungen soll aber nicht unerwähnt bleiben, dass ein ganz wesentlicher Teil der Vorlage nahezu eins zu eins übernommen, und bei der gesamten Umsetzung des Stoffes nie vergessen wurde, dass das Original selbst schon ein Kleinod der fantastischen Literatur darstellt.
Kulissen, Kostüme und visuelle Effekte sind dem Stil der Geschichte perfekt angepasst, sodass in jeder Situation klar ist, dass man hier ein zwar spannendes, aber doch buntes und vergnügliches Märchen zu Gesicht bekommt, dass gekonnt zwischen Vorstellbarem und Wunderlichem wechselt und den Zuschauer keinen Moment lang aus seinem Bann lässt.
Gleiches lässt sich auch zur musikalischen Untermalung sagen, die die jeweilige Atmosphäre aufgriff und so ein weiterer Garant dafür war, dass ich diesen Film nun in so höhen Tönen loben kann.
Selbstverständlich trägt bei einem solchen Filmerlebnis immer auch die Auswahl der Darsteller und deren anschließende Leistung einen wesentlichen Bestandteil zum gesehen Vergnügen bei. Und wie sollte es anders sein - die Auswahl war in nahezu allen Belangen perfekt. Vom relativ unbekannten Gesicht des Charlie Cox, der aufgrund seiner freundlichen und lebhaften Ausstrahlung vom ersten Moment als Sympathieträger funktioniert, über Claire Danes, die als Stern Yvaine ganz wunderbar mit diesem harmoniert, weiter zu Hollywood- Legende Robert De Niro, der als Blitzpirat mit traumwandlerischer Sicherheit zwischen seiner Paraderolle und dem genauen Gengenteil wechselt, bis hin zu Michelle Pfeiffer, die als alternde Hexe Lamia mit einer guten Portion Selbstironie zu Werke ging, aber in den entsprechenden Momenten die der Rolle immanente Gier und Grausamkeit derart verkörpert, wie es kaum eine Zweite könnte. Der heimliche Star ist für mich aber der mir bis dahin nie besonders aufgefallene Mark Strong als Septimus. Schon während des Ansehens hat er mich spätestens mit seinem Auftritt als „Marionette“ überzeugt. Nachdem ich dann aber das Buch gelesen hatte, stand vollkommen fest, dass er die Rolle mit all ihren Facetten gelebt hat.
Aber auch die diversen Nebendarsteller konnten vollends überzeugen. Sienna Miller lässt keinen Zweifel daran aufkommen, dass die von ihr gespielte Victoria ein verwöhntes Gör ist, wohingegen Nathaniel Parker den liebevollen Vater Dunstan Thorn nicht nur einfach, sondern wirklich darstellt. Melanie Hill macht dem Namen ihrer Rolle „Straßengraben Sal“ sowohl optisch, sowie im Verhalten alle Ehre und Peter O'Toole ist nicht erst seit „Troja“ einfach der König. Als alter „Coupling“-Fan hat es mir dann natürlich auch Sarah Alexander als eine Weitere der drei Hexen angetan, die ich aber aufgrund des hervorragenden Makeups erst auf den fünften Blick erkannt habe.
Wer nun an dieser Stelle eins und eins zusammenzählt, der weiß, dass bei so viel berechtigtem Lob für die einzelnen Bestandteile des Films kaum mehr etwas Schlechtes bei deren Zusammenführung herauskommen kann. Und wenn dieser letzte Punkt dann auch noch so perfekt umgesetzt wird, wie dies Regisseur und Produzent Matthew Vaughn im vorliegenden Fall getan hat, dann muss man zu Spitzennoten greifen, denn letztlich fehlen nur Nuancen zur Höchstwertung.Es bleiben daher satte 9/10 Punkte.
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