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Sternwanderer, Der (2007)

Eine Kritik von McClane (Bewertung des Films: 8/10)
eingetragen am 23.04.2009, seitdem 648 Mal gelesen


Während die meisten Fantasyfilme im Fahrwasser von „Herr der Ringe“ eher zu wünschen übrig ließen, konnte der Brite Matthew Vaughn mit der Verfilmung von Neil Gaimans „Stardust“ mal einen ausgesprochen gelungenen Beitrag abliefern.
In dem abgedrehten, etwas anderen Fantasyszenario geht es unter anderem um eine Art Parallelwelt, die von England durch einen Zauberwall abgetrennt ist. Ausgerechnet jenen will Tristan (Charlie Cox) – wie sein Vater es vor Jahren tat – überqueren, um der Angebeteten Victoria (Sienna Miller) als Präsent einen abgestürzten Stern mitzubringen. Diese nutzt ihn nur aus, doch ähnlich wie Frodo und Konsorten ist Tristan am Anfang seiner Reise noch naiv, insofern ein verzeihlicher Fehler und der Beginn einer klassischen Heldenreise, bei welcheder Held nicht nur Strecken zurücklegt, sondern auch eine innerliche Reise alias Reifeprozess antritt.
Doch noch wesentlich mehr geht in dem Königreich ab. Die Hexenkönigin Lamia (Michelle Pfeiffer) will den Stern einsammeln, um die Jugend von sich und ihren beiden Schwestern herzustellen. Gleichzeitig soll das Auffinden des Sterns die Nachfolge eines eigensinnigen Königshauses klären: Da noch keiner der potentiellen Thronfolger sämtliche Brüder umgenietet hat, knüpft der sterbende König das Erbe eben daran. Das urkomische Rivalentum mit Todesfolge gibt dann Raum für einen extrem kurzen, aber ausgesprochen amüsanten Gastauftritt Rupert Everetts, der als verblödeter Königssohn dran glauben muss.

Tristan kommt jedoch als erster an der Absturzstelle an und muss feststellen, dass der Stern auf dem Boden der Tatsachen angekommen eine junge Frau ist: Yvaine (Claire Danes). Doch bei so vielen Interessensgruppen ist eine abenteuerliche Reise vorprogrammiert...
Was „Stardust“ alias „Der Sternwanderer“ von dem zig sonstigen Fantasyverfilmungen abhebt ist der Mut mal eine weniger herkömmliche Herangehensweise zu veranschlagen, die der Vorlage geschuldet ist. „Stardust“ bedient mehrere Genres im Fantasygewand, darunter auch das Genre der Romantic Comedy. Denn Abenteurer und Stern sind an sich ein schönes Paar, müssen nur noch auf den Trichter kommen, dass sie einander verdienen. Die zahlreichen Streitigkeiten der beiden stehen dann auch in charmanter Screwballtradition, die man im Fantasykontext doch eher selten antrifft.

Der eigenwillige Humor und der Mut zur Andersartigkeit sind die beiden Eigenschaften, die „Stardust“ vor allem auszeichnen. Die Geister der gemeuchelten Königssöhne, welche das Geschehen kommentieren, sind nur ein Auswuchs des Ganzen, hinzu kommen eine zum Menschen transformierte Ziege, kreative Intrigen bei der Hexen und Königssöhnen und ähnliche Scherze. Ganz großes Highlight der Auftritt des Piratenkapitäns Shakespeare (Robert De Niro), der nach außen hart und rücksichtslos ist, insgeheim allerdings kultiviert und homosexuell. Dabei verfällt der Film nicht einfach in den Jack Sparrow Modus, sondern verpasst dieser Figur eine ganz eigene, nicht weniger lustige Aura.
Doch auch die traditionellen Fantasyelemente werden großzügig bedient: Bunte Abenteuerszenarien, kleine Actionszenen wie Schwertkämpfe und die Schaffung einer stimmigen Phantasiewelt sind die klassischen Pfunde, mit denen „Stardust“ wuchern kann. Sicher sind die CGI-Effekte nicht ganz so gut wie bei manch anderem Genrefilm, doch die Konkurrenz hatte meist auch noch größere Budgets an Bord, dafür sind die FX in „Stardust“ mit viel Liebe zum Detail in Szene gesetzt, darunter Skurrilitäten wie ein herbeigezaubertes Instant-Gasthaus oder wunderbar eingebaute Gestaltwandlerszenen.

Bei soviel Charme fällt nur teilweise auf, dass die Grundgeschichte von „Stardust“ klar hinter den Schauwerten zurücktritt und der Plot in einigen Punkten etwas vorhersehbar ist – gerade die aufgesetzte Szene, in der Tristan erkennt, dass er Victoria gar nicht will ist da ein eindeutiges Indiz. Aber ganz ehrlich: Böse kann man „Stardust“ nicht sein, selbst leicht kitschige Momente (z.B. das helle Leuchten Yvaines in Glücksmomenten) sind immer noch mit viel Charme und Wärme umgesetzt.
Dies ist auch Verdienst des dynamischen Hauptdarsteller-Duos Charlie Cox und Claire Danes, das wunderbar harmoniert, jedoch von den Nebendarstellern noch übertroffen wird. Michelle Pfeiffer meldet sich eindrucksvoll zurück, nachdem in den letzten Jahren sonst wenig von ihr hörte, und beeindruckend fies ist sie auch – nicht zu vergessen, die Seitenhiebe auf Schönheitswahn, die sie in ihre Rolle einfließen lässt. Robert De Niro parodiert Machoideale grandios, Mark Strong als übereifriger Königssohn ist große Klasse und Rupert Everetts Gastauftritt ein Traum.

„Stardust“ ist ein ebenso toll gespielter wie inszenierter Fantasyfilm, der vor allem durch seinen Humor über so Filme wie „Der goldene Kompass“ herausragt. Nicht unbedingt komplex, aber darüber trösten Schauwerte und Gags en masse hinweg.


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