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Poltergeist (1982)

Eine Kritik von Moonshade (Bewertung des Films: 10/10)
eingetragen am 30.01.2001, seitdem 1868 Mal gelesen


Einer meiner All-Time-Favorites!
Diesen Film dürfte allmählich jeder schon einmal gesehen haben, denn das Fernsehen fetzt ihn uns ja ständig um die Ohren. Darum nur die Kurzzusammenfassung: Fünfköpfige Familie mit Haus in einer malerischen Vorstadtsiedlung irgendwo in den USA wird eines Tages zum Opfer von Poltergeistphänomenen. Zunächst noch amüsiert, verschärft sich die Situation, als in einer stürmischen Nacht die jüngste Tochter von fremden Mächten entführt wird. Ein herbeigeeiltes Parapsychologenteam weiß wenig Rat, erst ein Medium bringt die Familie wieder zusammen. Als alles wieder heil und zufrieden wirkt, blasen die Toten schließlich zum Generalangriff auf das Haus...
Tobe Hooper steht da in den Credits als Regisseur, doch letztendlich ist es eindeutig die Handschrift von Steven Spielberg, die diesen Meilenstein auszeichnet. Obschon ein Mahlstrom an Effekten und Ideen, bleibt als zentrale Idee der Zerfall der heilen amerikanischen Familie und ihre Wiederzusammenführung. In einer Neubausiedlung, in der sich die Häuser nur im Inneren voneinander unterscheiden, wird hier ein Bild des Mittelstandsamerikas gezeichnet, wie das kaum ein zweiter je geschafft hat. Vater arbeitet, Mutter kümmert sich um das Haus, die ältere Tochter wird flügge, die jüngeren Kinder nerven, mit den Nachbarn gibts Streit, all das im Wohlstandsheim samt Garten und im Bau befindlichen Pool. Und in diese Idylle schlägt die andere Seite wie eine Axt: Geisterfinger kommen aus dem Fernseher, ein Baum greift nach dem Sohn, Stühle türmen sich von selbst auf den Tisch, der Hund bellt die leere Luft an. Dann öffnet sich das Tor zur Geisterwelt in der Kammer des Kinderzimmers und nichts ist mehr so, wie es einmal war.
Hooper/Spielberg inszenieren von hier an einen amerikanischen Alptraum, der zwar am Ende von den selben Klischees besiegt zu werden scheint, die man eigentlich vermeiden wollte. Der Vater verfällt, die Mutter erstarkt, die Kinder geraten mehr und mehr an den Rand der Hysterie.
Und wie gesagt: diese stille Satire, die nicht einmal von den grandiosen Effekten totzukriegen ist, ist erst dann zu Ende, wenn das Drehbuch es will und das geht nach der Klischeekelle noch eine Weile weiter.
Jobeth Williams und Craig T.Nelson rasen hier als Ehepaar durch alle Höhen und Tiefen eines Ehelebens, in Zeitraffer versetzt von übernatürlichen Kräften.
Auch die Nebendarsteller können keinen Ausfall vorweisen, auch wenn die allseits berühmte Heather O'Rourke als jüngste Tochter und Opfer bisweilen etwas debil dreinschaut.
"Poltergeist" ist der extravaganteste Zauberkasten, den Hollywood in den letzten zwanzig Jahren je entfesselt hat, unerreicht und immer noch nicht oft genug gesehen. (10/10)


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