Ansicht eines Reviews

Wüstenplanet, Der (1984)

Eine Kritik von McClane (Bewertung des Films: 7/10)
eingetragen am 17.12.2005, seitdem 937 Mal gelesen


David Lynchs Umsetzung von Frank Herberts Kultroman „Dune“ ist sein sicherlich bekanntestes Werk.
Um die dicke Schwarte Buch in rund 130 Minuten Film zu quetschen, greift Lynch auf Mittel zurück, die normalerweise als unfilmisch gelten und besser vermieden sollten: Zum einen teilt er die Gedanken der Charaktere per voice over mit, was etwas seltsam anmutet, zum anderen erklärt eine gesprochene Einleitung die Ausgangssituation. Auf dem Wüstenplaneten Dune kann man das Spice, eine wichtige Droge, gewinnen. Wer das Spice kontrolliert, kontrolliert das Universum und deshalb kloppen sich das edle Herrschaftshaus Atreides und die miesen Harkonen um den Planeten.
Momentan hat das Haus Atreides gewonnen, weshalb der Herzog Leto (Jürgen Prochnow) mit seinem Sohn Paul (Kyle MacLachlan) nach Dune reist. Doch die Harkonen und der galaktische Imperator haben eine Falle gestellt, um die Herrschaft an sich zu reißen und das Haus Atreides endgültig zu besiegen…

Was nun folgt ist ein Kampf gut gegen böse, der in seiner Konstellation ein wenig an „Star Wars“ erinnert, wenngleich „Dune“ eine eher philosophische Variante von Sci-Fi-Krieg darstellt, was nicht zuletzt auf David Lynch zurückzuführen ist. So erweist „Dune“ öfter als eine Art Bilderrausch, wie Lynch ihn ja gerne zelebriert. Vor allem in der Einleitung lässt sich Lynch viel Zeit, um das Leben auf Dune in schwelgend zu porträtieren (man siehe nur den ersten Wurm-Auftritt); bis Paul zum Widerstandskämpfer wird, ist bereits der halbe Film vorbei. Doch „Dune“ besitzt trotz dieser Abschweifungen vom Hauptplot überraschend wenig Längen und kann den Zuschauer ganz gut fesseln.
Im Gegensatz zur „Star Wars“ und Co. fällt jedoch auf, dass „Dune“ visuell weniger ausgereift ist. Die Architektur der Paläste, Garnisonen, Raumschiffe usw. ist schon recht phantasievoll, doch die Effekte bei Raumflügen, Wurmritten, Schutzschilden und dergleichen sehen doch ziemlich mau aus und waren selbst bei der Entstehung nicht auf der Höhe der Zeit. Auch in den wenigen Gefechten schafft Lynch es Atmosphäre aufzubauen, doch gleichzeitig merkt man ihm an, dass er kein Actionregisseur ist und so nur wenige Szenen wie der Kampf zwischen Paul und Feyd-Rautha (Sting) wirklich hängen bleiben.

Trotzdem ist „Dune“ ziemlich gelungen, denn auch Romanunkundige wie ich bekommen die Faszination des „Dune“-Universums spürbar präsentiert. Einige Ideen wie der Baron, der wie ein hässlicher Luftballon durch die Gegend fliegt und aus purem Sadismus Sklaven massakriert, sind etwas dämlich, aber viele Einfälle faszinieren. Da wären zum einen die weltbekannten Sandwürmer, die mythisch angehauchte Kultur der Fremen (die Ureinwohner Dunes) oder auch die Idee eines ferngesteuerten Dolches, mit dem man Paul zu töten versucht. Gerade diese Ansammlung von Ideen und Kuriositäten macht dann auch die Faszination des Films aus, da der Plot mit seiner simplen Geschichte kaum jemanden aus den Socken haut.
Schauspielerisch kann man sich auch kaum beklagen. Kyle MacLachlan war schon besser, aber auch deutlich schlechter, aber in den Nebenrollen gibt es einige tolle Leistungen. Gerade Sting ist erfrischend fies und Jürgen Prochnow als väterlicher Herzog spielt sehr überzeugend. Auch sonst kann das prominent besetzte Ensemble überzeugen (u.a. noch Max von Sydow und Patrick Stewart), wenngleich viele von ihnen (z.B. Virginia Madsen, Sean Young und Linda Hunt) nur Minirollen oder bessere Cameo-Auftritte zugemessen bekommen.

Unterm Strich ist „Dune“ ein Kuriosum, das vor allem durch Lynchs Stil und viele eigenartige Ideen fasziniert, sodass man auch den im Grund genommen simplen Plot und die altbackenen Effekte zum Teil ignorieren kann.


Surprise me!
"Surprise me!" BETA
Lassen Sie sich überraschen! Wir führen Sie zu einem zufälligen Treffer zu einem Thema Ihrer Wahl... Wollen Sie eine andere Kritik von "McClane" lesen? Oder ein anderes Review zu "Wüstenplanet, Der (1984)"?


Zur Übersichtsseite des Films
Liste aller lokalen Reviews von McClane

Zurück





Copyright © 1999-2012 KI Media GbR
Alle Rechte vorbehalten.
Nutzungsbedingungen · Werben · Impressum
Hosted by Net-Build



Quicksearch






User-Center

Benutzername: 
Paßwort:
Login nur für diese Sitzung:

·

835 Besucher online





Abonnement


Abonnement - Bitte erst anmelden
Melden Sie sich bitte an, um Abonnements vornehmen zu können



Neue Reviews


Mein wunderbarer Waschsalon (1985)
Hereafter - Das Leben danach (2010)
Get the Gringo (2011)
Blade 2 (2002)
Shaolin - Warteliste des Todes (1979)



News


Unser News-Bereich wurde überarbeitet und wird in Kürze weiter ausgebaut werden, damit Sie stets aktuell über alle Neuigkeiten rund um die Welt des Films informiert sind.

» Zum neuen News-Bereich