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No Country for Old Men (2007)
Eine Kritik von bigimot66 (Bewertung des Films: 7/10) eingetragen am 01.03.2008, seitdem 903 Mal gelesen
Filme der Coen-Brüder geniessen in Insider-Kreisen einen durchaus guten Ruf. Den grossen kommerziellen Wurf haben Joel und Ethan Coen allerdings auch nach mehr als zwanzig Jahren nicht landen können. Bei Kritikern und Cineasten haben Streifen wie Blood Simple, Fargo, Hudsucker und Barton Fink zwar einen dicken Stein im Brett, aber wenn man überhaupt von einem publikumsrelevanten Interesse an ihren Filmen sprechen kann, dann handelt es sich meist um ihre schwächeren Filme wie z.B. Ladykillers oder Ein unmöglicher Härtefall.
Die Oscar-Verleihung 2008 ist nun gerade mal fünf Tage her und wenn man von einem Gewinner sprechen darf, dann von den Coen-Brüdern mit ihrem neuen Streifen „No Country For Old Men“.
Der aktuelle Coen-Film erzählt die Geschichte von Llewellyn (Josh Brolin), der durch Zuall in der Wüste auf die Überreste eines Massakers unter Droger-Dealern stößt. In Mitte einer Menge an Toten und Fast-Toten findet er eine wagenladung Drogen und einen Koffer voller Geld. Sinnvollerweise schnappt er sich aber nicht die Drogen, sondern den Geld-Koffer, versteckt ihn daheim und einem besseren Leben scheint nichts im Wege zu stehen...
Ausser seinen Gewissensbissen! Nachts treibt es ihn wieder in die Wüste um einem Schwerverletzten Wasser zu bringen, dummerweise bringt genau diese Aktion eine Meute von Mexikanern und einen psychopathischen Killer (Javier Bardem) auf seine Spur. Fortan befindet er sich auf der Flucht und seine Frau in akuter Gefahr!
Man könnte jetzt vielleicht denken im Falle von „No Country For Old Men“ hat man es mit einem actionreichen, typischen Hollywood-Thriller zu tun. Aber dieser Gedanke keimt wohl bloß in Coen-unerfahrenen Zuschauern auf! Die Handlung läuft hier in nahezu zwei Stunden Spielzeit so gar nicht im typischen Hollywood-Stil ab, so daß der Durchschnittszuschauer dem ganzen Film eigentlich ausser einigen ziemlich blutigen Actionszenen wahrscheinlich nichts besonderes abgewinnen kann.
Wer sich jedoch in die cineastische Welt der Coen-Brüder begibt wird hier durchaus zufriedengestellt!
Im Gegensatz zu den letzten Filmen ist jetzt endlich wieder Schluß mit lustig und es geht sozusagen wieder back to the roots.
Wie in Blood Simple und Fargo gibt es endlich wieder die so lange vermisste Coen-typische Athmosphäre zu bewundern. Also keine spektakulären und durch Farbfilter und was-weiß-ich-noch-was geschönten Bilder, keine unrealistischen attraktiven Darsteller, kein sich beim jugendlichen Publikum anbiedernder hipper Soundtrack und natürlich auch keine nach Schema F ablaufende Handlung! „No Country“ fängt in nüchternen Bildern das andere Amerika, abseits der unrealistischen Hochglanz-Magazine und der Hollywood-Traumfabrik, ein.
Der eigentlich nicht weiter beschriebene Charakter des Llewellyn z. B. ist sozusagen ein Prototyp für die meisten Leute auf diesem Planeten. Er lebt in nicht gerade mit allzu viel Wohlstand ausgestatteten Verhältnissen irgendwo in der amerikanischen Pampa in einem Trailer. Eine Chance wie er sie mit dem Fund des Geldes vorfindet, erträumt sich manch einer vielleicht auch in etwas anderer Form. Getreu dem Motto, wenn ein Sack Geld von der Ladefläche des Geldtransporters fiele, dann würde ich...
Man kann ja träumen! Die Chance wird sich zwar wohl den wenigsten von uns bieten, aber gerade deswegen wünscht man unserem Helden natürlich alles Glück bei seiner Flucht mit der Kohle. Da das Drehbuch dem Hauptcharakter sogar eine gewisse, aber nicht übermäßige Cleverness zugesteht ist eine Identifikation mit dem Flüchtigen für den Zuschauer problemlos möglich, was natürlich schon die halbe Miete in puncto Einbindung ins geschehen darstellt.
Da ich gerade beim Drehbuch bin, das ebenfalls einen Oscar erhielt - es hat seine Stärken aber auch seine ganz krassen Schwächen! Die Stärken sind die darin beschriebenen Charaktere, ihr Milieu und die Tatsache, daß die Handlung eben nicht nach dem üblichen Hollywood-Schema abläuft, die Schwächen liegen dafür in einigen losen Enden und dem fast allen Charakteren fehlenden tiefergehenden Background.
Das absolute Highlight hier ist aber der durchgeknallte Killer Anton der vom Spanier Javier Bardem wirklich herausragend dargestellt wird!
Natürlich kommt so ein durchgeknallter Killer in fast jedem fünften oder sechsten Film vor und um von den drehbuchtechnischen Schwächen abzulenken tragen die meisten davon oft eine furchteinflössende, seltsame Waffe bei sich. Dies tut unser Killer zwar auch, aber trotzdem unterscheidet sich Anton von all den anderen. Das liegt am Drehbuch, daß ihm mehr Raum für die individuelle Darstellung seines Wahnsinns gewährt und natürlich an Bardem, der mit einem gewissen Mut zur Hässlichkeit die Figur erst wirklich erschreckend und realistisch darstellt. Die obligatorische monströse Mordwaffe existiert hier zwar auch, aber ich bezweifle daß bisher jemand auf die Idee kam dafür ein Bolzenschuß-Gerät zu verwenden, was ich übrigens für absolut kultverdächtig halte!!
Grundsätzlich muß ich feststellen, daß dieser Film für die Coen-Brüder und ihre Fangemeinde ein Schritt in die richtige Richtung ist, die Oscar-Ehrungen für sie beste Regie, den besten Film und das beste adaptierte Drehbuch aber eindeutig übertrieben sind. Natürlich hängt die Vergabe dieser Preise immer vom aktuellen (zugegeben recht durchschnittlichen) Angebot ab, aber in den meisten Vorjahren wäre der Streifen in den genannten Kategorien sicherlich nicht einmal für die Vorauswahl zur Oscar-Verleihung in Frage gekommen!
Da manche Stimmen „No Country“ schon als den neuen „Fargo“ hochstylisierten, kann man anhand der Ehrungen sogar davon ausgehen, daß dies zutrifft. Man sollte aber trotzdem die schwache Konkurrenz dieses Jahres nicht ausser acht lassen!
Fazit: Ordentlicher Streifen der Coen-Brüder. Realistisch, hart und mit einem zu Recht mit dem Oscar ausgezeichneten Javier Bardem in der Nebenrolle.
Der eigentliche Hauptdarsteller, Josh Brolin, kann zwar überraschen, zusammen mit Tommy Lee Jones und Woody Harrelson spielt er aber in einer deutlich niedrigeren Liga als Bardem!
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