Review

No Country for old men ist ein dummer, brutaler und langweiliger Film. Weshalb die Academy dieses Genrewerk zum besten Film des Jahres gekürt hat – kann man angesichts der harten Konkurrenz nicht nachvollziehen.
Einzig die Bilder sind erwähnenswert – allerdings keinesfalls so spektakulär wie bei Tarantino oder so episch gelassen wie bei Marc Forster.

Am armseligsten ist jedoch die Story dieses in den 80er Jahren angesiedelten Streifens. Nach einem missglückten Drogengeschäft findet ein Texaner (Josh Brolin) einen Geldkoffer mit 2 Millionen Dollar.
Er flieht mit der Beute und wird dabei von einem extrem skrupellosen Killer (Javier Bardem) verfolgt. Eingerahmt ist die Geschichte von der bevorstehenden Pensionierung des lokalen Sheriffs (Tommy Lee Jones).

Das ist alles. Keine Liebe, keine Hoffnung, keine Vorgeschichten – eine reine Verfolgungsjagd mit minimalem Hintergrund und einer ganzen Reihe von überflüssigen Szenen (Sheriff und Leichenwagentruck, zweiter Profikiller, zweite Szene an der Grenze etc. – das hätte man alles ersatzlos streichen können).

Die Dialoge sind unterirdisch schlecht („Teufel noch mal die haben sogar den Hund erschossen“ „Ja die sind sich wohl nicht einig geworden“ oder „Man sollte so was nicht machen“ "Was denn?" „Na, trampen“ oder auch „Man soll ja nicht lügen, es sei denn, es geht nicht anders“).
Die Figuren haben keine Tiefe und der Film ist über weite Strecken langweilig, weil auf Filmmusik verzichtet wurde und dadurch Spannung ausbleibt.

Richtig ärgerlich ist außerdem wie großartig die Figur des Killers Anton Chigurh (Javier Bardem) dargestellt wird. Dieser Killer ist nicht nur extrem cool, sondern gleichzeitig auch noch übermächtig und unverwundbar. Er weiß alles, kann alles, trickst die Polizei problemlos aus und hat keine einzige Schwäche.

Er ist ein echter Supermann und deshalb natürlich Identifikationsfigur und Vorbild. Er kann beispielsweise einfach am helllichten Tag mitten in Dallas in das Büro des örtlichen Obergangsters spazieren (wohlgemerkt in einem Hochhaus). Dort alle erschießen und nachher einfach so rausspazieren. Niemand kann ihn fassen.
Und wenn er jemanden sucht, dann findet er ihn auch – obwohl dieser jemand in Mexiko untergetaucht ist (und der Film in den 80ern spielt).

Regietechnisch ist diese Art der Darstellung ein schlimmer Fehler, denn nach kürzester Zeit hat man begriffen, dass jede Szene in der der Killer auftaucht eindeutig ausgeht.
Doch das Ärgerlichste ist, dass – so wie es dargestellt wird - der Killer der eigentliche Held der Geschichte ist.
Aber was ist eigentlich so toll daran, alle umzubringen? Oder ist das neu?
Hat Franco Nero nicht schon 1966 Django gespielt? Wieso soll das 42 Jahre später erneut ein großes Publikum schockieren oer beeindrucken?

Nein, das macht überhaupt keinen Sinn. Auch der Rückgriff auf die 80er wirkt unbeholfen. Statt GPS-Signal gibt es einen Sender, der nur einen Kilometer weit funkt. In Texas ist das eigentlich nicht der Rede wert – aber für Supermannkiller ausreichend. Wenn mal etwas länger darüber nachdenkt, wirkt das ganz schön albern.

Jedenfalls muss man heutige Filme auch an der heutigen Konkurrenz messen. Den aktuell besten Film über einen Profikiller hat Doug Liman inszeniert: Die Bourne Identität. Ein Profikiller wacht auf und fragt sich, warum er eigentlich so gut töten kann und was ihn zu dieser Killermaschine gemacht hat. Dabei bewegt sich Bourne auf der absoluten Höhe der Zeit, trickst Überwachungskameras aus, hackt sich in Computernetze ein und ist in jeder Sekunde geistesgegenwärtig und zu 100 Prozent konzentriert.
Eine spannende Geschichte, die Peter Greenberg kongenial filmisch weiterentwickelt hat.
Aber was ist No County for old men? Wo wird hier die Frage nach dem Sinn gestellt?

Doch nicht etwa in der letzten Aussage des Sheriffs, der überhaupt nichts ausrichtet.

Jedenfalls hat man den Eindruck, dass die Coen Brüder für No Country for old men eher bei anderen etwas zusammengeklaut haben, als etwas Eigenständiges zu entwickeln. Vielleicht ist das ja heutzutage der Weg um DEN Oscar zu kriegen, the Departed war ja auch nur ein Remake. Doch zurück:
Von Django stammt der Part des Killers.
Von Monsters Ball die Kameraführung und die Rolle des Sheriffs.
Und von Bring mir den Kopf von Alfred Garcia die gnadenlose Story.

Aber in all diesen Filmen entwickeln sich die Figuren und werden durch die Geschichte verändert.
Hier hingegen taucht der Profikiller auf und bleibt durchgehend derselbe. Javier Bardem hat dafür einen Oscar gekriegt (für die beste Nebenrolle, haha, der ist die Hauptrolle!). Und er spielt den Killer auch sehr dämonisch und überzeugend - tatsächlich sogar so gut, dass neben ihm alle anderen Figuren verblassen.
Bardem ist unbestreitbar ein sehr, sehr guter Darsteller.
In „Das Meer in mir“ hat er einen vom Hals abwärtsgelähmten Querschnittsgelähmten in so vielen Facetten gespielt, dass man nachvollziehen konnte, weshalb sich gleich zwei Frauen gleichzeitig in ihn verliebt haben.
Aber in „No Country for old men“ ist seine Figur, so eindimensional, dass er kaum etwas zeigen kann.

Der letzte Kritikpunkt ist der Titel: No Country for old men.
Aber wer ist in dem Film jung? Der Sheriff (Tommy Lee Jones) ist natürlich alt und steht kurz vor der Pensionierung. Aber Killer und Texaner sind beide 38 – sind sie damit noch jung?

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