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No Country for Old Men (2007)
Eine Kritik von Billy-Bob (Bewertung des Films: 9/10) eingetragen am 16.04.2008, seitdem 493 Mal gelesen
ACHTUNG!! TEXT ENTHÄLT SPOILER!!!
"No Country For Old Men"....bereits der Titel trifft - auf einen Satz reduziert - die Grundaussage des Films. Wobei die "Old Men" als Synonym für eine längst vergangene Zeit stehen. Auch die eingangs aus dem Off erzählende Stimme Tommy Lee Jones' greift dieses Thema direkt auf. Dass es dabei explizit die Tatsache erwähnt, dass es zu seines Vaters und Großvaters Zeiten Sherrifs gab, die auf das Tragen einer Waffe verzichtet haben, ist keineswegs zufällig.
Und mit der Verhaftung Bardems zu Beginn der Handlung, beginnt auch der Abgesang auf die einst gültigen Werte einer Gesellschaft.
Kurz zur Handlung, die zugegebenermassen weder originell noch innovativ und auch nicht sonderlich ergiebig ist. Aber da sie lediglich als Vehikel für die tiefgründige Aussage des Gesamtwerks dient, ist dieser Umstand kein Kritikpunkt. Im Gegenteil, komplizierte Twists und übertriebene Komplexität würde dem eigentlichen Anliegen des Film eher zuwiderlaufen.
Josh Brolin entdeckt in der Wüste das blutige Resultat eines völlig schiefgelaufenen Drogendeals und einen Koffer mit zwei Mio. Dollar. Den reisst er sich natürlich unter den Nagel. Den einzigen Überlebenden des Massakers, der schwerst verletzt um Wasser bittet, überlässt er ohne eine minimale Gefühlsregung seinem tödlichen Schicksal. Zwar packt ihn mitten in der Nacht sein schlechtes Gewissen und er beschliesst noch einmal zum Ort des Geschehens zu fahren, um dem armen Teufel Wasser zu bringen. Doch diese Entscheidung ist schlussendlich fatal für ihn und kann als Fügung interpretiert werden.
Im weiteren Verlauf des Films ist Brolin auf der Flucht vor den Eigentümern der Kohle und vor allem vor dem auf ihn angesetzten Killer (Javier Bardem).
Auch der Sheriff (Tommy Lee Jones) ist ihm auf den Fersen, allerdings ist sein Motiv ein Anderes. Er weiss nur zu genau, in welcher Gefahr der junge Mann schwebt und will ihn finden um ihn vor dem sicheren Tod zu bewahren.
Bardem als eiskalter (selten zuvor war diese Bezeichnung für einen Filmkiller zutreffender) Auftragskiller ist Sinnbild einer zunehmend verrohenden Gesellschaft, die in Verfolgung ihrer eigenen materialistischen Ziele, jedwedes Mitgefühl über Bord wirft und ohne jeden Skrupel vernichtet, was sich ihr in den Weg stellt. Seine (fast schon) perverse Überlegenheit demonstriert Bardem in der Tankstellenszene, wo er die Entscheidung, ob er den biederen und um Freundlichkeit bemühten Besitzer nun umlegt oder nicht, dem Zufall eines Münzwurfes überlässt. Dies ist sicher eine der eindrucksvollste Szenen des Films, wenn nicht gar DIE eindrucksvollste. Die Tatsache, dass Bardem trotz einer geradezu lächerlichen Frisur bis ins tiefste diabolisch rüberkommt, ohne dabei auch nur ansatzweise zu overacten, beweist, wie verdient sein Oscar als bester Nebendarsteller ist. Die Wahl seiner Mittel - wer killt denn schon mit einem Bolzenschussgerät ??? - verdeutlicht einmal mehr seine bösartige, arrogante Überlegenheit und zeigt auf, auf welch mannigfaltige Art Menschen zerstören können.
Tommy Lee Jones als alternder Sheriff agiert brilliant. Gerade weil seine eher müden Bemühungen den Killer zu fassen und das flüchtende Opfer zu retten sichtbares Zeichen seiner schon vor langer Zeit eingetretenen Resignation vor dem Bösen in der Welt zum Ausdruck bringt. Er weiss, dass er keine Chance hat und er hat keine wirkliche Ambition, das Unausweichliche noch zu verhindern zu versuchen. So rennt er dem Geschehen hinterher, immer einen Schritt zu spät und dieser Umstand kann ihn längst nicht mehr verwundern. Er hat es ohnehin von Vorneherein gewusst. Zumindest geahnt.
Josh Brolin ist ab dem Moment als er die Kohle an sich nimmt faktisch schon tot. Und dass er es nicht weiss, liegt alleine daran, dass er es in seinem einfältigen Denken nicht wissen will. Damit hat der aufmerksame Zuschauer ihm zumindest diese Erkenntnis weit voraus.
Kongenial unterstrichen wird diese düstere Message von einer in jedem Moment des Films herrschenden tristen Atmosphäre. Braun weiss gefärbt sind die Bilder, es gibt im ganzen Verlauf der Handlung nicht einen fröhlichen Menschen, keine lachenden Kinder , keine lebensfrohe Szene am Rande. Nicht eine Sekunde keimt so etwas wie echte Hoffnung auf. Folgerichtig und konsequent bleibt am Ende nichts als Tod, Verderbnis und tiefste Resignation. Und die durch den Sheriff etwas plakativ zum Ausdruck gebrachte Erkenntnis, dass früher alles besser war.
Fazit. "No Country For Old Men" ist die in wenige Charaktere zusammengefasste Befindlichkeit des einst so gelobten und optimistischen "american Way of Life", der heutzutage offensichtlich nur noch aus egoistischem Handeln besteht, welches jedem Skrupel mühelos Paroli bietet.
Geradlinig und ruhig erzählt, in Antifarben fotografiert, die die Aussage perfekt unterstreichen, mit hervorragenden Akteuren besetzt und ohne jeden Funken Hoffnung auf Besserung bis zum tieftraurigen Finale durchgezogen.
Ob die vermeintlichen einzelnen Logikschwächen wirklich welche sind, kann ich nicht beurteilen. Vielleicht sind sie auch nur Indiz für unlogisches Verhalten bei Menschen.
Ob Meisterwerk oder nicht, beeindruckend ist der Film allemal. 9,5 Punkte.
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