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No Country for Old Men (2007)
Eine Kritik von dreamlandnoize (Bewertung des Films: 4/10) eingetragen am 30.12.2008, seitdem 465 Mal gelesen
"No Country For Old Men" staubte eine Reihe Auszeichnungen und vier Oskars (unter anderem "Bester Film") ab, wobei ich den Hype um diesen Film nicht ganz nachvollziehen kann.
Die Story spielt im Süden Texas, 1980: Vietnamkriegsveteran Llewelyn Moss (Josh Brolin) stößt beim Jagen in der Wüste auf einen geplatzten Drogendeal mexikanischer Gangster. Außer vielen Toten findet Moss nur einen Verwundeten, 2 Mio Dollar in einem Koffer und eine Wagenladung Heroin vor. Den Koffer nimmt er mit nach Hause zu seiner Frau Carla Jean (Kelly Macdonald), jedoch kehrt er in derselben Nacht noch zum Tatort zurück, um den Verwundeten Wasser zu bringen (Aua - Hau mich mal bitte einer von der Mauer runter). Nur dumm, dass andere mexikanische Gangster zur gleichen Zeit auftauchen und Moss seinen Wagen zurücklassen muss. Und da ja bekanntlich Kennzeichen zum Wohnort führen, fürchtet Moss nun um sein und das Leben seiner Frau.
Außer den Mexikanern ist nun auch die amerikanische Mafia, die Polizei (verkörpert von Tommy Lee Jones) und ein Auftragskiller (Javier Bardem) hinter ihm her.
"No Country For Old Men" von den Gebrüdern Ethan und Joe Coen stellt im Grundgerüst ein Katz-und Maus-Spiel dreier Männer dar, das jedoch im Gesamtbild betrachtet nicht über einen Durchschnittsthriller hinauskommt - der evtl. noch unter dem Durchschnitt liegt, da die negativen Aspekte einfach nur ärgerlich sind. Jedoch fange ich mal mit den guten Eigenschaften an, die dem Film seinen besonderen Charme verleihen.
In erster Linie sammelt der Film Pluspunkte durch den Auftragskiller Anton Chigurh (Javier Bardem), der in seiner Rolle einfach nur das personifizierte Böse ohne Herkunft (und ohne Frisör) verkörpert. Mit seinen ungewöhnlichen Waffen (ein Bolzenschussgerät und eine schallgedämpfte Pumpgun) wirkt diese Rolle noch dämonischer.
Gegenspieler und Sympathie-Figur Josh Brolin spielt eastwood-like solide mit, kann aber dem genialen Bardem zu keiner Zeit das Wasser reichen. Natürlich ist der Thriller stimmungsvoll inszeniert - die Landschaften vermitteln eine prima, unheimliche Stimmung, die Verfolgungsjagd kommt mit einer Portion Spannung daher, bis das letzte Drittel dank Plotwiederholungen ermüdend wirkt und in einem Brainfuck endet. Und mit Brainfuck meine ich nicht den üblichen Brainfuck, der uns eine Lösung beschert, sondern es wird einfach drauf geschissen, zwei bedeutende Szenen um das Schicksal der Hauptpersonen zu erklären. Man kann es sich in seiner Phantasie natürlich ausmalen, was passiert, aber mit Showdown, auf was der Film die ganze Zeit hinausarbeitet, hat das ganze gar nichts zu tun. Klar verstößt diese Vorgehensweise gegen die typischen Film-Zutaten, aber ich empfinde das nicht als "groovy" sondern einfach nur Scheiße. Und genau das macht den Film so schlecht.
Dann wären wir noch beim dritten im Bunde: Tommy Lee Jones als Cop, der immer zwei Schritte hinter den beiden hinterherhängt. Was auch kein Wunder ist, verbringt er doch lieber Zeit beim Kaffee trinken und leere Phrasen vor sich hinbrabbeln. Ich hab nichts dagegen, wenn träge Charaktere erst am Schluss sich mal besinnen, den Arsch aus dem Schaukelstuhl hochzubekommen, aber nach Abspann kann man sich eingestehen, dass man die komplette Rolle dieses Sheriffs hätte streichen können. Für die Handlung ist er in keinster Weise von Wichtigkeit und dient nur als Alibi für den Titel. Das ist ärgerlich, da der Streifen eh schon mit zwei Stunden Spielzeit viel Leerlauf bietet. Obendrauf hätte man die Rolle des zweiten Killer´s (Woody Harrelson) auch weglassen können, da diese Rolle gänzlich substanzlos daherkommt. Vielleicht passen diese Rollen ja ganz gut in einen Roman hinein - hier haben sie aber nichts zu suchen.
Ein weiterer negativer Punkt ist die Logik - auf der ich normalerweise nicht rumreite - aber, von einem Oscar prämierten Film erwarte ich doch schon einiges, dass er solche Schwachstellen zumindest kaschiert oder gar nicht vorzuweisen hat. Hier weiß der Killer jedoch zu jeder Zeit wohin er als nächstes stampfen muss. Auch kann man nicht erkennen (oder ich war grad pissen), was der eigentliche Beweggrund des Killers ist, Moss mit dem Koffer zu verfolgen.
Einen Sinn, warum Moss dem verletzten (und sichtlich sterbenden) Mexikaner Wasser bringt, was erst überhaupt zu dem ganzen Schlamassel führt, kann man keinen finden. Diese Handlung passt überhaupt nicht zum Charakter und könnte dies selbst einem Gutmenschen (was Moss ja nun wirklich nicht ist) nur schwer abkaufen. Vieles muss man einfach so schlucken, nichts wird erklärt. Es ist eben so - basta.
Insgesamt verstehe ich die ganze Lobhudelei um "No Country For Old Men" überhaupt nicht und ich will mir auch nichts schön interpretieren. Einmal anschauen und gut ist. Nur Javier Bardem als einer der fiesesten Schurken ever bleibt positiv im Gedächtnis zurück.
4/10
 | "Surprise me!" BETA |
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