Eine Kritik von Ultimate87 (Bewertung des Films: 8/10) eingetragen am 24.07.2011, seitdem 141 Mal gelesen
Filme über Jäger und Gejagte gibt es zuhauf, die meisten finden sich im Bereich des Actionfilms wieder und sind dementsprechend laut und oberflächlich. Wenn dann die Coen-Brüder daherkommen, einen Roman von Cormac McCarthy verfilmen, dann darf man sich schon auf etwas anspruchsvollere Unterhaltung gefasst machen.
Die Story: Der Vietnam-Vetaran Llewelyn Moss (Josh Brolin) findet beim Jagen zufällig einen geplatzen Drogendeal mit allerhand Leichen und einem Koffer voll Geld. Als er diesen an sich nimmt, ist ihm nicht nur Sheriff Bell (Tommy Lee Jones) auf den Fersen, sondern auch Anton Chigurh (Javier Bardem), ein psychotischer Killer, der reichlich Leichen hinterlässt.
Sonderlich anspruchsvoll ist "No Country for Old Men" dann doch nicht geworden, auch wenn die Regisseure viel Wert auf die Figuren legen.
Trotz einiger Subplots erzählt der Film seine Geschichte ziemlich geradlinig. Allerdings haben die Coens die Angewohnheit, einige Szenen nur anzudeuten, nicht deren Verlauf, sondern nur die Ergebnisse zu zeigen, was einerseits interessant und ungewöhnlich ist, andererseits an manchen Stellen im Film einen mit einem Fragezeichen zurücklässt.
Ebenso überraschend ist dann doch, dass es im Film keinen wirklichen Hauptcharakter gibt, alle drei genannten Figuren erhalten die ähnliche Menge Zeit. Heimlicher Hauptdarsteller ist dabei natürlich der Killer Chigurh, zweifelsohne einer der eiskaltesten Mörder der letzten Kinojahre, der seine Opfer manchmal mittels einer Münze zwischen Leben und Tod entscheiden lässt und als Mordinstrument ein Bolzenschussgerät für Rinder dabei hat. Trotz allem diabolischen Gehabe fand ich es dann doch ein wenig schade, dass über die Motivation des Killers nur wenig erzählt wird, was dessen Absurdität steigert. Genial ist allerdings, dass er durch diesen lustigen Namen, die völlig bescheuerte Frisur und auch die (im englischen Original) ungewöhnliche Aussprache, keiner Nationalität oder Kultur zugeordnet werden kann.
Man muss Javier Bardem ein echtes Lob aussprechen, denn er verkörpert den Killer einfach klasse und hat sich seinen Oscar redlich verdient.
Auch die anderen Darsteller sind spitze. Josh Brolin, der vielen immer noch unbekannt ist, zeigt, dass er ein klasse Schauspieler ist. Ebenso Tommy Lee Jones, der (fast) immer eine verlässliche Größe ist und den fast schon apathischen Cop Bell mit einer genialen Mimik darstellt. Auch die anderen Schauspieler wissen zu überzeugen, obgleich ihre Rolle gegenüber den drei anderen deutlich abfallen.
Der Film der Coens ist von einer durchweg düsteren Machart. Humor gibt es so gut wie keinen, was den Film beispielsweise auch vom thematisch ähnlich gelagerten "The Good, the Bad and the Ugly" unterscheidet. Dabei ist der Spannungsaufbau gut gewählt, weil das Treiben von Chigurh einigen Nervenkitzel bereithält. Auch einige kleinere Actionsequenzen darf es geben, was dem Film insgesamt gut bekommt.
Fazit: Die Coens haben schon bessere Filme gemacht, aber auch "No Country for Old Men" kann sich dank faszinierendem Antagonisten, fesselnder Atmosphäre und interessantem Schluss sehen lassen.
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