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Postal (2007)
Eine Kritik von Maichklang (Bewertung des Films: 3/10) eingetragen am 24.10.2007, seitdem 1064 Mal gelesen
Das Bollwerk erweitert sich, - wie erwartet nicht zum Guten.
Um eine respektlose Groteske hinzuschmettern, sollte man nicht nur zwischen provokativ und peinlich unterscheiden können, sondern überdies seiner Geschichte einen halbwegs roten Faden verleihen, anstatt platte Ideen konzeptlos aneinander zu reihen.
Insofern arbeitet Boll hier lediglich eine Checkliste ab, was denn wohl einen halbwegs moralgefestigten Zuschauer abschrecken könnte. So wirft man brisante Personen und Gruppierungen in einen Sack und lässt alle gegeneinander feuern und am Rande immer mal wieder soziale Randfiguren und Minderheiten krude ableben.
Man nehme also Osama bin laden, eine Taliban Gruppe, weil’s gerade so passt auch George W. („Woody“?) Bush, eine Endzeit-Sekte und eine Hauptfigur, die eigentlich nichts auszeichnet außer rote Haare und nicht vorhandene Lippen (Zack Ward sieht hier zumindest so aus).
In dieser Konstellation spult Boll eine Handlungs-Endlosschleife ab, die innerhalb der ersten Minuten vielleicht noch Interesse erweckt, nach Hälfte der Laufzeit nur noch Widerholungen bringt und nach weit über 100 Minuten hat der ständige Blick auf die Uhr endlich ein Ende.
Heben wir zu Beginn einmal die positiven Aspekte hervor, von denen nicht viele zu verzeichnen sind. Die Darstellung bin ladens als zuweilen etwas hilfloser Führer einer Terrorgruppe kann tatsächlich ab und an ein leichtes Schmunzeln hervorrufen, was den gleichen Effekt hat, wie Helge Schneiders Darstellung als Hitler: Einen üblen Machthaber der Lächerlichkeit preisgeben, um dessen negatives Mysterium zu durchbrechen.
Wenn da „Taliban TV“ eine neue Botschaft des Tyrannen ausstrahlt und herauskommt, dass sich da statt dunkler Höhlen nur biedere Studiokulissen vor den Kameras befinden, wäre das im Verlauf der richtige Weg. Doch leider konzentriert man sich lieber auf geballte Geschmacklosigkeiten ohne jegliche Pointe, wobei zynische oder gar treffende Spitzen überhaupt nicht auszumachen sind.
Da bedarf es einer Fetten, die im Wohnwagen für jeden die Beine breit macht, einem Copduo, dass entweder Minderheiten aus dem Weg pustet (ältere Asiatin) oder einen Rolli-Fahrer für finanzielle Ziele einsetzt. Dazu einen Sektenführer, der sich nach dem Kacken nicht den Arsch abwischt, aber sogleich mit vier, fünf Bikinischönheiten ins Bett steigt, Gangster, die sich mit Nazi-Bärtchen und Hakenkreuz-Armbinde ausstatten und Opfer, bei denen Boll wohl hofft, das ein vielfaches „Das geht zu weit“ aus dem Publikum ertönt, weil reihenweise Kinder umgenietet werden, eine Katze als Schalldämpfer missbraucht wird und auch mal eine Frau mit Kinderwagen wortlos niedergemöllert wird.
Apropos Möller, der gute Ralf hat seine muskulösen Strahlemann-Auftritte offensichtlich auch hinter sich gelassen, wenn er sich hier als zweitrangiger Cop in peinlicher Unterwäsche ablichten lässt.
Bei alledem ist nur schwerlich ein Storykonstrukt auszumachen, irgendwie sind zwei Gruppierungen hinter wertvollen Puppen her, entsprechend wird viel geballert, allerdings ohne auffälliges Blutvergießen. Unauffällig allerdings auch hierbei sämtliche Darsteller, zu denen das Script nie eine Nähe aufbauen kann, da diese mehr wie austauschbare Comicfiguren ohne Nährwert herumfraggeln.
Der comichafte Charakter wird durch ständige Whoosh-Sounds bei Szenenwechsel noch verstärkt und auch der Score (der sich dem Geschehen manchmal sogar treffend anpasst), unterstreicht diese Tendenz noch.
Boll hat diesmal versucht, auf freiwilliger Basis einen komischen Streifen zu produzieren. Heraus gekommen ist ein Machwerk furchtbar aufgesetzter Tabubrüche ohne Pointe, das in jeder Einfügung solcher jegliches Fingerspitzengefühl vermissen lässt.
Ansätze sind zwar vorhanden, aber im Endeffekt liefert er ein Sammelsurium von kruden Ideen, die auf Dauer eher langweilen als erheitern.
Knapp
3 von 10
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