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Postal (2007)
Eine Kritik von Grüne Spritze (Bewertung des Films: 1/10) eingetragen am 27.10.2007, seitdem 939 Mal gelesen
Zugegebenermaßen macht es Spaß, negative Reviews über Filme von Uwe Boll zu schreiben, auch wenn das schon lange nicht mehr originell ist, da das ganze Internet voll davon ist. Dass er bisher noch nie einen guten Film gemacht hat, ist die eine Sache. Dazu kommt seine „grandiose“ Selbstinszenierung in Interviews, bei der man nicht weiß, ob man darüber weinen oder lachen soll. Trotz Bolls bisherigen Schaffens mit Absurditäten wie „Alone in the Dark“ oder „BloodRayne“ habe ich „Postal“ eine faire Chance gegeben und mir den Film so unvoreingenommen wie möglich angeschaut. Denn obwohl es sich hierbei wieder um eine Videospielverfilmung handelt, war abzusehen, dass sich der Film deutlich von seinen letzten Werken unterscheiden würde. Außerdem gibt es diesmal auch erstmalig positive Stimmen zu einem Boll-Film.
Eine tabulose Satire auf „alles“ sollte Bolls selbsternanntes Meisterstück werden. Klingt nicht schlecht – als Fan von „South Park“ bin ich so was durchaus zugeneigt. Man merkt dem Film auch an, dass sich Boll wirklich Mühe gegeben hat und kreativ alles reingesteckt hat – auch wenn es freilich nicht besonders viel war. Viele Ideen des Films sind nicht schlecht, nur leider empfinde ich den Humor des Films zu 99% als dermaßen unlustig, dass sämtliche (vorhandene) positiven Ansätze sofort vernichtet werden. Ein Beispiel ist die erste Szene des Films, in der sich zwei der Terrorpiloten des 11. Septembers über die Anzahl der Jungfrauen unterhalten, die im Himmel auf sie warten. Sicherheitshalber erkundigen sie sich noch mal telefonisch bei Osama. Weil sie mit seiner Antwort nicht zufrieden sind, wollen sie umdrehen, doch dann stürmen die Passagiere in die Kabine und bringen das Flugzeug selber zum Absturz. Diese Szene ist sicherlich politisch nicht korrekt, hätte aber genau deshalb funktionieren können. Die Umsetzung fand ich allerdings ziemlich armselig und einfach nicht witzig. Das hat nichts mit dem ach so schlimmen beabsichtigten Tabubruch zu tun, sondern mit schlechten Dialogen und einem klamottenhaften Humor, der vom Niveau her irgendwo zwischen den zahlreichen „Police Academy“-Fortsetzungen und Wayans-Machwerken wie „Little Man“ angesiedelt ist.
Boll sieht das natürlich anders, so dass ich ihn fairerweise auch zu Wort kommen lassen will: „[...] der Punkt ist doch der: es gab keinen besseren Start von einem Film überhaupt, in den letzten fünfzehn Jahren, keinen besseren satirischen Start als den Postal-Start mit den beiden Piloten. Das ist glasklar, das ist Fakt. Da will ich mal ein Argument jetzt dagegen hören. Kennen Sie einen besseren Filmstart als den? Wo man sich besser totlacht, der es besser auf den Punkt bringt, wie absurd die ganze Politik der letzten Jahre ist?“
Diese erste Szene ist symptomatisch für den ganzen Film. Zahlreiche passable Ideen, beispielsweise auch das Vorstellungsgespräch, ebenfalls im ersten Akt, ebenfalls vollkommen vergeigt. „Postal“ ist über weite Teile eine Ansammlung verkorkster Szenen, die mit besserem Drehbuch und besserem Regisseur durchaus hätten funktionieren können. Daneben gibt es auch Teile des Films, die einfach nur schlecht sind, beispielsweise Bolls extrem peinlicher Trachten-Auftritt. Häufig versucht Boll auch einfach nur krampfhaft zu schockieren, wenn er beispielsweise in Großaufnahme Kinder erschießen lässt. Dass ihm das nicht gelungen ist, zeigt die milde FSK-16-Freigabe, die für den insgesamt ziemlich harmlosen Film auch angemessen ist. Viele der versuchten Tabubrüche langweilen einfach nur. Wenn ich schon einen geschmacklosen Trash-Film sehen will, dann lieber „Terror Firmer“ oder einen Teil von „The Toxic Avenger“ aus dem Hause Troma. „Postal“ wirkt wie ein verzweifelter Versuch, auf der Welle von „Borat“, „South Park“ oder „Team America“ mitzuschwimmen, wobei auch der eine oder andere Gag 1:1 recycelt wurde, insbesondere vom zuletzt genannten Film. Negativ nach unten abgerundet wird der Film durch die grauenhafte deutsche Synchronisation.
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