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Postal (2007)

Eine Kritik von Puty Willi (Bewertung des Films: 4/10)
eingetragen am 05.12.2007, seitdem 387 Mal gelesen


Uwe Boll hat es ja nun wirklich nicht leicht. Wenn es nach der Meinung nicht gerade Weniger geht, ist er der schlechteste Filmemacher der Welt. Seine Filme werden schon im voraus verdammt. Ich persönlich finde Boll irgendwie ziemlich sympathisch. In den Interviews, die ich gelesen habe, macht er vor allem einen sehr ehrlichen Eindruck. Er kackt auf die Meinung anderer, hat größtenteils durchaus vertretbare, politische Ansichten und scheint doch einen relativ guten Filmgeschmack zu haben. Das Einzige an ihm, was mich wirklich aufregt, ist seine Selbstüberschätzung, die wirklich schon an Größenwahn grenzt. Wenn er nämlich behauptet, sein Postal sei die beste Komödie seit das Leben des Brian und der bisher wichtigste Film des Jahres, dann gibt er sich doch der Lächerlichkeit preis.

Aber egal nun genug von Uwe. Nun gehts um Postal. Postal sollte ein Rundumschlag werden, alle Tabus brechen. Er sollte witzig sein und doch zum Nachdenken anregen. In seinem Vorhaben ist Boll letzendlich doch ziemlich klar gescheitert.

Postal ist im Großen und Ganzen einfach nicht witzig. Besonders nervig sind eben diese Fäkalwitzchen, die man höchstens als 12-jähriger vielleicht noch lustig findet. Die Geschmacklosigkeiten werden einfach zu penetrant aneinandergereiht. Was die Gewalt und Nacktheit betrifft, so ist der Film doch ziemlich zahm. So ist Boll letzendlich in dieser Hinsicht einfach nicht konsequent genug, war es doch sein erklärtes Ziel die Grenzen der Zensur auszuloten.

Doch gibt es denn jetzt auch witzige Szenen in Postal? Da muss ich doch relativ klar mit ja antworten. Sie sind zwar rar gesäht aber doch komisch. So lässt einen schon die Anfangsszene kräftig schmunzeln. Auch der Gang zum Arbeitsamt und die Gespräche zwischen Bin Laden und Bush sind sehr amüsant. Der geilste Gag, allerdings, geht auf das Konto von Boll selbst, mit einem herrlich selbstironischen Auftritt ( Boll was hast du mit Postal gemacht ? "gg")

So nun zu der Inszenierung und zu den Darstellern. Beide Punkte sind, wie zu erwarten, nicht besonders gut ausgfallen. Bolls Inszenierung wirkt viel zu statisch und uninspiriert, ist allerdings auch handwerklich solide ( Um gleich den Gegnern, die von Diletantismus sprechen, den Wind aus den Segeln zu nehmen).
Schauspielerisch lassen wir das gerade noch einmal so durchgehen. Die Gastauftritte von Verne Troyer und Ralf Möller sind ganz nett, aber eigentlich nicht der Rede wert.

Fazit: Postal ist eine ziemlich schwache Komödie, die mit ihren Vulgaritäten und Plattheiten, oftmals nervt und langweilt. Ein paar gute Ansätze und ein cooles Finale retten den Film für mich auf 4/10. Die Totalverisse und 1/10 Wertungen kann ich wirklich nicht verstehen. Die Schlusseinstellung mit Bush und Bin Laden, wie sie Händchenhaltend über eine Wiese stolzieren, hat ja beinahe schon Kubrickqualitäten...


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