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Postal (2007)
Eine Kritik von PennyDreadful (Bewertung des Films: 1/10) eingetragen am 30.03.2008, seitdem 461 Mal gelesen
Wo ein Wille ist, ist auch ein Boll - oder: Und plötzlich bist du Regisseur ...
Es sind wilde Zeiten da draußen, lieber Leser. Internationale Einsatztruppen halten jeden Tag in Afghanistan für einen wackeligen Frieden ihren Arsch hin, Politiker widersperchen sich in jedem Halbsatz, den sie sagen, selbst wieder und in Afirka wird im Sekundentatkt getötet, vergewaltigt und ausgerottet. Und jede Zeit hat ihre Moralisten, ihre Visionäre und Propheten. Und wir haben halt ... naja ... "uns Uwe". Die Rache Gottes an Filmfreunden und "Killerspiel"-Spielern gleichermaßen. Politisch wollte er werden mit seiner nächsten Videospiel-Verfilmung. Und was wollte er nicht alles kritisieren: Rassismus, Polizeiwillkür, die Stilisierung falscher Helden, politische Lügen, Korruption und so weiter. Und aus diesem Grund hat er nach der Lizenz des mit Abstand sozialkritischsten Spiels gegriffen, das er auf die Schnelle hat finden können. Postal.
Häh?! Moment mal. "Postal" wollte als Spiel nicht mehr sein als ein Shooter mit brachialem und gewollt geschmacklosem Humor, ein Pausenfüller, bei dem man sich unterhalten fühlen konnte. Aber das ist einem Mann wie Boll, der ja schon mehrere Videospiel-Serien in ihren Tod gefilmt hat, ja ziemlich egal, vermutlich, weil er mit dem Wort "Unterhaltung" selbst nicht viel anfangen kann.
Zum Film selbst: Wer ihn sieht, bleibt mit zwei Eindrücken behaftet zurück.
1. Das ist Uwe Bolls bester Film bisher. Was allerdings auch nicht viel hilft, weil er immer noch verdammt schlecht ist.; und
2. dass die meisten Beteiligten nur mitgemacht haben, weil sie ganz, ganz dringend die Kohle brauchten.
Und was soll ich sagen? Beides ist wahr.
Der erste Punkt spricht eigentlich für sich selbst. Weil ich aber so ungeheuer redundant bin, führe ich ihn trotzdem aus.
Die Darstellerleistungen sind stellenweise fast schon als solche zu bezeichnen, die Ausstattung hat zumindest ein bisschen was gekostet und die Kamera steht ab und an an einer günstigen Stelle. Leider war es das auch schon, denn mehr kann man an diesem Film nicht loben. Gut, Humor ist ja bekanntlich Geschmackssache. Ich persönlich war ja immer der Meinung, dass Filme, die sich "Satire" nennen, zum Nachdenken und Schmunzeln anregen soll. Aber das schafft der Film nicht. Aber wenn er das schon nicht kann, kann er denn wenigstens aufrütteln und schockieren? Nein. Denn der Film hat nicht mehr als peinliche WItze, gezwungen wirkende "Tabubrüche", die keine Sau interessieren und ein paar Fickel- und Kacka-Witze. Das ist keine Satire, das ist peinlich.
Zum zweiten Punkt: Wer sich den Audio-Kommentar ansieht, der weiß, dass Boll nichts anderes getan hat, als wieder die Menagerie der üblichen Verdächtigen aufzufahren. Freaks aus der Bierwerbung, Stripperinnen, abgehalfterte C-Movie-Darsteller, Leute, die schon in Fernsehserien niemand sehen will und Schauspieler, die dringend ihre Scheidung finanzieren müssen. Warum? Weil sie billig zu haben waren und nicht "Nein, bitte nicht!" sagen durften.
Postal kann nicht, was es soll. Er kann nicht unterhalten, nicht schockieren, nicht aufrütteln, nicht zum Nachdenken anregen ... halt, Moment. Doch, er regt zum Nachdenken an. Und zwar über den Geisteszustand von Herrn Boll. Aber am meisten besorgt mich der Audio-Kommentar, in dem "uns Uwe" seine politischen Ansichten zu den Krisenherden im Nahen Osten und dem aktuellen Kriegsgeschehen darelgt. Nicht mal ein biersaufender BILD-Abonnent könnte eine so naive und eindimensionale politische Haltung vertreten, ohne dass ihm dabei die Schamesröte ins Gesicht steigt.
Wer politische Satire will, der soll sich ans Kabarett halten, denn dazu ist es da. Dort reden auch Leute, die sich informiert haben und ein wenig Ahnung mitbringen. Und intelligenten Humor. Wer bei Postal lacht, dem ist nicht mehr zu helfen.
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