|
 |

Ansicht eines Reviews
Postal (2007)
Eine Kritik von holgocop (Bewertung des Films: 1/10) eingetragen am 08.04.2009, seitdem 327 Mal gelesen
Nach all den guten Filmen die ich mir in der letzten Zeit zu Gemüte führen durfte hätte ich doch fast vergessen, dass ich mir vor einiger Zeit ja auch ein Werk des deutschen Ausnahmetalents Uwe Boll ansehen durfte. Über den Herrn noch Worte zu verlieren halte ich für relativ überflüssig, aber irgendwie beeindruckend ist das Phänomen „Boll“ ja nun doch. Ich weiß nicht so recht was ich von ihm halten soll. Einerseits ist er der wohl unsympathischste Kerl den man sich vorstellen kann, ein Macho wie er im Buche steht und zweifelsfrei ohne jegliches Talent gesegnet. Andererseits gibt er zuweilen in einigen Interviews treffende, ja beinahe nette Sätze von sich (zuletzt im Deadline) bei denen ich mich dann doch frage, ob das nicht alles Fassade ist, ob der gute Boll-Man nicht in Wirklichkeit ein ganz knuffiger, witziger und einfach netter Kerl zum lieb haben ist. Flüchtige Blicke in einschlägige Youtube-Videos verwerfen diese kurzen Momente jedoch und belehren einen eines besseren.
Also Fakt ist, so sehr es manch einer auch leugnen möchte, Uwe kann nichts. Aber auch das ist falsch. Das Problem seiner Filme ist: Für einen echten No-Brain-Low-Budget-Trash-Streifen sind seine Werke zu gelackt, zu sauber. Für einen guten Film allerdings fehlt sowohl Atmosphäre als auch inszenatorisches Geschick. Oder um es anders zu sagen, bei jedem Boll wird einem mit dem Holzhammer vermittelt dass es um nichts, aber auch gar nichts anderes als Geld geht. Und hier ist auch der große Unterschied zum oft mit ihm verglichenen Ed Wood. Der konnte nichts, ja sogar noch weniger als Boll, nur er hat seine Filme geliebt, er wollte den Zuschauer fesseln (wahrscheinlich sogar noch in seiner Pornophase) – er konnte es nur nicht so zeigen.
Nun, die lustige Boll-KG hat es sich ja – wie wir alle wissen – zur Aufgabe gemacht sämtliche Computer-Spiele dieser Welt auf Zelluloid zu bannen und von Grund auf zu zerstören. Aber seien wir ehrlich: Haben die Vorlagen es nicht auch größtenteils verdient? Ich muss bei der Diskussion um Uwes Far Cry immer lachen, wenn die Leute Atmosphäre oder Handlung vermissen. Denn die Geschichte des (deutschen) Inselshooters war ja wohl eine der mit Abstand einfallslosesten und lieblos heruntergerotzten die ich je am PC mitverfolgen durfte. Was hätte denn Boll daran noch zerstören können? Ebenso ist es doch auch bei den Vorlagen zu House of the Dead (immerhin ein grenzdebiler Automatenshooter) und, endlich kann ich die Brücke schlagen, Postal.
Postal war, ist und wird immer Dreck sein. Der feuchte Traum eines verblödeten, Pizzafressenden Programmierers, das alle Vorurteile die Außenstehende von Computerspielen und –spielern haben bestätigt (was sollte denn bitte diese Scheiße mit den protestierenden Eltern im ersten Level?). Postal ist pubertär. Postal ist dumm. Postal ist (folglich) Boll. Wer sonst hätte bitte diese Wichsvorlage für 16-jährige Waffenfreaks ohne Chance auf ein stelldichein mit dem anderen Geschlecht sonst verfilmen sollen? Klar, als ich damals die Ankündigung der Verfilmung las, dachte ich mir „Holla die Waldfee, das ist mal mutig!“. Und ja ich war gespannt, wie es jemand fertig bringen will Katzen als Schalldämpfer, Anpissen von Mitbürgern und Crackpfeifen als Health-Pack auf die Leinwand zu bringen ohne dafür im Voraus von der BPJM des Landes verwiesen zu werden. Doch dann die Ernüchterung. Eine 16er Freigabe … und das obwohl der Katzenschalldämpfer drin bleibt? Gut, man ist ja nicht Voreingenommen. Die nette Tagline von wegen „live action South Park“, gute Vorabkritiken – wird’s der Boll doch noch geschafft haben? Nun, das hat er nicht. Ich kann beim besten Willen nicht verstehen wie man an dieser strunzdummen Altherrenphantasie Gefallen finden kann. Nichts, aber auch wirklich gar nichts funktioniert an diesem Film. Da kann auch ein sympathisch dreinblickender Zack Ward nicht weiterhelfen. Boll schafft es jeden, aber auch wirklich absolut jeden Witz in den Sand zu fahren. Da mag der Einstieg noch das Beste sein, ist aber so gewollt provozierend dass er einfach nicht funktionieren kann. Was bei South Park wunderbar funktioniert entlockt bei Postal nicht mal ein müdes Lächeln. Provokation des reinen Provzierens Willens, das kann funktionieren (etwa beim letzten Toxic Avenger Teil). Bei Postal will der Funke nicht überspringen. Alle – und ich meine wirklich alle – Gags hat man so oder so ähnlich schon besser gesehen. Die Selbstverarsche im German-Funpark ist dermaßen hohl (auch dank der Selbstsynchro des Meisters), dass ich mich frage warum man die überhaupt drin gelassen hat. „Financed with Nazi gold.“ … öhm *hust* NA UND!?! Soll das jetzt schockieren? Oder soll das etwa Sarkasmus darstellen? Ich versteh es nicht. Erschossene Kinder… . Da stellen sich mir dieselben Fragen. Und genau so ist es mit Kaka-aufs-Gesicht-mache-tut, Penis-Puppen, bösen schwarzen Cops, Bin Ladens, usw. Das ist alles so langweilig und vorhersehbar inszeniert. Fehlt eigentlich nur noch eine Einblendung am Rande (Kennt jemand noch die Musikvideo-Sendung „Pop up Video“?) „Achtung: Provokation!“ Ich kann nicht verstehen wie ein Verleih dieses Stück aufgeblasene Luft auf die Menschheit loslassen kann. Wirklich, ich lache gerne bei politisch unkorrekten Witzen, einer meiner Lieblingswitze hat was mit Negerkindern, dürren Ärmchen und dicken Bäuchen zu tun, aber das ist schlicht und einfach nicht lustig sondern nur gewollt. Gewollt, gewollt, gewollt. Wenn Boll meint damit jemandem auf die Füße zu pinkeln, sagt das einiges über seine eigen Konservativität aus. EINIGES!
Kurz zum Handwerklichen. Boll-typisch ist der Schnitt verhunzt, die Kamera anscheinend von Stevie Wonder geführt und die Handlung schleppend bis langweilig inszeniert. Aber das Problem ist nicht dass das alles so unglaublich schlecht (dann wäre ja zumindest der Trashfaktor hoch), sondern dass es so nichtssagend und langweilig ist.
Das traurige ist, dass Boll seine Zuschauer einfach egal sind. Er respektiert sie nicht, und das obwohl zwischendrin auch mal der ein oder andere Fan zu finden ist. Ist Geld so toll, dass man einen Beruf ausübt den man augenscheinlich nicht mag? Versteht mich nicht falsch, er beherrscht sein Metier auch nicht, aber das ist bei vielen anderen auch der Fall. Hier liegt das Problem viel tiefer. Boll ist wie ein Fließbandporno-Regisseur. Er versteht nicht, dass man seinem Objekt zumindest ein wenig Achtung entgegenbringen muss. Egal was auch immer er hinterher behauptet („Ich kümmere mich nicht um die Zuschauer, ich drehe was ich will.“). Er dreht nicht was ER will, er dreht, was er meint, dass es gut ankommen könnte. Er weiß dass es ein Zielpublikum gibt, das die Spiele kennt, das auf Provokation steht, das neue Grenzen der Geschmacklosigkeit ausloten will. Und an dessen Geld will er. In diesem Sinne ist er nicht besser als die Straßenhure an der nächsten Ecke. Schlimmer noch, er ist der Zuhälter, der selbst schon lange kein Interesse mehr an Sex hat. Wundert es eigentlich noch das Filme wie „7 Zwerge“ zu den erfolgreichsten deutschen Filmen des Jahres werden, wenn es tatsächlich Fans von dieser Fließbandarbeit nach Schema F gibt? Mich nicht.
 | "Surprise me!" BETA |
Zur Übersichtsseite des Films Liste aller lokalen Reviews von holgocop
Zurück
 |
 |
|