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Filme, welche nicht immer formal und in chronologischer Reinfolge ablaufen, haben schon immer einen besonderen Reiz, was vor allem daran liegt, dass sie noch immer keine Selbstverständlichkeit sind und wohl auch nie sein werden. Man denke nur an Christopher Nolans Meisterwerk "Memento", an Noes "Irreversibel" und an so manch anderes Filmerlebnis, welches den Zuschauer entweder rückwärts erzählt wird oder in seiner Handlung einen Zeitsprung nach dem Anderen durchführt. So auch "8 Blickwinkel", der neuste Film mit diesem Strickmuster. Dieses mal wird eine gerade einmal ca. 30 minütige Handlungsszenerie immer wieder aus der Sicht eines anderen Charaktere gezeigt und immer wieder kommt ein Puzzlestück dazu, um am Ende eine Lösung zu präsentieren. Leider aber verrät sich das Treiben zum Ende hin und bietet dann unterm Strich doch nicht mehr, als einen 08/15-Thriller von der Stange.

Die Story zu "8 Blickwinkel" ist dabei simpel und in Windeseile erzählt. Der US-Präsident fährt zu einer Ansprache nach Salamanca, wo er bei einer Rede vor Publikum niedergeschossen wird. Schon kurz darauf explodieren zwei Bomben und die Frage nach dem "wer war es und warum" erfüllt den Raum. Um aber das ganze Ausmaß der Situation zu begreifen, ist die Sicht von insgesamt 8 unterschiedlichen Personen zu durchleuchten, welche der Film nun, durch stetiges zurückspringen, erzählt. Dabei kommt der Secret Service-Agent Thomas Barnes einer großen Verschwörung auf die Spur... Und mehr gibt es nicht zu erzählen. Denn in Sachen Plot ist das ganze wirklich mehr als seicht und hat kaum Tiefe zu bieten. Rundum wurde das Geschehen auf leichte Kost gebügelt, so dass der Zuschauer zwar mit den unterschiedlichen Blickwinkeln durch etwas zum Grübeln hat, sich aber mit irgendwelchen hintergründigen Details kaum zu beschäftigen braucht. Zumal so etwas wie Logik auch nicht wirklich vorhanden ist. Aber das kann bei einen Thriller dieser Art durchaus schon mal toleriert werden.

So liegt der eigentliche Reiz auch wirklich darin, dass sich, durch das stetige "zurückgespule" der Handlung und der Sicht aus dem Blickfeld einer jeweils anderen Person, immer mehr Details zusammenzufügen, um am Ende das ganze Ausmaß der Tragödie begreifbar zu machen. Und das funktioniert in der ersten Stunde auch wirklich recht gut. Viele Anhaltspunkte erweisen sich z. Bsp. später als unwahr und so manche Nichtigkeit zeigt sich schnell als greifbarer Anhaltspunkt. Wirklich knobbelig wird es zwar nicht, aber man muss schon bei der Sache bleiben, um z. Bsp. das eine oder andere Detail aus der vierten Sichtung des Geschehens zu begreifen, welches in den vorherigen Sichtungen noch unnötig erscheint.

Des weiteren kann sich der Film eine zeitlang auch einen durchaus üppigen Spannungsbogen einbehalten, der durchaus für die ein oder andere Schweißperle sorgt. Ohne Frage, so wirklich vorhersehbar ist das ganze Treiben langezeit nur an den seltensten Stellen, wenn auch wirklich dicke Überraschungen ausbleiben. Vor allem die Wendung, welche der Zuschauer nach dem fünften Zurückspulen zu sehen bekommt, bietet ordentliches Spannungspotenzial. Auch wenn die Charaktere größtenteils recht klischeehaft agieren, so kann man sich durchaus bis dorthin einen recht unterhaltsamen Abend machen.

Doch nachdem das Ganze ein fünftes Mal zum Anfang gespult wird, war es das mit der Tüftelei. Denn ab jetzt wird alles aufgeklärt, was sich der Film vorher so an Fragen und Rätselleien aufgebaut hat. Auch wenn der Anfang, dieses mal aus der Sicht der Täter, noch einiges an Spannung bringt, nachdem der Präsident ein sechstes Mal niedergeschossen wird, hat man auf einmal das Gefühl, dass die Macher nun nicht mehr auf der Ratlosigkeit von sicher so manchem Zuschauer herum trampeln wollen und bieten ihnen per sofort eine Komplettlösung, die nicht nur jedes Gespür für Timing vermissen lässt, sondern auch keinerlei Bomben (mehr) zum platzen bringt. Alles läuft mit einem Schlag auf derart glatten Bahnen, dass man überhaupt nicht mehr überlegen braucht um mitzukommen, sondern wirklich alles auf einem Silbertablett serviert bekommt. Ein nachhaltiges Grübeln über das Geschehen nach Ablauf des Abspanns ist jedenfalls nicht mehr drin, da eigentlich alles gesagt wurde. Das mag dem Popcorn-Publikum zwar größtenteils sicher gefallen, doch Leute, die sich gerne auch nach einem Film dieser Art noch gerne ihre Gedanken über das Gesehene machen, dürften tief enttäuscht werden, zumal die Lösung auch von Klischees nur so trieft.

Wenigstens die Darsteller können noch so einiges herausreißen. Dennis Quaid ist als Secret-Service Agent jedenfalls wunderbar anzusehen, genauso wie Lost-Star Matthew Fox. William Hurt ist mal wieder ein einzigartiger Präsident, wenn auch mit etwas wenig Screentime und Sigourney Weaver mal wieder zu sehen hat auch Spaß gemacht. Am besten ist aber definitiv Forest Whitaker, dieses mal in der simplen Rolle des sensationsgierenden Tourristen mit Herz, der hier zeigt, dass er auch bei seichten Rollen durchaus Chancen hat, sein Können unter Beweis zu stellen. Alles in allem kann man somit zumindest bei den Darstellern nicht wirklich etwas zu meckern finden.

Fazit: Anfangs recht spannender und interessant gestalteter Thriller, der seine Idee, ein Präsidenten-Attentat durch die verschiedenen Blickwinkel zu zeigen und aufzuklären, für längere Zeit recht ansehnlich präsentiert und dabei auch nicht mit Spannung und Tüftelei geizt. Schade nur, dass die Macher das Treiben dann, nach dem letzten Sprung auf Anfang, mit einem Mal völlig verraten und aus der Rätselraterei plötzlich einen billigen 08/15-Thriller machen, in dem jedes Mitdenken auf einmal Fehl am Platz ist und zudem eine Lösung präsentiert, die so klischeehaft und billig ist, dass sie das aufgeklärte Publikum vollkommen kalt aus dem Kinosaal entlässt und die Erinnerungen schon nach kurzer Zeit daran verblassen. Als soliden DVD-Abend-Film kann man sich das Ganze sicher dennoch geben, doch zur wirklichen Raffinesse fehlt dann doch noch ein ganz ordentlich Stück. Schade eigentlich!

Wertung: 5/10 Punkte

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