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Last Man Standing (1996)

Eine Kritik von McClane (Bewertung des Films: 7/10)
eingetragen am 05.05.2005, seitdem 798 Mal gelesen


1996 gaben sowohl Jeff Wincott als auch Bruce Willis den „Last Man Standing“ – wobei das Willis-Vehikel qualitativ die Nase vorn hat.
Die 20er Jahre, Zeit der Prohibition: John Smith (Bruce Willis) ist ein ruheloser Einzelgänger, der ohne echtes Ziel Richtung Mexiko reißt. Er scheint auf der Flucht zu sein und obwohl seine Off-Kommentare Walter Hills Film nicht nur einleiten, sondern auch stetig begleiten, so erfährt doch nicht wirklich viel über ihn. Selbst sein Name könnte bloß ein Pseudonym sein, das einzige was sicher ist, ist die Tatsache, dass er einer von den zynischen, knallharten Einzelgängern ist, wie Willis sie häufig spielt.
John strandet in dem kleinen Kaff Jericho in der Nähe der Grenze zu Mexiko. Die Stadt ist fast ausgestorben, nur noch wenige Leute sind da – und die meisten davon sind alles andere als freundliche Zeitgenossen. Schon zu seiner Ankunft demoliert man Johns Auto, da er die falsche Frau angesehen hat, aber der Sheriff bleibt untätig. Kurzum: Ein komplett korruptes Kaff, das auf einen Helden wie Willis wartet.

Zwei Banden von Alkoholschmugglern streiten sich um die Vorherrschaft in Jericho, eine italienischer, eine irischer Abstammung. In der Hoffnung ein paar schnelle Dollars machen zu können, heuert John bei beiden Banden abwechselnd an und spielt sie gegeneinander aus…
Walter Hills „Last Man Standing“ die dritte Variante des Stoffes, der zuerst als „Yojimbo – Der Leibwächter“ und später als „Für eine handvoll Dollar“ verfilmt wurde. Auch hierbei handelt es sich um eine gelungene Verfilmung, die mit dem Neowesternszenario punkten kann. Autos und halbautomatische Pistolen haben Pferde und Revolver ersetzt, aber die Stimmung ist die eines typischen Western: Staubige, vor allem in Gelb gehaltene Bilder, im Hintergrund die eingängige Musik Ry Cooder und die klassische Geisterstadt – all das lässt eine etwas andere Westernatmosphäre aufkommen.

Allerdings setzt „Last Man Standing“ Atmosphäre teilweise etwas über Inhalt, denn die Geschichte ist vergleichsweise simpel: John spielt die Banden gegeneinander aus, bis geklärt ist, wer denn nun der letzte stehende Mann in Jericho ist. Zwar kann die Geschichte ein paar überzeugende Wendungen präsentieren und solide Spannung erzeugen, aber es fehlt etwas an Tempo und Drive. So könnte „Last Man Standing“ durchaus etwas weniger ruhig erzählt sein; gerade gegen Ende wäre mehr Tempo wünschenswert gewesen.
Trotzdem hat „Last Man Standing“ seine ganz eigene Faszination und diese geht zum größten Teil von der ungewöhnlichen Heldenfigur aus: John gibt vor nur auf Geld aus zu sein und ihm scheint alles egal zu sein, doch immer wieder offenbaren sich Gerechtigkeitssinn und Prinzipien bei ihm, vor allem wenn es um das Beschützen von Frauen geht. Doch man erfährt nur wenig über ihn und quasi nichts über seine Vorgeschichte, was zwar viele Fragen offen lässt, aber John Smith zu einem besonderes interessanten Charakter macht.

Natürlich werden auch Actionfans von „Last Man Standing“ bedient, obwohl die Menge nicht übermäßig groß ausfällt. Doch der Zuschauer bekommt einige wirklich sehr gut choreographierte Schießereien mit Anleihen bei Western und Hongkong-Kino geboten, die sehr schick in Szene gesetzt wurden. Vor allem das große Abräumen kurz vor dem Showdown ist ein echtes Highlight, während das Finale leider etwas unspektakulär ausfällt.
Weiteres Highlight des Films ist natürlich Willis’ Darstellung von John Smith. Sicherlich geht die Rolle auf John McClane aus „Stirb langsam“ und Joe Hallenbeck in „Last Boy Scout“ zurück, doch trotzdem ist Willis auch hier wieder gnadenlos cool und lässt nur gelegentlich die emotionalen Seiten John Smiths durchscheinen, doch man merkt, dass er sie hat. Christopher Walken liefert eine ebenfalls sehr überzeugende Leistung als Killer im Auftrag der irischen Schmugglerbande ab und auch der Rest der Besetzung macht einen guten Job, auch wenn man nur wenige der Darsteller kennt. Ein etwas bekannterer Darsteller ist Patrick Kilpatrick, aber der fällt John Smith als erstes zum Opfer.

Unterm Strich ist „Last Man Standing“ ein stimmungsvoller und gut gespielter Neowestern mit wenigen, aber gut gemachten Shoot-Outs. Allerdings auch etwas sehr gemächlich erzählt, weshalb es nur zu 7,5 Punkten meinerseits reicht.


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