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Ansicht eines Reviews
Einer gegen das Imperium (1983)
Eine Kritik von Intergalactic Ape-Man (Bewertung des Films: 8/10) eingetragen am 13.08.2009, seitdem 1117 Mal gelesen
Ein fröhlich dreinblickender, blonder Hüne rennt durch die Vulkanlandschaft Kappadokiens im Hochland Anatoliens. Die bizarren Tuffkegel ragen phallisch in den Himmel. Seit der Vorzeit ins Gestein geschlagene Wohnhöhlen geben den Eindruck einer kargen, post-apokalyptischen Welt. Er trägt ein knappes Fellhöschen. Seine Füße sind mit Lederlumpen umschnürt. In seiner Rechten eine steinzeitliche Axt, um seinen Hals ein Amulett. Zu den Credits stimmt der etwas funkige Italopopsong 'Yor's World' von Guido und Maurizio de Angelis ein, die schon so manchen Italokracher akkustisch zu versüßen wußten.
Yor, das ist dieser durchtrainierte jedoch nicht zu unmenschlichem Format aufgeblasene Mann, verkörpert vom ehemaligen USC Football Spieler Reb Brown, der in den USA bereits auf eine Ansammlung kleinerer Rollen und voller Stolz auf die Darstellung der Hauptfigur in Captain America zurückblicken konnte. In Einer gegen das Imperium gibt er nun wieder eine Comicfigur, denn Yor ist der Held aus 'Henga, el Cazador' (Henga, der Jäger) von Juan Zanotto und Ray Collins, in der italienischen Version als 'Yor, il Cacciatore' (Yor, der Jäger) heraus gegeben, dem außerdem 'Hor, il Figlio di Yor' (Hor, Yors Sohn) folgte.
Eine Gruppe von Steinzeitmenschen erfreut sich des Friedens, entzündet einige Feuer und hebt die Kinder den Göttern zum Dank gen Himmel. Doch mit der Feier scheint es für die beiden Jäger Pag (Luciano Pigozzi) und Ka-Laa (Corinne Clery) aus zu sein, als sie im Buschwerk beim Fang eines kleinen Sauriers plötzlich auf die wütende Mutter stoßen, einem Phantasiemix aus Triceratops und Stegosaurus, der wie alle Kreaturen in diesem Film in schwerer, aber beweglicher Lebensgröße von Antonio Margheritis Kindern Edoardo und Antonella hergestellt wurden.
Gut gelaunt stößt Yor zu den beiden Lanzenkämpfern, drängt die Hilfebedürftigen zur Seite und bittet, die Beute ihm zu überlassen, als ob er die Lage gar nicht registriert hätte. Mit etwas ungelenker Hilfe von Pag spielt der blonde Retter das Ungetüm schließlich artistisch aus und streckt den in der Totale sauberen, in der Halbnahaufnahme jedoch blutüberströmten Saurier mit einem letzten Axthieb zu Boden.
Ein Jubelschrei - da zückt er das Messer und sticht dem Monstrum in den Hals. 'Das Blut unserer Feinde gibt uns Mut und Kraft!' so seine Philosophie zu der zungenverbrennenden Flüssigkeit.
Durch Zufall kann ein Alter aus dem dazu geeilten Stamm etwas zu Yors Amulett berichten, über das der Träger selbst nicht mehr erzählen kann, als daß er es von Geburt an besäße. Hinter den Bergen gäbe es eine Frau, die so ein Symbol ziere, sagt der Mann. Als Tochter der Götter würde sie vom Wüstenvolk verehrt, es heiße, sie sei auf einer Feuerzunge zur Erde herabgestiegen. Man mag glauben die Zahnräder im Kopf des Helden knirschen zu hören, doch bevor er die Gelegenheit erhält auf genealogische Expedition zu gehen, unterbricht ein düsterer Trupp Höhlenmenschen, deren Behaarung an eine Schaustellertruppe glauben läßt, die mit einer Altkleiderspende vom Planet der Affen versucht, Der Wolfsmensch nachzuspielen, das glückliche Beisammensein. Frauen möchten sie rauben, besonders eindrucksvoll dabei in der deutschen Fassung die eigentlich sympathische Stimme von Edgar Ott (Balu, Benjamin Blümchen). Dem Trio Yor, Pag und Ka-Laa bleibt nichts anderes übrig, als die Übermacht gewähren zu lassen und später einen Rettungsversuch zu starten.
Um einen ersten Eindruck der unglaublichen Oppulenz des Gebotenen in Einer gegen das Imperium zu geben, sei gesagt, daß als Yor einen riesigen 'Nachtvogel' heroisch als Segelgleiter mißbraucht, um die stinkende Höhle der Affenmenschen zu entern, erst das zweite Viertel des für eine günstige Italoproduktion mit gut 83 Minuten (zirka 87 Minuten Kinolaufzeit) durchschnittlich langen Films angebrochen ist.
Doch weder das rasante Feuerwerk noch die relativ deutlich abgegrenzten Stationen sind ein Zufall. Als Antonio Margheriti, der auch privat ein großes Herz für Science-Fiction und Fantasy Comics und Groschenromane besaß, 'Il Mondo di Yor' (Yors Welt) 1983 für Diamant Film und Radiotelevisione Italiana in der Türkei drehte, bewegten sich die Prioritäten der italienischen Filmproduktionen bereits in Richtung des Fernsehens. Während wir nur eine drastisch zusammengekürzte Fassung zu sehen bekamen, handelt es sich bei Einer gegen das Imperium eigentlich um eine vierteilige Mini-Serie mit einer Episodenlaufzeit von jeweils etwa 50 Minuten, die sich hauptsächlich über türkische Produktionsgelder finanzierte. Auch die Laufzeit der italienischen Filmverwertung beträgt laut Edoardo Margheriti immer noch stolze 98 Minuten.
Da die US-Version bei knapp 88 Minuten (NTSC) in den Action- und einigen Dialogszenen gegenüber der deutschen DVD kürzer ist, dafür jedoch auch zusätzliche Sequenzen zu bieten hat, ohne den groben Ablauf zu verändern, ist anzunehmen, daß beide Versionen auf der längeren, italienischen Filmfassung basieren.
Erwähnenswert dabei ist übrigens, daß die Nachtfilter erst nachträglich eingesetzt wurden. Wo der Deutsche stockfinstere Nacht sieht, erblickt der Amerikaner ein fast taghelles, leicht blaustichiges Bild.
Interessant wäre auch ein Vergleich zur Werkstreue gegenüber der Comicvorlage, die bereits 1974 erschienen ist. Inhaltlich bewegte sich das italienische Fernsehen nämlich scheinbar ganz im Stile der landesüblichen Nachahmungskultur eng am Zahn der Zeit. Nicht nur, daß Yor ausgerechnet bei einem an die Sandleute aus Krieg der Sterne erinnernden Wüstenvolk auf die blonde Herkunftsgenossin Rea (Ayshe Gul) stößt. Auch Am Anfang war das Feuer scheint mit seiner Neandertalergeschichte wie zufällig eine Parallele zu geben. Mit atlantid-/mythologisch-nordischen Bezügen im Stil von Dreißigerjahre Weird Tales Sword and Sorcery Geschichten unterstreicht der Film später zudem eine nicht zu verleugnende Nähe zum kurz vorher veröffentlichten Conan - Der Barbar.
Was die Kids, von denen man heute im Internet noch manch freudige Stimme vernehmen kann, aber damals vor die Videogeräte gezogen hat, war die Mischung aus Fantasy und Science-Fiction, welches Einer gegen das Imperium nicht unbedingt für Fans des optisch am Ende nochmals erstaunlich ähnlichen Star Wars tauglich macht, wohl aber für die Zielgruppe der seit 1982 von Mattel vertriebenen Toyline Masters of the Universe, deren Verfilmung es erst im Dezember 1987 in die deutschen Kinos schaffte, wo mit einer FSK-Freigabe ab 12 Jahren eine zusätzliche Hürde für die Nachkommen besorgter Eltern eingebaut wurde. Insbesondere die frühen Comichefte um He-Man, weniger jedoch die Zeichentrickserie oder Europahörspiele, bedienten sich durchaus eines ähnlichen Sujets.
Obwohl man die Science-Fiction-Elemente schon anhand des Kassettenartworks erahnen konnte, war man damals, im Gegensatz zu heute, wo halbwegs detaillierte Beschreibungen ohnehin Bestandteil jedes Reviews sind, eingelullt von den vorzeitlichen Elementen doch einem erstaunlichen Bruch ausgesetzt, als unser Trio in ein Fischerdorf kommt, welches ein futuristisches Artefakt hütet, das in der Lage ist, Kontakt zu den Göttern aufzunehmen. Tatsächlich hört man Stimmen aus diesem Funkgerät, als die vermeintlichen Gottheiten in der Nacht den ganzen Ort mit Laserstrahlen verwüsten.
Mit einer Nußschale gelangen die Protagonisten nun zu einer Insel, die von Robotern bewacht wird, die zwar die Rolle eines Stormtroopers einzunehmen scheinen, aber optisch Darth Vader nachempfunden sind. Ihr Anführer Der Höchste (John Steiner) hingegen ähnelt dem Imperator, spricht jedoch mit verzerrter Stimme. Als Anekdote zu den Plagiatsvorwürfen sei angebracht, daß die Kostüme aus dem Film Kampf um die 5. Galaxis stammen, in dem Margheriti für die Spezialeffekte zuständig war. Ganz zufällig war diese Produktion als freches Rip-Off eines gewissen Films von George Lucas in die Annalen der Filmgeschichte eingegangen.
Auch wenn sie manchmal eine ähnliche Klangfarbe annimmt, verbirgt sich hinter Yors deutscher Stimme nicht Luke Skywalkers Sprecher Hans-Georg Panczak, sondern Randolf Kronberg, der bis zu seinem Tode im Jahre 2007 Eddie Murphy zu fundierten Kenntnissen unserer Sprache verhalf. Obschon Informationen über eine vergangene Apokalypse und der Versuch eine neue Rasse zu erzeugen in eine etwas andere Richtung tendieren, so kann Einer gegen das Imperium mit Schlagworten wie Rebellion auftrumpfen, erinnert in den Kulissen des Finales durchaus mal an das Interieur des Todessterns und wenn Yor die Laserpistole senkt weil nur die alten Waffen helfen, dann ist der Kreis irgendwo geschlossen.
Wegen seines bizarren Genrespagats avancierte Einer gegen das Imperium nicht nur in Deutschland, sondern auch den USA, wo im Vertrieb von Columbia Pictures die Werbetrommel mit dem amerikanischen Zugpferd Reb Brown kräftig gerührt wurde, zum schrägen Kult. Trotz der Nominierung zur Goldenen Himbeere erschien dort sogar das Soundtrackalbum. Wer außerdem bei The Ring genauer hinsieht, entdeckt im Videoregal eine Kassette mit dem amerikanischen Titel Yor, the Hunter from the Future. Eine DVD scheint es jedoch nur in Deutschland zu geben, denn hungrigen Fans ist diese Veröffentlichung sogar eine Erwähnung im ersten Absatz des englischsprachigen Wikipedia-Eintrags wert.
Dramaturgisch von heute aus gesehen eine ziemliche Flaute, stellt sich die Frage, ob unsere rasante Fassung nicht gar die bessere Alternative gegenüber einer zwei Stunden längeren Version ist, die zwar unter anderem noch einen zusätzlichen Kampf gegen ein haigesichtiges Tentakelwesen enthält, jedoch zwangsläufig auch mehr Handlungsideen, bestenfalls eine Vertiefung der Figuren, angehen muß, die mit ihren herrlich platten Weisheiten doch genau in die leichtfüßige Kerbe gediegener Trashunterhaltung schlagen, die Einer gegen das Imperium für nostalgisch Zurückblickende und Liebhaber irrwitziger Achtzigerjahre-Unterhaltung wohlbekömmlich erscheinen läßt.
Es ist die kindlich-naive Freude, mit der Antonio Margheriti seine Truppe vollkommen ernsthaft gegen jedes Logikempfinden anspielen zu lassen scheint, die Einer gegen das Imperium auch vor erwachsenen Augen als unfreiwillige Komödie funktionieren läßt. Stets ist die Kamera bemüht, schöne Landschaftsmotive in den Film zu integrieren und spannende Momente einzufangen. Ist das Objektiv jedoch neugierig auf einzelne Figuren gerichtet, so wissen diese die Szene oftmals emotional nicht recht darzustellen oder staksen schlimmstenfalls wie ein Storch im Salat durchs Bild. Gerade dadurch entstehen scharfe Kontraste, bei denen der sonst tappsige Pag zum Beispiel plötzlich kopfüber am Kabel einer Fernbedienung hängend, Yor am anderen Ende eines Abgrunds in der Zentrale der Schurken wie ein Trapezkünstler in Empfang nimmt.
Dafür, daß es eine Fernsehproduktion ist, die sich im Wesentlichen an ein jüngeres Publikum zu richten scheint, welches das unglaubliche Pottpurri aus jeweils eigentlich bekannten Elementen unkritisch schlucken könnte, ist der Film immer noch relativ krude, zeigt besonders auf Seiten der Monster einiges Blut, schreckt jedoch auch nicht vor Gewalt gegen Menschen zurück. Doch andererseits gibt es auch massenhaft Kampfgehampel, bei dem sich selbst die Waffen kaum berühren und Hiebe, die offensichtlich weit am Opfer vorbei gingen, strecken dieses trotzdem nieder. Dabei bekommt die deutsche Fassung immer noch gerade so die Kurve, bevor sich Langeweile im Anflug befindet.
Nicht viel könnte dieses Kleinod der Trashabteilung, das fast wie ein Best Of des zeitgenössischen italienischen Pulp-Cinemas wirkt, noch aufwerten. Obwohl die Akteure ohnehin spärlich bekleidet sind, blitzt nur aus Versehen mal eine Pobacke hervor, doch schon bei einer Schmuserei zwischen Yor und Rea dient ein Fell der züchtigen Bedeckung. Auch wenn dieser Umstand dem Fernsehformat geschuldet sein wird, hätte ein Hauch Erotik für zusätzliches Prickeln gesorgt. Vielleicht mit Augenzwinkern ein paar Ninjas noch, doch dafür wird es sowieso einen Tick zu früh gewesen sein.
Nein, zu wenig wurde in dieses Abenteuer beileibe nicht gesteckt. Einer gegen das Imperium ist das perfekte Exempel für das italienische Vermögen, mit einem korsettartig eng umschnürenden Etat und relativ wenigen, kreativen Story-Ideen ein Effektspektakel auf den Markt zu werfen, welches gern größenmäßig an den Wolken kratzen möchte. Einfach alles in einen Film zu stecken, was man hat, auch das ist eine Form von Herzblut. Das Resultat ist Kunst, ein Kosmos mit eigener Dynamik und Gesetzen und nicht etwa schieres Handwerk, wie man Antonio Margheriti oftmals andichten möchte.
Er war in nahezu allen Genres zuhause, doch diese Kirmes, dieser Karneval des Schundvergnügens erreicht wahrlich die Königsklasse in der Amüsementsparte des schlechten Geschmacks. Diese vielleicht reizvollste seiner Arbeiten gehört zu den Standardwerken der niedrig finanzierten Trivialunterhaltung und sollte selbst für ein reines Hochglanzpublikum ein Erlebnis darstellen, daß man mindestens einmal im Leben gemacht haben muß. Es ist ein Partyfilm, wie es Margheriti selbst gegenüber Peter Blumenstock und Christian Kessler im Interview äußerte.
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