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Ratatouille (2007)
Eine Kritik von saxmartin (Bewertung des Films: 9/10) eingetragen am 10.11.2007, seitdem 832 Mal gelesen
Man nehme…
„Anyone can cook – Jeder kann kochen“ (Auguste Gusteau)
…eine liebenswürdige, blau-graue Ratte mit einem außergewöhnlich feinfühligen Näschen namens Rémy, einen etwas tollpatschigen und in seinen geistigen Fähigkeiten etwas limitiert wirkenden Menschenjungen, eine Rattensippe, die sich auch dementsprechend verhält und an dessen Spitze Rémys konservativer, aber fürsorglicher Vater steht und verrühre das in der Stadt der Liebe und der Gourmets Paris zu einem wundervollen Animationsfilm mit dem Namen „Ratatouille“.
Der Film entstand wie etwa „Findet Nemo“, „Toy Story“ oder zuletzt „Cars“ aus dem Hause Disney-Pixar und wurde produziert von Brad Bird, der auch schon verantwortlich war für einige Episoden der „Simpsons“. Bekannt wurde aber vor allem für seine Regiearbeit bei „The Incredibles – die Unglaublichen“ im Jahr 2004. Sein Handwerk lernte er bei „Dreamworks“, der Produktionsgesellschaft von Steven Spielberg, wo er bereits an „Antz“ und „Shrek“ mitgearbeitet hat. Sein Können zeigte er nun brillant mit „Ratatouille“, einem grandiosen Unterhaltungsfilm für die ganze Familie. Galt die Animation des Wassers bei „Findet Nemo“ schon als Meilenstein in der Geschichte des Animationsfilms, findet diese nun meines Erachtens mit der „haargenauen“ Animation der Menschen und der Felle der Ratten einen weiteren Höhepunkt.
Die Figuren wirken, anders wie noch zum Beispiel bei „The Simpsons – The Movie“ nahezu real, gar plastisch. Der Zuschauer möchte am liebsten den Ratten über das glänzende Fell streicheln, bei dem es scheint, als ob jedes Härchen einzeln zu erkennen und in mühevoller Kleinstarbeit animiert wurde. Anders als auch, wie etwa bei „Wallace & Gromit – Auf der Jagd nach dem Riesenkaninchen“ wirken die Bewegungsabläufe der Figuren bei Weitem nicht so steif und hölzern, sondern wie aus einem Guss. Man muss „Walace & Gromit“ aber natürlich auch zugestehen, dass es sich dabei um eine andere Filmtechnik gehandelt hat, mit welcher es vermutlich nicht möglich gewesen wäre, ein derartig hohes Niveau der Bewegungsabläufe wie bei „Ratatouille“ zu erreichen. Vollkommen zurecht gibt es momentan - wie es dem aktuellen Zeitgeist in der deutschen TV-Landschaft entspricht - so eine Art Kochduell um bzw. an der Spitze der Kinocharts zwischen Frankreich und Österreich: besser gesagt Disney-Pixars CGI – Meisterwerk gibt sich nicht sang- und klanglos Bully Herbigs Österreich - Zeichentrickschwank „Lissy und der wilde Kaiser“ geschlagen. Ratatouille stand lange Zeit an erster Stelle der Kinohitliste - startete in Deutschland ja bereits am 3. Oktober - ehe Bully Herbig medienwirksam (z.B. „Wetten, dass…“) die Werbetrommeln für seinen letzten Streich rührte, der schließlich 25. Oktober nachlegte und Ratatouille Platz eins streitig machte.
Die Hauptfigur ist Rémy (großartig synchronisiert von Axel Malzacher), eine blau-graue Ratte. Sie unterscheidet sich jedoch wesentlich von den Zeitgenossen ihrer Herde. Sie besitzt nicht nur menschenähnliche Wesenszüge (Fähigkeit zur Empathie) sondern hat auch eine äußerst feinfühlige Nase. Während sich die anderen Ratten seiner Sippe, allen voran der dicklich – gefräßige Emile, Rémys Bruder, mit Küchenabfällen als Fressen zufrieden geben, findet Rémy auf Grund seines ausgeprägten Riechsinns seine Erfüllung in den Gerüchen und den Geschmäckern der besten Lebensmittel. Er gibt sich nicht mit den rattentypischen Nahrungsmitteln zufrieden, sondern strebt, wie sein großes Vorbild, der verstorbene Pariser Sternekoch Auguste Gusteau und Chef seines Gourmettempels „Gusteau´s“ nach dem perfekten Geschmack. Während sich sein Rattenclan auf der Müllkippe auf der Suche nach Nahrung umher treibt, findet Rémy sein persönliches Glück in den Rezepten Gusteau´s.
Durch eine Aneinanderreihung (un)glücklicher Umstände geschieht schließlich das Unvermeidbare. Erst wird Rémy wird von seiner Familie getrennt als sie in einer Flucht von ihrem Haus auf dem Land fliehen müssen, dann verschlägt es ihn – wie es der Zufall so will, dem Hunger sei Dank – ausgerechnet nach Paris und dort in die Geschmackszentrale seines Vorbilds, der Küche des Sternerestaurants „Gusteau´s“. Sein Lebenstraum geht in Erfüllung, denn er kann nicht nur das geschäftige Treiben in der Küche beobachten, sondern ist bald mitten im Geschen. Dies verdankt er vor allem Linguini (deutsche Stimme: Stefan Günther), einem bisher glücklosen, tollpatschigen Küchenjungen.
Nach dem Tod des Meisterkochs Gusteau obliegt nun die kulinarische Verantwortung des Restaurants dem kleinwüchsigen, griesgrämigen Küchenchef Skinner (eine Anspielung an Rektor Skinner aus dem Simpsons Film??). Er stellt den tollpatschigen Jungen Linguini al Mädchen für alles ein. Rémy wird Zeuge, wie Linguini eine teilweise verschüttete Suppe mit Wasser und anderen Zutaten stümperhaft zu strecken versucht. Rémys heimlicher Versuch, die Suppe zu retten, endet in seiner Gefangennahme, als er von Skinner bemerkt wird. Allerdings bleibt sein kulinarisches Rettungsmanöver für die Suppe nicht unbemerkt: Die Gäste loben deren vorzüglichen Geschmack, und Linguini, der als einziger weiß, dass die Ratte Rémy für diesen guten Geschmack verantwortlich ist, erhält den Auftrag, die Suppe am nächsten Tag erneut zu kochen und die Ratte zu töten. Als dies auf mysteriöse Weise gelingt und Linguini in den folgenden Tagen immer wieder mit kulinarischen Highlights auf sich aufmerksam macht, wird Küchenchef Skinner zutiefst misstrauisch. Nun beginnt ein „Tom und Jerry“ – artiges Katz und Maus Spiel zwischen Linguini und Rémy, aus denen sich mittlerweile ein symbiotisches Dreamteam entwickelt hat, und eben Skinner, der sehr daran zweifelt, dass Linguinis Erfolg auf legale Weise zustande gekommen ist.
Meines Erachtens sind diese ersten gemeinsamen Kochversuche von Liguini und Rémy noch der lustigste Part des Films, der ansonsten eher tiefgründige Momente aufweist. An Stelle Rémy nach der Answeisung Skinners zu töten, freunden sich die beiden an, denn jeder kann vom anderen nur profitieren. Für Rémy geht ein lang gehegter Lebenstraum in Erfüllung: Er kann in einem Pariser Gourmethaus seiner Nase und seinem Kochtalent freien Lauf lassen und für Linguini bedeutet dies unbekannte Aufmerksamkeit und Anerkennung, nicht nur bei den Gästen des Restaurants, ob der köstlichen Speisen, sondern auch bei der hübschen Köchin Colette (deutsche Stimme: Elisabeth von Koch). Natürlich ist Rémy das Mastermind hinter Linguinis neu gewonnenen Kochkünsten. Marionettenartig lenkt und denkt er unter dessen Kochmütze versteckt Linguini, indem er ihn wie ein Puppenspieler an den Haaren ziehend auf wundersame Weise die besten kulinarischen Genüsse kreieren lässt. Die Kehrseite der Medaille ist allerdings, dass Linguini der Erfolg bald im wahrsten Sinne des Wortes in den Kopf steigt. So hat er bald nicht nur den Küchenchef Skinner als ärgsten Kritiker und Neider, sondern er zieht auch die Aufmerksamkeit des gefürchteten Restaurantkritikers Anton Ego (gesprochen von Jürgen Thomann) auf sich.
Was nun folgt sind bekannte Irrungen und Wirrungen zwischen Liebe (darf natürlich auch nicht fehlen), Freude, Neid und Missgunst. Allerdings möchte ich hier nicht das Ende des Films verraten, denn es gibt mit Sicherheit noch Menschen, die den Film noch nicht gesehen haben, dies aber noch tun wollen. Eines sei jedoch gesagt: Wer ein wahres Gagfeuerwerk erwartet wird vermutlich enttäuscht werden. Natürlich hat der Film auch zahlreiche urkomische und lustige Momente, über weite Teile gibt sich der Streifen eher tiefgründig, ja sogar nachdenklich. Des einen Freud, ist des anderen Leid. Es gibt – ich denke durchaus realitätsnahe – Einblicke in das oft knochenharte Geschäft der Sterneküche.
FAZIT:
Disney – Pixar haben auf altbewährte Hauptdarsteller zurückgegriffen, denn Mäuse oder Ratten als Protagonisten in Zeichentrickfilmen haben schon immer gut funktioniert. Wer denkt nicht gern an Animationsperlen wie etwa „Mickey Mouse“, „Bernhard und Bianca“, „Feivel der Mauswanderer“ „Stuart Little“ oder zuletzt „Flutsch und Weg“ zurück. Auch Rémy und seine Kumpanen sind so niedlich, dass man sie am liebsten den ganzen Tag knuddeln und streicheln möchte. Die Story zeigt dem Betrachter mal wieder den typische amerikanischen Traum: Vom Tellerwäscher (im wahrsten Sinne des Wortes) zum Millionär. Ein bewährtes Mittel von Zeichentrickfilmen, auf das die Macher zurückgegriffen haben ist das der Kontraste. Dem klugen und feinsinnigen Rémy steht der dümmliche und tollpatschige Linguini gegenüber. Rémy ist ebenso die einzige Ratte, die aus dem klischeehaften rattentypischen Verhaltensmuster ihres Clans heraustritt und sein eigenes Schicksal in die Pfoten nimmt. Nichtstsdestotrotz wird man bei „Ratatouille“ bestens unterhalten. Der Film ist eine animationstechnische Augenweide und eine kulinarischer Gaumenschmaus. Was es mit dem Namen des Films auf sich hat, wird nicht verraten, denn dieses einfache Gericht spielt eine entscheidende Rolle im Film. Zuletzt möchte ich noch den Pixar – üblichen Vorfilm erwähnen, der (fast) allein schon sein Eintrittsgeld wert ist. „Ratatouille“ ist ein äußerst kurzweiliger (111 Minuten) Spaß für Jung und Alt, der oftmals jedoch eher tiefgründig als urkomisch daher kommt.
(9/10 Punkten)
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