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Ratatouille (2007)
Eine Kritik von Mountie (Bewertung des Films: 8/10) eingetragen am 04.11.2008, seitdem 319 Mal gelesen
Eine Ratte als Held in einem Animationsfilm, wer denkt da nicht sofort an eine klebrig süße Verniedlichung wie man es vor allem aus dem Hause Disney gewohnt ist. Man irrt allerdings wenn man davon ausgeht. Natürlich sind die Ratten zu einem gewissen Grad süß und nett anzusehen, aber daraus zieht der Film nicht seine Stärke. Vielmehr ist es, wie ungezwungen, warmherzig und liebevoll er sich seiner Thematik rund um eine kochlöffelschwingende Ratte bemüht. Erstaunlich angenehm und unaufdringlich wird man an diese Figur geführt ohne sie plump zu vermenschlichen oder sich ihr als ständig witzelnden Clown anzunehmen. Die Geschichte ist an und für sich nichts besonderes und dient nur als Aufhänger, um zum einen ein gewisses Maß an Situationskomik unterzubringen, und zum anderen eine universelle und auch ein wenig naive Botschaft von Selbstverwirklichung an den Mann zu bringen. Aber man täte dem Film unrecht ihm nur auf jene Attribute zu reduzieren.
Was Regisseur Brad Bird hier zeigt, kann mit gutem Recht als erwachsenster und reifster Film bezeichnet werden den Pixar bisher zu Stande gebracht hat. Endlich schafft es einer dieser Filme, sich von den ewig gleichen Figurenschablonen zu lösen und den Charakteren Eigenschaften mitzugeben die über postmoderne Phrasen zitierende Witzfiguren hinausgehen. Die Hauptfigur etwa ist mit einem wunderbaren Ideenreichtum ausgestattet. Sie verkommt kein einziges mal zu einer ständig den Regeln des Slapstick folgenden Witzhülle, im Gegenteil, die Geschichte rund um die kochende Ratte ist mit einem nötigen Maß an Seriosität vorgetragen und legt in erster Linie Wert auf - so blöd es in diesem Zusammenhang klingen man - eine glaubwürdige Charakterentwicklung. Das soll allerdings nicht heißen, dass "Ratatouille" witzlos geschweige denn humorlos sei. Natürlich ist auch hier das Hauptaugenmerk auf den Humor gelegt, nur wie er das tut, stellt eine kleine Sensation dar. Die Figuren sind alle liebevoll (Achtung Wortspiel) gezeichnet und alleine aus den situationsbedingten Konfrontationen erwächst eine teils angenehm unaufdringliche Komik und manchmal die eine oder andere Slapstickszene. Diese bleiben allerdings stets im Rahmen ohne je ausufernd oder albern zu werden. Etwa wenn Rémy sich seinen menschlichen Freund mittels Haareziehen physisch gefügig macht.
Was den Film aber obendrein von seinen oft minderwertigen Genrekollegen abhebt, ist seine ausgefeilte und ja, anspruchsvolle Bebilderung. Großartig die Idee, Rémy's Leidenschaft für's Kochen und den damit einhergehenden perfekten Geschmack mittels Farben und Formen zu visualisieren. Unnötig zu erwähnen, dass der Film auch in technischer Hinsicht wirklich zu begeistern vermag. Das Fell der Ratten und vor allem die zubereiteten Speisen vermögen wirklich nahezu naturalistisch bzw. photorealistisch perfekt zu sein. Anders ausgedrückt, ich habe tatsächlich Hunger bekommen.
Wer sein Augenmerk mehr auf parodistische Animationsfilme legt, wird unter Umständen enttäuscht. "Ratatouille" legt es darauf überhaupt nicht an. Eher versucht er, genau aus diesem sich ständig wiederholenden Einheitsbrei auszubrechen und eine liebevolle und weitgehend selbstständige Komödie, die sich auch einen gewissen Anspruch auf künstlerischen Wert sichert, zu sein.  Der Versuch Filme für die ganze Familie zu schaffen, scheitert oft an einer nahezu schizophrenen Orientierungslosigkeit. Man will die Kinder mit krudem Slapstick unterhalten und gleichzeitig dem erwachsenen Publikum "seriösere" Anreize geben, auf das diese sich nicht sofort ausklinken. Dieses bemühte Unterfangen funktioniert, wenn, dann nur sehr selten. "Ratatouille" kann zu den geglückten Versuchen gezählt werden und das ohne auf vorgefertigte Blaupausen des Unterhaltungs- bzw. Familienkinos zurückgegriffen zu haben. Das lässt hoffen, dass aus dem jungen, bisher meist sehr kommerzorientierten und dabei in vielerlei Hinsicht kalt, seelenlos artifiziellen Genre des CGI-Animationsfilm, auch ein künstlerisch ansprechendes werden kann.
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