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Inside - Was sie will ist in Dir (2007)
Eine Kritik von Preacher666 (Bewertung des Films: 8/10) eingetragen am 01.06.2008, seitdem 785 Mal gelesen
Schere, Bauch, Schnitt, Blut, Schreie, Baby
Nicht oft, aber immerhin manchmal, gibt es in Horrorproduktionen gewisse Szenen, die auch abgebrühte Horrorfans, die sich ansonsten königlich über filmische Gewalt jeder Art amüsieren können, schockieren, ihnen bitter aufstoßen oder sogar ein gewisses Abwehrgefühl in ihnen wecken. Noch seltener als solche Szenen sind ganze filmische Werke, die den geneigten Genrefan nach dem Abspann ohne ein Wort auf den Lippen und nur den jeweiligen düsteren Gedanken nachhängend in die Nacht entlassen.
„Inside“ von den französischen Regisseuren Bustillo und Maury gehört, durch seine kontroverse Thematik, sicherlich zu letzt genannten Filmen dazu. Gewalt gegen Schwangere zählt nämlich ohne Zweifel nicht zu den alltäglichsten Horrorausgangssituationen und stellt doch in diesem Film knapp 83 Minuten lang, den einzigen (im wahrsten Sinne des Wortes) roten Faden dar.
Leider hat die deutsche FSK wieder einmal nicht einsehen können oder wollen, dass auch Horrorfilme in gewissem Sinne Kunst sind und es jedem volljährigen Zuschauer selbst vorbehalten bleibt, welche Filme er sich ansieht und welche nicht. Darum fehlen in der deutschen und somit auch der ersten österreichischen Version von „Inside“ knapp zweieinhalb Minuten Gewalt. An dieser Stelle soll jedoch klar gestellt werden, dass der Film dadurch weder etwas von seiner beklemmenden Atmosphäre noch von seiner Härte oder Brutalität eingebüßt hat. Um das zu erreichen hätte man wahrscheinlich 60 Minuten Gewalt kürzen müssen. Trotzdem fallen einige dilettantische Schnitte ebenso schnell auf wie kleinere Anschlussfehler und trüben damit den Filmgenuss (wenn man hierbei von Genuss sprechen kann) unnötig. Die Empfehlung an dieser Stelle wäre die amerikanische unrated Version oder das französische Original im Internet zu bestellen und auf die geschnittene deutsche DVD zu verzichten. Dessen ungeachtet ist auch diese Version (wie gesagt) mehr als nur brutal und für viele Betrachter höchstwahrscheinlich schon heftig genug.
Sarah (Alysson Paradis, Schwester von Vanessa Paradis, der Frau von Johnny Depp) ist nicht gerade die glücklichste Frau der Welt. Obwohl sie im neunten Monat schwanger ist und ein Kind erwartet, zieht sie sich immer mehr in sich selbst zurück, ignoriert die Hilfeangebote ihrer Mutter und ihres Chefs und vegetiert melancholisch vor sich hin. Erklärt wird dieses Verhalten mit dem erst vier Monate zurückliegenden Unfalltod ihres Mannes. Als sie einen Tag vor der Geburt ihres Kindes alleine zu Hause ist taucht eine ihr unbekannte Frau (Béatrice Dalle) vor ihrer Tür auf, die erstaunlich gut über sie Bescheid weiß und sich auch von der Polizei nicht vertreiben lässt.
[In diesem Moment befindet sich der Betrachter ungefähr bei Minute 20 des Films und außer dutzenden langsamen Einstellungen und zwei bis drei Sätzen hat sich in dem Film noch nicht viel getan. Doch jetzt eruptiert die Gewalt.]
Die Fremde Frau dringt in Sarahs Haus ein und schnell wird klar, dass die Irre es auf ihr ungeborenes Kind abgesehen hat. Sie will es ihr im wahrsten Sinne des Wortes entreißen und geht dafür ohne zu zögern über Leichen.
Was folgt ist eine nur schwer verdauliche Gewaltorgie, die von Bustillo und Maury mit minimalsten Mitteln und einem schmalen Cast unglaublich spannend, brutal und atmosphärisch umgesetzt wurde. Das Haus von Sarah färbt sich ebenso wie ihr Kleid von Minute zu Minute roter und die Gewalttaten (ob mit Messer, Schlagstock, Schere oder Pistole ausgeführt) werden immer unangenehmer und härter. Speziell aus der Kluft zwischen ruhigem Anfang und ruhelosem Ende bezieht der Film seine Stärke. Die gefühllose Distanz und absolute Sinnlosigkeit der (plötzlich hervorbrechenden) Bluttaten schockiert und verwirrt und hat einige Personen dazu bewogen den Saal fluchtartig zu verlassen.
Die Darsteller machen ihre Sache gut und vor allem die beiden Hauptdarstellerinnen liefern sich ein unvergleichliches Psychoduell. Die begrenzte Lokation (im Endeffekt lediglich eine Hand voll Räume) kommt ihnen dabei entgegen und lässt sowohl Darstellerinnen als auch Zuschauern nahezu keine ruhige Minute.
Auch das Ende nimmt keine Gefangenen. Die beiden Regisseure entlassen das Publikum mit einem schmutzigen Gefühl, sich etwas angesehen zu haben, dass es besser nicht gesehen hätte. Eine leise Ahnung etwas Unmoralisches getan zu haben und sich schuldig fühlen zu müssen, weil man anstatt wegzusehen und das Gesehene zu verurteilen, wie gebannt auf die Leinwand gestarrt hat.
Die Worte Kompromisslos und Brutal sollten ab diesem Moment nicht mehr so leichtfertig wie bisher verwendet werden.
Fazit
Nach „High Tension“ und „Them“ zeigt auch „Inside“, dass es in Frankreich mehr als guten Wein, Baguettes und undurchsichtige und verwirrende Polizeithriller gibt. Trotz jämmerlicher Schnittauflagen der FSK ein heftiger Schlag in die Magengrube und jedem Hardcorehorrorfan zu empfehlen, der knapp 20 Minuten Lethargie und anschließen mehr als 60 Minuten Brutalität aushalten kann. Seine Freundin/Frau sollte man jedoch besser zu Hause lassen. Speziell dann, wenn man dem Film etwas Gutes abgewinnen kann und nicht als abgestumpft bezeichnet werden will.
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