|
 |

Ansicht eines Reviews
Inside - Was sie will ist in Dir (2007)
Eine Kritik von KillBill-75 eingetragen am 29.04.2009, seitdem 438 Mal gelesen
Die Kritik beruht auf der um zwei Minuten geschnittenen Fassung von Senator!
Nicht nur die Psychopathin setzte die Schere an, sondern auch die Mitglieder der Juristenkommission, um diesem sehr harten Psychothriller eine "strafrechtliche Unbedenklichkeit" auszustellen.
Bis auf die Szene, in der das Baby aus dem Bauch von Sarah herausgeschnitten wird, sind die Schnitte kaum erkennbar und auch, wenn die komplette Entbindung fehlt, so kann man aus den folgenden Szenen schliessen, was in der Zwischenzeit geschehen ist.
Zumal die beiden Regisseure Julien Maury und Alexandre Bustillo das Blutbad nicht nur detailfreudig in Szene setzten, sondern dem Zuschauer immer noch einmal einen Blick auf das Ausmaß des Gewalttrips gönnen. Und so kommen auch die Zuschauer der geschnittenen Fassung in den Genuß einer langsamen Kamerafahrt über die blutüberströmte Sarah, die leblos, mit aufgeschnittener Bauchdecke, in einer Blutlache liegt.
Am Ende dieses Schockers gleicht das Haus einem Schlachthof, so grausam und erbarmungslos wurde gewütet.
Dabei lassen sich Maury und Bustillo angesichts der kurzen Laufzeit von 76 (cut) bzw. 78 (uncut) Minuten sehr viel Zeit mit der Einführung der Geschichte und der Vorstellung der Charaktere.
Erst nach 30 Minuten entfacht der Terror einer Frau, deren Motiv gegen Ende des Filmes offenbart wird und mit einer Auflösung aufwartet, mit der ich so nicht gerechnet hatte.
Ganz klar, das US-Vorbild "Die Hand an der Wiege" läßt grüßen. Doch haben wir es mit diesem französischen Film nicht mit einer sauberen, hochglanzpolierten Produktion zu tun, sondern mit einem radikalen, schmutzigen und kompromisslosen Terrorfilm, der bis an die Grenzen des Erträglichen geht.
Beatrice Dalle als die geheimnisvolle Frau glänzt wie einst Rebecca de Mornay in "Die Hand an der Wiege", wirkt aber durch ihre pechschwarzen Haare und ihre dunkle Kleidung viel bedrohlicher. Ihre ganze Wut, ihr Hass und ihr Wahnsinn, als das bringt der französische Star überzeugend zum Ausdruck. Auch Alysson Paradis spielt ihre Rolle der schwangeren Sarah sehr glaubwürdig.
"Inside" ist ein Thriller, der geschickt mit den Ängsten der Zuschauer spielt. Dadurch, dass sich die Haupt-Handlung lediglich in einem Haus abspielt, wirkt die Atmosphäre beklemmend und bedrohlich, was durch den geschickten Einsatz der Musik noch verstärkt wirkt. Dass Sarah aufgrund der bevorstehenden Geburt und einiger Verletzungen kaum in der Lage ist, den Angriffen ihrer Gegnerin auszuweichen, macht die Situation für den Zuschauer unerträglich, denn wer betet und hofft nicht für die schwangere Sarah, dass es für sie und ihrem Baby noch ein Happy End geben wird?
Â
Doch genau das gibt es nicht! Die Regisseure bleiben ihrer kompromisslosen Linie treu und die Gewaltorgie findet ihren Höhepunkt in der zu Anfang beschriebenen, gewaltsamen Entbindung des Babys, die die Mutter nicht überlebt. Auch wenn das Ende hart ist, so kann man den beiden Filmemachern nur zu ihrem Mut gratulieren, dieses Ende für ihren Film gewählt zu haben. Denn abgesehen von einigen US-Low-Budget-Produktionen sind es die Europäer, die konseqent diesen Schritt in ihren Erzählungen gehen und auf ein sentimentales Ende mit "Friede, Freude, Eierkuchen" verzichten.
Ansonsten ist "Inside" bis zum Ende hin durchaus spannend und überrascht mit einigen Wendungen, indem in das Geschehen nicht nur Sarahs Chefredakteur, sondern auch ihre Mutter und eine Polizeistreife platzen. Auch wenn sie alle recht schnell blutig aus dem Cast gemetztelt werden und lediglich dazu dienen, den Blutgehalt weiter ansteigen zu lassen, so sind diese Wendungen hinsichtlich Sarahs Zustand notwendig, denn es wäre unwahrscheinlich und unglaubwürdig, sie über die gesamte Laufzeit hin das Duell alleine bestreiten zu lassen.
Eine sehr gute Idee ist es, das ungeborene Baby immer wieder im Mutterleib zu zeigen. Vor allem nach einem Angriff gegen Sarah bekommt der Zuschauer einen Einblick auf den Zustand des Kindes in diesem Moment. Somit wird beim Zuschauer das Bedürfnis geweckt, Mutter und Kind beistehen zu wollen. Doch letzten Endes sind wir nur Zuschauer und können hoffen...
Trotzdem schleichen sich auch bei "Inside" einige gravierende Ungereimtheiten und Unwahrscheinlichkeiten ein:
Dass die Polizei in solchen Filmen nach den Gesetzen des Genre inkompetent dargestellt wird, dürfte jedem bekannt sein. Dass aber ein Polizist außerhalb des Hauses mehrere Schüsse hört, sich dann an einen Gefangenen kettet, um im Haus nach dem Rechten zu sehen, ohne vorher Verstärkung zu rufen - das ist eindeutig zu übertrieben!
 Vor allem im Verlauf des Finales nehmen die Schwächen immer weiter zu, nur um den Gore-Gehalt weiter auf die Spitze treiben zu können:
 Da wird Sarah mit einem Toaster niedergeschlagen und was macht ihre Gegnerin? Steckt sich in Seelenruhe eine Zigarette an und rein zufällig liegt in diesem Moment auf dem Boden der Küche eine Sprühdose mit entflammbarem Inhalt und ein Knopfdruck - schon steht Beatrice Dalles Gesicht in Flammen und sie ward für wenige Augenblicke nicht mehr gesehen.
 Doch der Zuschauer muss bei der Stange gehalten werden und wird Zeuge, wie sich Sarah aufgrund von Atemnot einen Luftröhrenschnitt legt. Die Idee wurde aus "SAW 5" entnommen, dass sich aber in der Küche wieder einmal rein zufällig Paketklebeband befindet, mit dem der Schnitt verschlossen wird, geht auf das Konto der beiden Drehbuchautoren. Warum Sarah Atembeschwerden hat bleibt allerdings offen. Im Laufe der Handlung gibt es keine Hinweise auf Asthma oder ähnliche Beschwerden.
Einige Minuten später gehen mit allen Beteiligten die Pferde durch:
 plötzlich springt ein Polizist, der überlebt hat, auf, rennt auf Sarah zu und greift sie an, die widerum den Polizisten für ihren toten Ehemann hält und ihn in Notwehr tötet.
Ansonsten stellt sich noch die Frage, welche Bedeutung zu Anfang die mysteriöse Krankenschwester hat, die Sarah in eine unsinnige Unterhaltung verstrickt, die keinerlei Bezug zur Handlung aufweist.
Insgesamt gesehen ist "Inside" ein durchaus gelungener Thriller mit überzeugenden Darstellern und sehr guten Effekten. Leider verlieren die Regisseure bei ihrem Vorhaben, den blutigsten Film Frankreichs drehen zu wollen, gegen Ende die Handlung etwas aus den Augen.
Trotzdem bleibt der Film spannend, dramatisch und unglaublich intensiv. Von Unterhaltungswert möchte ich aber angesichts der Geschehnisse im Film bewusst nicht sprechen.
7 von 10 Punkten.
 | "Surprise me!" BETA |
Zur Übersichtsseite des Films Liste aller lokalen Reviews von KillBill-75
Zurück
 |
 |
|