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Videodrome (1983)

Eine Kritik von McClane (Bewertung des Films: 6/10)
eingetragen am 11.08.2004, seitdem 1365 Mal gelesen


„Videodrome“ ist ein ganz interessanter Mix aus Bodyhorror und Medienkritik von David Cronenberg, aber in meinen Augen nicht unbedingt ein Meisterwerk.
Max Renn (James Woods) ist Produzent bei einem Fernsehsender und inzwischen auch der quasi leitende Angestellte. Er sucht nach neuen Sendungen, die vor Sex und Gewalt strotzen, um sie auf seinem Sender auszustrahlen, aber inzwischen empfindet er fast alles als zu soft. Schon zu Beginn zeichnet Cronenberg ein düsteres Bild der Entwicklung der Medien: Der Inhalt tritt immer mehr in den Hintergrund (Beiträge werden als zu kunstvoll abgelehnt) und nur noch Appelle an die ’basic instincts’ zählen.
Doch einer seiner Angestellten fängt Signale eines Piratensenders auf, der ein Videodrome genanntes Programm ausstrahlt. Dies entspricht Renns Vorstellungen von dem ultimativen Erlebnis für seine Zuschauer, denn hier werden ohne Handlung einfach nur Morde und Folterungen gezeigt. Selbst im Privatleben verschafft das Programm Renn neue Motivation. Hier setzt Cronenberg seine Kritik konsequent fort, denn kaum eine der Figuren protestiert gegen das menschenverachtende Konzept. Im Gegenteil: Die meisten sind fasziniert.

Doch nur mit viel technischem Geschick kann man das Signal länger als einige Sekunden auffangen. Renn will in seiner Faszination die Macher des Programms finden und die Rechte daran kaufen. Doch er muss bald erkennen, dass Videodrome Gefahren birgt – sogar körperliche, nicht nur psychische…
„Videodrome“ funktioniert vor allem auf seinen Sub-Ebenen: Die Kritik an der Medienwelt sowie die Cronenberg-typischen Anleihen bei Freud. Die Wirkung von Medien auf Menschen im Punkto Gewaltbereitschaft visualisiert Cronenberg sogar: Im Verlaufe der Handlung verwächst Renn sowohl mit einem Video als auch mit einer Pistole. Dabei ist die vorgezeichnete Entwicklung angesichts der heutigen Fernsehwelt mit immer skandalöseren Reality-Formaten gar nicht so abwegig.
Leider funktioniert die Haupthandlung nicht halb so gut wie die unterschwelligen Aspekte des Films. Anfangs fährt Cronenberg auf der klassischen Gruselschiene: Was hat sich Renn mit Videodrome bloß ins Haus geholt und ist es gefährlich? Sind die Macher Wahnsinnige und was wenn sie etwas über Renn herausfinden? Doch ehe hier genug Bedrohung aufgebaut wird, wandelt der Film sich in eine recht typische Untergrundrebellengeschichte mit medialem Hintergrund, in deren Verwicklungen Renn hineingerät. Leider ist dies wenig aufregend, sodass die Spannung insgesamt auf ein bestenfalls durchschnittliches Niveau kommt.

Aber auch wenn die Handlung etwas dünn ist, so gibt es doch, wie bei von Cronenberg nicht anders gewohnt, wenigstens was zu sehen. Denn auch hier haben sich die Effektmacher wieder wahnsinnig ins Zeug gelegt, um einige herrlich altmodische, handgemachte FX auf den Schirm zu zaubern, die wirklich top aussehen. Wie üblich geht es hier um die Auflösung des Körperlichen und die Verschmelzung von Maschinen und organischem Material.
James Woods spielt seine Rolle überzeugend und erweist sich wie so oft als sehr guter Schauspieler aus Hollywoods zweiter Reihe. Die restlichen Darsteller sind allesamt ziemlich unbekannt, machen aber einen soliden Job und bieten keinen Anlass zur Klage.

Die Medienkritik stimmt, die psychologische Dimension ist wie so oft bei Cronenberg da – doch leider schwächelt „Videodrome“ an der wenig aufregenden und mäßig spannenden Haupthandlung. Nett, aber kein Meisterwerk.


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