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Walkabout (1971)

Eine Kritik von c.funke (Bewertung des Films: 9/10)
eingetragen am 11.11.2011, seitdem 287 Mal gelesen


 Walkabout
(Pierrot Le Fou)

Nicolas Roeg! Ein Name, der jedem Cineasten sofort Bilder und Erinnerungen an intensive Filmerlebnisse wachruft. Trat der 1928 geborene Roeg erst als Kameramann bei Filmen von Regisseuren wie zum Beispiel Fred Zinnemann, Roger Corman, Richard Lester, David Lean oder John Schlesinger in Erscheinung, gelang ihm als Co-Regisseur des Filmes Performance mit Mick Jagger ein erster Erfolg als Regisseur. Doch direkt der nächste, und sein erster eigenverantwortlicher Film Walkabout aus dem Jahr 1971 sollte seinen Namen mit einer bestimmten visuellen Ästhetik verknüpfen, die seinerzeit wegweisend und bahnbrechend war (und auch heute noch ist!).

Die Geschichte handelt von einer heranwachsenden jungen Frau (Jenny Agutter - American Werewolf) und ihrem kleinen Bruder, welche im australischen Outback gestrandet sind, nachdem sich der Vater vor ihren Augen getötet hat. Auf ihrem Weg treffen sie einen Aborigine-Jungen, der sie mit auf seine Reise durch die Wüste, seinem Walkabout, nimmt. Dieser Initiationsritus zeigt den Geschwistern eine völlig neue, ihnen vorher unbekannte Lebenswelt mit ihren eigenen Gesetzen und Ritualen, welche die Beiden aber für den Rest ihres Lebens verändern werden. Die Möglichkeit, den jungen Aborigine bei seiner „Mann-Werdung“ zu begleiten führt zu Annäherungen, die jedoch für alle Beteiligten ernste Folgen hat.

Walkabout ist eine empfindsame, für den Zuschauer schwer fassbare Abhandlung über das Aufeinanderprallen zweier gegensätzlicher Kulturen und deren unterschiedliche Auffassungen des Lebens. Visuell bahnbrechend und berauschend kann man sich kaum dem magischen Sog der Bilder und Klängen entziehen, wobei die Geschichte dabei eher durch das Empfinden als durch den Intellekt verarbeitet wird.

Unglaubliche Bildkompositionen von Mensch und Natur, ästhetisch ausgefeilte Collagen unter Einsatz vieler extremer Nahaufnahmen, Zeitlupen und dem plötzlichen totalen Stillstand des Bildes für sekundenbruchteile (
Peckinpah nutzte diese Montagetechnik schon für die Eingangsszenen seines Meisterwerkes The Wild Bunch) lassen die Bilder im Gehirn des Betrachters verankern, so dass einem das Gesehene noch lange in Erinnerung bleiben wird.

Pierrot Le Fou veröffentlicht Roegs Klassiker in einer wundervollen, dem Film entsprechenden 3 Disc Special Edition. Der Hauptfilm ist hier sowohl als Blu-ray und DVD vorhanden im Director‘s Cut, die zweite DVD beinhaltet noch eine große Menge an interessantem Zusatzmaterial. So sind dort zum Beispiel die informative und spannende Dokumentation One Red Blood zu finden, ein längeres Interview so wie eine Diskussion mit Ethnologin Jessica de Largy-Healy und dem australischen Filmwissenschaftler Bernard Bories. Bild und Ton der Blu-ray sind für einen Film dieses Alters gut.

Walkabout ist ein berührender und ergreifender Film, der durch seine Summe an fantastischen und einfühlsamen Momenten auch nach 40 Jahren noch begeistert. Ein zeitloses Meisterwerk eines großartigen Regisseurs!

CFS


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