Daniel Plainview:
Hämmert im Nirgendwo mit seiner Spitzhacke auf den Fels, ringt ihm das begehrte Silber ab, bricht sich das Bein, kriecht mühsam zurück in die Zivilisation, heuert Männer an, um nach Öl zu bohren, verliert einen von ihnen und adoptiert dessen Sohn. Zu diesem Zeitpunkt ist „There Will Be Blood“ gerade mal eine Viertelstunde alt. Und hat uns schon in Plainviews Welt entführt. Ohne Dialoge, lediglich mittels Bildern und atonal dräuender Musik. Erinnerungen an Kubricks Menschheitsdämmerung werden wach. Worte sind nicht viele nötig in dieser urwüchsigen Welt, in der ausschließlich Taten zählen. Großes ist im Begriff, zu entstehen, man spürt es.
Daniel Plainview:
Ist Dreh- und Angelpunkt, Zentrum von Paul Thomas Andersons fünftem Kinofilm, der sich einen Ölbaron am Anfang des 20. Jahrhunderts zum Thema gemacht hat. Daniel-Day Lewis verkörpert diesen Mann mit einer Wucht, die äquivalent zur Regie ist. Das Misstrauen, die Lügen und die Wut der Figur werden von ihm praktisch gelebt und auf die Leinwand geatmet. Diese Beziehung, diese Symbiose zwischen Schauspiel und Inszenierung schwitzt schieren Gigantismus aus. Niederlagen und Rückschläge kann es, darf es nicht geben. Große Ansprüche, gegossen in bezwingende Bilder. Die aber als dermaßen starkes Alpha ein Omega benötigen, und so ist es geradezu ein Glücksfall zu nennen, dass der ursprünglich nur für die Rolle des Paul Sunday gecastete Paul Dano auch noch die Rolle des Bruders Eli übernahm. In dessen Haut als manischer Prediger geht Dano vollkommen auf, bietet dem monströsen Plainview die Stirn. Am Konflikt dieser Männer arbeitet sich der Film ab, bürdet ihnen geschichtliche, religiöse und gesellschaftliche Deutungsmöglichkeiten auf, ohne dabei selbstzweckhaft zu werden und seine Narration in Metaphern zu ertränken. Das Geschehen bleibt stets dynamisch und nachvollziehbar, raffinierte Zeitsprünge vervollständigen die epische Struktur. Es gilt ein ganzes Leben mit Plainview zu leben, zu leiden, zu hassen. Und Anderson schwingt dazu meisterhaft den Taktstock.
Daniel Plainview:
Läuft in einer Szene zu seinem heimkehrenden „Sohn“, den er kurz zuvor verstoßen hatte. Der Grund dafür bleibt uns dabei beständig vor Augen, die von der Kamera eingefangene Pipeline, welche gerade von seinen Männern verlegt wird. Für sie schlägt sein Herz, durch sie wird sein Lebenselixier pumpen, quer durchs Land, hin zum Meer. Seine Hingabe ans Öl, seine Gier nach Reichtum bewegt und formt die Welt um ihn herum. Sein Inneres bleibt unerschlossenes Ödland. Als er seinen Sohn erreicht, sind die beiden zu Punkten in der Mitte des Bildes, in der von der Pipeline begrenzten Landschaft geschrumpft. Gleichzeitig bleibt der Ton dennoch so nah wie möglich an den Menschen, wir hören Plainviews Atem, seine an den Jungen gerichteten Worte. Intime Familienszene, Illustration einer Passion, Sinnbild für die Entwicklung einer Gesellschaft; Alles in einem Bild. Deren gibt es in „There Will Be Blood“ noch unzählige mehr. Dieser Film will wirklich alles, alles zugleich. Und erreicht es auch.
Daniel Plainview:
Filmlegende.