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Dark City (1998)

Eine Kritik von Arminowitsch (Bewertung des Films: 10/10)
eingetragen am 05.08.2003, seitdem 1182 Mal gelesen


Einer der am meisten unterschätzten Filme

"Dark City" ist ein düsteres, philosophisches Märchen in origineller Noir-Kulisse. Irgendwo in einer gigantischen, dunklen Großstadt, angesiedelt zwischen Langs Metropolis, der Stadt aus "Blade Runner" und einem schillernden New York zwischen 1920 und 1950, da wacht John Murdoch in einem Hotelzimmer auf, mit einer grausam ermordeten Frau drin. War er das? Er weiß nichts, hat sein Gedächtnis verloren. Er muss fliehen, und so beginnt die wundersame Suche des Helden nach dem, was die Welt (eigentlich nur diese Stadt) im Innersten zusammenhält. Er stößt dabei auf einige düstere Gestalten, die scheinbar alles und jeden in der Stadt nach ihrem Belieben verändern können, was sie auch jede Nacht um punkt 12 Uhr für ein paar Minuten machen und die Zeit dafür anhalten. Der Zweck ist die Suche nach der menschlichen Seele, nach dem, was uns zu Menschen macht...

Langsam, ruhig und sehr noir beginnt der Film, eine abstrakte Zwischenform von Science-Fiction, Fantasy und viel Film Noir. Der Held scheint gar keiner zu sein, irrt von einer Location zur nächsten und ist den äußeren Mächten und der Geschichte voll ausgeliefert. Doch sein Antrieb ist gar faustisch, denn er will herausfinden, was hinter seiner Stadt steckt, in der es keinen Tag gibt und aus der man nicht entkommen kann. "Dark City" steigert sich dabei in eine tiefgreifende, dichte Atmosphäre hinein, voller Rätsel, Fragen und fantastischer Stilelemente, bleibt dabei aber weiterhin geradezu eine Hommage an den Noir-Stil und den filmischen Expressionismus. Existentielle Fragestellungen werden aufgeworfen, mythologische Ausmaße (z.B. die Bootsfahrt über den dunklen Kanal) nimmt der Plot an und reißt den gedankenversunkenen Zuschauer auf hintergründige Weise mit.

Auch Action und Effekte sind gut dosiert, aber nicht übermäßig und von erstaunlicher Qualität. Die Computeranimationen gliedern sich gut ein, wirken nie aufgesetzt und geben den gesunden Schuss Surrealismus in den Film hinein. Selbst das wirklich wuchtige, spektakuläre Finale ist kein plumper CG-Overkill sondern eine prächtige, symphonieartige visuelle Komposition, wo der Moloch von Dark City ordentlich toben darf (vgl. Metropolis).
Die Kulisse des gesamten Films ist künstlerisch wertvoll in Szene gesetzt, die Figuren werden weitgehend geschildert. Wobei die Protagonisten natürlich bewusst diese skizzenhaften ruhelosen Noir-Antihelden sind, während die mächtigen dunklen Mantel-und-Hut-Gestalten warscheinlich die stilvollste filmische Umsetzung ihrer Art sind.

"Dark City" ist wirklich eine viel zu unterschätzte Wucht an fantastischem Film mit tiefgehenden philosophischen Ansätzen, die sogar Proyas' anderes Meisterwerk "The Crow" stilistisch in den Schatten stellt. 10/10.


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