Was ist ein Nerd? Diese Frage ausreichend zu beantworten scheint nahezu unmöglich. Böse Zungen behaupten, es würde sich nicht lohnen einen Nerd zu töten, da er ja eh kein Leben hat. Gut diese These mag ein wenig arg weit hergeholt sein. Grob umschrieben lässt sich vielleicht sagen, dass ein Nerd nahezu sein ganzes Leben rund um eine bestimmte Sache drehen lässt, und dabei das in der Allgemeinheit als "normal angesehene Sozialleben" eher unzureichend bestreitet. Und vor allem in der Film- und Gamewelt sind da die meisten Typen dieser Gattung Mensch vertreten. Wenn jemand sich z. Bsp. tausende von DVDs und Blu-rays oder Computerspiele ins Zimmer stellt, jede freie Sekunde Zeit mit Filmen oder Spielen verbringt und dabei lange nicht gleich so viel Wert auf ne Lebenspartnerin oder Familie legt, zumindest wenn diese nicht auch völlig in dieser Richtung aufgehen, ja dann ist das durchaus ein Nerd! Und ja, auch ich möchte mich definitiv mit dazugesellen! Regisseur Kyle Newman hat sich nun den Nerds der Filmreihe angenommen, die wohl immer noch die Meisten dieser, ja nennen wir sie mal Freaks, anziehen, vor allem in Amerika: Star Wars. Herausgekommen ist dabei ein absolutes Fest für Star Wars-Fans, aber auch für jeden anderen, der sich als Nerd fühlt.
"Fanboys" erzählt die Geschichte von 5 Jugendlichen (4 Kerle und 1 Mädel), welche sich zur Villa von George Lucas aufmachen, um dort die sagenumwobene Erstkopie von "Episode I" zu stehlen. Einer von ihnen ist nämlich totkrank und es wäre ein Graus, wenn er den lang erwarteten Film nicht mehr zu Gesicht bekommen würde. Der Trip zum Imperium ist dabei jedoch verknüpft mit allerlei skurrilen Vorkommnissen, mehreren Zusammentreffen mit "Trekkies", die aus der Sicht eines Star Wars-Fans natürlich ordentlich auf die Fresse verdienen und vielem mehr. Eine juxreiche Odyssee beginnt... Gut, man muss es natürlich zugeben: wirklich viel her macht die Geschichte nicht. Wie in so vielen Roadmovies wird auch hier nicht viel wert gelegt, irgendwelche Neuheiten zu präsentieren oder alles wenigstens in einigermaßen passabel wirkenden Tüchern zu halten. Das Storygerüst ist grob gestrickt und die Charaktere auch nicht gerade die Tiefgründigsten. Doch Fuck, wir haben es hier mit einem absoluten Fanfilm zu tun, der vor allem Spaß machen soll und das sowohl Innenständigen als auch Außenständigen. Und jawoll, das schafft er!
Denn der Nerd lacht am liebsten über sich selbst. Kaum sonst jemand kann sich so beherzt auf den Arm nehmen lassen, wie eben jener, ohne dass er einem Böse wird. Denn der Nerd weiß, dass irgend etwas mit ihm nicht stimmen mag, er steht dazu und lebt eben diesen Tick voll und ganz aus. Da kann kein noch so böser Witz wehtun. Und so wirklich Böse ist Newman auch nicht, sogar ganz im Gegenteil. Eigentlich befördert er mit seiner unterschwelligen Psychoanalyse eine Nerd-Hommage zu Tage, die ein Kevin Smith kaum besser machen könnte. Die Jokes sind zwar durchgehend nicht von der Innovativsten Sorte, doch sie machen Spaß, Spaß und nochmals Spaß. Jeder Eigenart des Nerds wird, aufgrund der zwar durchaus oberflächlichen, aber dennoch über alle Maßen sympathischen Figuren, bestens durch den Kakao gezogen und das wirklich so, dass man sich geehrt fühlt, anstatt verletzt. Denn z. Bsp. das Wohnen in Mamas Garage, das eher als gering einzustufende Interesse an einer festen, zwischenmenschlichen Liebesbeziehung, zumindest im Vergleich zur beziehung zum Hobby, und eben die völlige Hingabe zu etwas, was andere vielleicht nur bedingt bzw. gar nicht interessiert, diese Sachen gehören einfach im Leben dieser Subkultur dazu. Natürlich passt dabei nicht alles zu jedem (das Wohnen bei Mama dürfte wohl unterm Strich doch nur in etwa jeden 10. betreffen ;-)) aber eine Identifikation mit den Figuren dürfte für jeden ähnlich Tickenden ein absolut Leichtes sein.
Aber nicht nur die Nerds an sich, auch die absolute Liebe zu der vielleicht besten Filmreihe aller Zeiten, wird hier ausgehend gehuldigt. Die Gags sind dabei von leicht erkennbaren Anspielungen, bis hin zu massig unterschwellig auftauchenden Referenzen durch die Bank weg mit allerlei Zeug gefüllt, welches den wahren Star Wars Fan zum grölen bringt, aber auch Star Wars-Unkundigen nicht ganz fremd wirkt. Denn so manches kennt man einfach und nicht wenig kann man auch durchaus auf andere Filme und dessen Fans münzen. Zumal auch viele andere 80er-Jahre Kultsachen (z. Bsp. Indy) ihre Verbeugung bekommen. Mit am besten stellt sich dabei noch der Running Gag dar, in denen vor allem Trekkies, die größten Konkurrenten, die Star Wars-Freaks je kennen gelernt haben, ihr Fett wegkriegen und das auch nicht gerade mit Samtpfoten. Aber auch das ist Fantum. Wird etwas von der Außenwelt als geradezu ebenbürtig angesehen, dann ist das natürlich ein Dorn im Auge der Fans und gehört massakriert. Und damit man uns aber nicht allzuböse ist, wird mit William Shatners Gastauftritt dann doch bewiesen, dass beide Welten irgendwo mit einander vereint werden können. Auch wenn unsere Welt und Religion natürlich dennoch die einzig Wahre bleibt und noch dann besteht, wenn die Trekkies bereits im Erdboden verschwunden sind! ;-)
Wo wir auch schon bei den Gastauftritten wären, welche ebenfalls durch die Bank weg gelungen sind, wenngleich der ein oder andere trotz allem etwas überflüssig erscheint. Shatners Auftritt ist dabei das absolute Highlight, aber wir haben natürlich auch Gäste aus der Star Wars-Galaxie dabei, als da wären Billy Dee Williams, Ray Park und vor allem Carrie Fischer, welche wirklich eine glänzende Minirolle aufs Parkett legt. Das Kevin Smith und Jason Mewes, die sicher größten und bekanntesten Nerds der modernen Filmgeschichte, dabei sind ist genauso klar, wenngleich sie, trotz Brüllergag, etwas unnötig erscheinen. Und Seth Rogen darf natürlich ebenfalls nicht fehlen, der einmal einen (wirklich) unterbelichteten Trekkie-Fan mimt und dann einen Star Wars-Freak, der eben jenem die Fresse poliert. Quasi als doppelte Trekkie-Flatsche ist er einfach nur sensationell gut.
Aber auch die Hauptdarsteller machen Spaß. Wenngleich Dan Fogler immer noch alles andere als ein guter Schauspieler ist, hier stellt er seinen Part, als durchgeknalltes Muttersöhnchen mit Hardrock im Blut und nur einem Ei in der Hose, bestens zur Schau. Dann Jay Baruchel als absoluter Obernerd, der Titten nicht einmal interessant findet, wenn sie ihm vor die Nase gehalten werden, aber am Ende doch als Romantischster aus der Sache herausgeht. Dazu Sam Huntington und Chris Marquette, vielleicht die "Normalsten" der Truppe, welche aber immer noch mehr als genug Nerd-Blut in den Adern haben, um als absolute Star Wars-Freaks quer durchs Land zu ziehen. Ein jeder bringt unheimlich viel Freude in die Sache rein und wer sich mit wirklich keinem von ihnen identifizieren kann, der sitzt definitiv im falschen Film. Und mit der hinreissenden Kristen Bell wird auch der weibliche Part des Fünfers bestens ausgefüllt, denn schließlich gibt es auch weibliche Nerds unter uns. Es sind (leider) nicht viele, aber es gibt sie. Und das beweißt Bell aufs aller trefflichste.
Fazit: Nicht nur ein wunderbares Road-Movie, eine witzige Komödie und ein netter Film über Freundschaften, sondern auch einer der mit Abstand besten Nerd-Filme überhaupt, welcher nicht von Kevin Smith gedreht wurde! Mit einer wunderbaren Leichtigkeit, die dennoch ordentlich gepfeffert wurde, wird der "Freak über alles" hier nicht nur durch den Kakao gezogen, sondern im gleichen Moment auch so geehrt, dass sich ein jeder Nerd wie im siebten Himmel fühlt, auch wenn er sich im gleichen Atemzug über all seine Macken und Stiche schief lacht. Mit den zahlenmäßig überlegenen "Star Wars"-Nerds wurde dabei die bestmögliche Gruppe dieser Subkultur ausgesucht, so dass neben den Figuren auch die Referenzen und Verneigungen zur Megafilmreihe nicht außen vor bleiben und ebenfalls für gute Lacher sorgen. Und wer Angst hat, dass die Geschichte auf die Tränendrüse drücken könnte, da es ja schließlich irgendwo auch um einen todkranken Jungen und seinen großen Traum geht, der sei hiermit entwarnt, denn dieser Part nimmt wirklich nur eine ganz kleine Rolle ein, die nicht weiter stört aber auch nicht aufgesetzt wirkt. Kurzum, kein Film für ein wirklich großes Publikum, doch wer sich schon immer irgendwie als Nerd gefühlt hat und dazu steht (und nur ein echter Nerd tut dies auch), und dann vielleicht noch Star Wars-Fan ist, der sollte sich diesen Film unter gar keinen Umständen entgehen lassen!
Wertung: 8/10 Punkte