TV-Serien aus Hollywood sind nun schon seit ziemlicher langer Zeit fast ein Garant dafür, ordentliche Fernsehunterhaltung abzuliefern. Man denke dabei nur an "Six Feet Under", "Sopranos, "24", "CSI" von A-Z und so weiter und so fort. Nicht selten behaupten böse Zungen, dass Hollywood in Sachen Serienunterhaltung die eigene Filmunterhaltung schon längst in Sachen Qualität überrumpelt hat. Und mit "Damages - Im Netz der Macht" haben wir es wieder einmal mit einem ganz großen Wurf zu tun, welcher leider hier in Deutschland, mal wieder, keine wirkliche Beachtung erhalten hat. Von K1 eigentlich auf einem recht akzeptablen Sendeplatz ausgestrahlt, wollte hierzulande fast keiner Glenn Close bei ihren intriganten Spielchen zuschauen. Dabei ist die Serie wirklich absolute Top-Ware!
"Damages" ist im Grunde endlich mal wieder eine Serie, die es schafft den Zuschauer von der ersten bis zur letzten Serienminute zu fesseln. Und dabei klingt der Inhalt auf den ersten Blick gar nicht einmal so umwerfend. Es geht um die junge Anwältin Ellen Parsons, welche bei Patty Hewes, ihrem Idol unter den Anwälten von New York City, eine Stellung bekommt. Gleich beim ersten Fall geht es um einen dicken Fisch. Eine Sammelklage von 5000 Geschädigten gegen den Firmenriesen Arthur Frobisher gilt es zu gewinnen. Doch Patty ist alles andere als eine "normale" Anwälte, denn um ihre Fälle zu gewinnen geht sie (manchmal sogar im wahrsten Sinne des Wortes) über Leichen und nichts ist so wie es zu Anfang scheint und niemanden, nicht einmal sich selbst, kann man trauen... Wie schon erwähnt, klingt die Story nicht gerade knackig, doch man sollte sich von der schlichten Oberfläche hier in keinster Weise täuschen lassen. Denn der Kern der Handlung strotzt nur so vor Genialität.
Das beginnt schon mit der Tatsache, dass "Damages" nicht nur aus einem Handlungsstrang besteht, sondern aus zweien, welche im Verlaufe der Geschichte immer mehr in einander verschmelzen. Dabei spielt der eine Strang in der Gegenwart und der Andere (zunächst) 6 Monate in der Zukunft. Und man fragt sich ständig, wie es zu den Handlungen und Tatsachen im Zukunfts-Strang gekommen ist, wo doch im Part der Gegenwart davon, über eine äußerst lange Zeit, nichts zu entdecken ist, was dazu auch nur im geringsten führen könnte. Und als sei dies noch nicht genug, wird auch diese Vorblende stetig weitergeführt, so das der Zuschauer quasi zweigleisig fährt und schon merklich in der Zukunftsblende voran getrieben wird, obwohl er in der Gegenwart noch nicht einmal annähernd dort angekommen ist, wo diese Blende zu Beginn eingesetzt hat. Auch wenn diese "Vorschau" im Endeffekt nur ca. 10% der gesamten Show ausmacht, so fühlt man sich doch davon unbändig gefesselt, ganz genauso wie bei der eigentlichen Handlung. Und wenn dann beide Stränge endlich in einander verschmelzen ist man überrascht, wie nahtlos und sauber dies nach all dem Gezeigten doch funktioniert. Das hätte man an so mancher Stelle schon gar nicht mehr für möglich gehalten!
Aber nicht nur die Clevernes hinter den beiden Handlungssträngen lässt die Serie auf Top-Positionen schielen auch die Gestaltung der Charaktere tut ihr übriges. Ja, wann es das letzte Mal solch derart ausgeklügelte Figuren in einer TV-Serie gegeben hat, ist schon gar nicht mehr auszumachen. Egal wen man hier auch immer nimmt, keine der Figuren geht auf Klischeetour oder wirkt in seiner Handlung unglaubwürdig. Sei es z. Bsp. Frobishers Anwalt Ray Fisk, der zwar auf den ersten Blick weich wirkt, es aber dennoch knallhart hinter den Ohren hat, nur um am Ende als Feigling darzustehen. Oder Frobisher selbst, ein Arschloch wie es im Buche steht, das einem zwar eigentlich zuwieder sein sollte, aber irgendwo dennoch sympathisch wirkt. Ellen Parsons, die junge Anwältin, welche sich vom schüchternen "Neuling" zu einem ähnlichen Biest wie ihre Chefin entwickelt und natürlich und vor allen anderen Patty Hewes himself. Zynisch, Intrigant und dabei von den Haarspitzen bis in die rechte Zehe so etwas von undurchschaubar und nicht vorhersehbar in ihrem tun, das einem manchmal glatt die Spuke wegbleibt, auf was für Ideen sie hier und da zu kommen mag. Patty ist definitiv einer der undurchdringlichsten Charaktere, die es in Film und TV, in letzter Zeit, gegeben hat.
Ebenfalls als sehr positiv aufzunehmen ist zudem die Tatsache, dass die Serie ihre Geschichte, zum Ende einer Staffel, immer recht sauber und glaubwürdig auf den Punkt und zum Abschluss bringt und nicht, wie so manch andere Serie, die eigentliche Lösung immer weiter herausschiebt. Zwar gibt es am Ende natürlich einen mörderischen Cliffhanger zu bestaunen, aber dieser zieht sich kaum auf das bisher Gesehene, sondern bereitet elegant eine neue Geschichte um Ellen und Patty vor. Sprich, man könnte nach einer Staffel auch ohne größeres "Blutvergiessen" austreten, wenn man es denn wöllte. Aber wer will das nach so einer Granate von Serie schon?
Denn nicht nur Inhaltlich kann das Gezeigte überzeugen, auch die Inszenierung drumherum kann sich sehen lassen. Da es sich um eine Anwaltsserie handelt, welche sich eher selten aus irgendwelchen Actionszenarien speisst, darf man dabei natürlich keine allzu großen Sprünge erwarten, doch man wird dem ganzen Inhalt mehr als nur gerecht. Visuelle Spielereien gibt es dabei allerdings in den angesprochenen Vorblenden, welche sich vor allen in der Farbgebung, sowie in der Qualität der Bilder an sich, merklich vom Hauptstrang unterscheiden. Aber auch dies ist merklich gelungen, passt diese triste Farbwiedergabe in die entsprechenden Szenen doch nur zu genau.
Abgerundet wird das Ganze dann noch von einer Riege an Darstellern, die hier vielleicht in ihren besten und glaubwürdigsten Darstellungen zu sehen sind, welche sie je abgelegt haben. Glenn Close ist ja schon öfters das personifizierte Böse in Menschengestalt gewesen, doch wie sie ihre Figur der knallharten und hinterhältigen Anwältin von sich gibt, ist einfach nur zum Applaudieren. Das sie dafür einen Golden Globe einstecken durfte bestätigt dies dabei noch zusätzlich und selten war er so sehr verdient wie hier. Aber auch Rose Byrne glänzt mit einer fabelhaften Leistung, genauso wie Ted Danson, der hier erstmalig zeigt, das er auch richtig fiese Rollen mit Bravour bewerkstelligen kann. Aber auch alle anderen Darsteller überzeugen vollkommen und hieven die Serie nun endgültig auf höchstes Niveau.
Fazit: "Damages" ist nichts anderes als die wohl beste TV-Serie aus dem Jahre 2007! Auch wenn die Story auf den ersten Blick etwas unspektakulär wirkt, so entfaltet die Show schon nach wenigen Minuten ein Suchtpotenzial, dem man sich nicht mehr entziehen kann. Unglaublich clevere Drehbücher, welche mit Innovationen, knackigen Wendungen und undurchdringbar wirkenden Netzen voller Macht, Intrige und Korruption nur so auftrumpfen können, umgesetzt in einer schweißtreibenden und megaspannenden Inszenierung, die einen bis zum Ende nicht mehr loslässt. Dazu geniale Schauspieler, die ihr Handwerk verstehen und eine Glaubwürdigkeit, die man, trotz all der irren Ideen hier und da, so dicht sicher nie erwartet hätte. Wer endlich mal wieder eine Serie sehen will, bei der er sich alle Folgen am liebsten sofort am Stück ansehen möchte, der ist hiermit jedenfalls allerbestens bedient. Da kann man nur hoffen, dass die kommenden Staffeln das Niveau halten werden!
Wertung: 9,5/10 Punkte