Die amüsanteste Pointe des Films "Dan in Real Life" ist sein Titel, denn eine weniger reale Geschichte wie die hier erzählte, ist nur schwer vorstellbar. Schon beim Anblick der zahlreichen Familienmitglieder, die sich wie jedes Jahr bei Mom (Dianne Wiest) und Dad (John Mahoney) für ein paar Tage einfinden, werden Erinnerungen an selige Zeiten der Fernsehunterhaltung wach.
Ähnlich wie bei den "Waltons" , die sogar während der finsteren Zeiten der amerikanischen Depression spielte, wird hier eine Rahmenhandlung idealisierter Familienherrlichkeit aufgebaut, in der man so richtig schön Probleme abhandeln kann. Tatsächliche, also "reale" Probleme bleiben aussen vor, denn natürlich wird hier weder die Ehe der Eltern, noch die liebevolle Beziehung der Geschwister plus Anhang untereinander in Frage gestellt, ganz abgesehen davon, dass Drogen, Arbeitslosigkeit, Krankheiten und Geldknappheit gar nicht erst existieren. Nicht ohne Grund waren Fernsehserien wie die "Waltons" große Erfolge, da man sicher sein konnte, dass zum Ende einer Folge die jeweiligen "Probleme" gelöst waren - wer mit dieser Erwartungshaltung an "Dan in Real Life" herangeht, macht nichts verkehrt.
Der Film bietet das komplette Sammelsurium beliebter Fernseh-Familienunterhaltung - kleine Kinder, die man nicht sehr schnell begeistern kann, heranwachsende Jugendliche, die eigene Interessen vertreten und ihre Eltern in Frage stellen, Geschwister Marke brav und bürgerlich, die einem vor Augen führen, dass man ein Loser ist, Geschwister Marke Womanizer und Draufgänger, die einem vor Augen führen, dass man ein Loser ist, Eltern, die es gut meinen und viel, viel gemeinsamer harmonischer Spass - kurz, es wäre nicht zum Aushalten, wenn Dan nicht von Steve Carell gespielt würde.
Er bleibt immer gelassen, übertreibt weder in Sprache noch Gestik, und wirkt mit dem ihm hier verschriebenen intellektuellen Anstrich sogar erfrischend innerhalb der sonst eher einfach (aber nicht primitiv) gestrickten Verwandtschaft. Nicht nur das macht ihn zum Aussenseiter innerhalb der Familie, sondern auch sein tragisches Schicksal, da er seine geliebte Ehefrau Suzanne vor vier Jahren durch einen Autounfall verloren hatte.
Vier Jahre müssen nach amerikanischem Selbstverständnis eine Ewigkeit sein, denn anders ist nicht zu erklären, warum alle auf ihm herumhacken, dass er sich bisher nur auf seine drei heranwachsenden Töchter konzentriert und sich nicht wieder aufs Neue verliebt hat. Natürlich wird es mit der Tragik nicht übertrieben - weder haben die grossen Töchter ein Problem damit, wenn Papa eine neue Stiefmutter ins Haus bringt (Trauer existiert bei ihnen auch nicht mehr), noch gibt es sonst irgendein Trauma zu beklagen (Unfall-Psychosen, Verlassensängste, Einsamkeit usw...). Dafür sind dann andere Film-Schmonzetten zuständig.
Doch der eigentliche Grund für die Verwicklungen liegt in der weiblichen Attraktivität der Marie (Juliette Binoche), denn als Dan mal kurz in die kleinstädtische Bibliothek fährt, lernt er die belesene und ebenfalls intellektuelle Frau kennen und verliebt sich sofort in sie. Ganz erfüllt von diesem Erlebnis, wird er zu Hause jäh in seinen Erzählungen gestoppt, als er erfährt, dass es sich bei Marie um die neue Flamme von Bruder Mitch (Dane Cook) handelt, die schon groß angekündigt wurde.
Im Grunde ein guter Plot, wenn nur nicht alles auf "Walton"-Niveau abliefe. Marie nimmt natürlich sämtliche Familienmitglieder sofort für sich ein, so bescheiden und gut gelaunt tritt sie hier auf. Vorsichtshalber lässt man sie auch nicht mit Mitch herumknutschen (ein gemeinsames Stretching ist der höchste Akt der Intimität), nicht mit ihm in einem Zimmer schlafen (strenges Gebot der Eltern) und konfrontiert damit den Zuschauer gar nicht erst mit der moralischen Irritation, daß eine Frau sich mit zwei Männern einlässt. Die Beziehung zwischen ihr und Mitch wird nie ausgelebt und so werden die verschiedenen Eifersüchteleien und Neckereien zwischen Dan und Marie schnell zum inhaltlichen Höhepunkt des Films.
Leider kranken diese Abläufe am fehlenden Esprit zwischen Dan und Marie, so dass auch ihre Techtelmechtel nie erotisch oder gar leidenschaftlich ausfallen. Dafür ist Dan's zweitälteste Tochter Cara (Brittany Robertson) zuständig, deren Begeisterung für einen hübschen, aber dennoch wohlerzogenen jungen Mann, zwar ihren Papa provozieren, aber in ihrer dauerhaften Betonung eher den Charakter von Hysterie annehmen. Erstaunlich nett und locker kommt dagegen Mitch rüber, über dessen fehlende Intellektualität gegenüber Marie sofort jeder Betrachter aufgeklärt wird, der aber gut zur Unterhaltung beiträgt - und zu einem der besten Witze des Films, wenn die Brüder das Lied über Ruth "Pigface" Draper anstimmen...(5/10).