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Robin Hood - König der Diebe (1991)

Eine Kritik von Blade Runner (Bewertung des Films: 9/10)
eingetragen am 02.01.2004, seitdem 2046 Mal gelesen


Eigentlich ist die letzte Verfilmung um „Robin Hood“ pure Berechnung nach Schema „Wie mache ich maximal Kohle“. Mit Kevin Costner wurde damals der angesagte Schauspieler für Blockbuster engagiert, das Script wurde von Ballast befreit und wandelte die eigentliche Geschichte leicht ab. Hinzu kommt eine ordentliche Portion Humor, ergänzt durch reichlich Action und fertig ist das Gebräu. Der Grund warum „König der Diebe“ das zur gleichen Zeit entstandene Konkurrenzprodukt „Ein Leben für Richard Löwenherz“ so locker in die Tasche steckt, ist seine leichtfüßige Inszenierung und die Spielfreude aller Akteure.

Beginnend in einem düster, schmutzigen, modrigen Verlies im Morgenland schafft es Robin von Locksley (Kevin Costner) nach jahrelanger Folter zusammen mit dem Mauren Azeem (Morgan Freeman) zu fliehen und schließlich seine Heimat zu erreichen. Doch nichts ist mehr so wie es war, die Ländereien seines, inzwischen ermordeten, Vaters sind enteignet und das Schloss abgebrannt. Von Wut beseelt kennt Robin nur noch ein Ziel: Rache.

Auf die Story selbst braucht nicht mehr groß eingegangen werden, sollte sie doch hinlänglich bekannt sein. Leicht variiert wurden die Bösewichte. Prinz John wurde hier entfernt, dafür darf der Sheriff von Nottingham (Alan Rickman, königlich!) nach dem Thron und nebenher noch nach fleischlichen Gelüsten in Person von Marian Dubois (Mary Elizabeth Mastrantonio, „Abyss“) trachten. Zusammen mit „The Crow“ - Bösewicht Michael Wincott wird das Land, wo es nur geht, terrorisiert und ausgesaugt. Ansonsten gibt es eben die korrupte Kirche, eine Hexe im Keller und etwas wahnwitzige Hellseherei.

Die Sets sind meist schön düster und schmutzig gehalten, so dass man sich durchaus wie im düsteren Mittelalter vorkommt, in dem die Schauspielerschar ein Fass nach dem anderen öffnet und eifrig abzufeiern. Da wäre zum einen Alan Rickman als schmieriger Lustmolch, der mit viel Sarkasmus versehen, allen die Schau stiehlt (Sagt Weihnachten ab…) und die genialsten Oneliner auf seiner Seite hat. Er kommt nicht nur bedrohlich rüber, sondern hangelt sich an der Grenze zum Overacting wie ein Kasper auf Speed durch den Film, dass es eine wahre Freude ist, ihn als Bösewicht in Aktion erleben zu dürfen. Ständig müssen irgendwelche Frauenkostüme in seine Gemächer gebracht werden, sollen die Armen noch stärker gequält werden und jagt ein Wutausbruch den nächsten.
Michael Wincott hat als sein Handlager zwar nicht so viel Glück, schlägt sich als Ergänzung jedoch allemal passabel.

Das ist bei Weitem jedoch nicht alles. Morgan Freeman darf als Fremdling die in den Film Einzug gehaltene Moderne symbolisieren. Durch einen Eid, eine noch zu begleichende Schuld, an Robin gekettet hat er nicht nur allerhand modernes Gerät im Gepäck, sondern bleibt auch stets der Klügste im Stoff, welcher sich durch nichts aus der Ruhe bringen lässt und final die Hexe zu besiegen hat („Der Schwarze Mann“, „Die Hexe“ bruhahaha…). Da wird munter Schwarzpulver gebastelt, ein Kaiserschnitt durchgeführt, aber auch mal durch die Reihen der Gegner gerodet.

Kevin Costner hält sich bei alledem praktisch zurück, hält die eine oder andere feurige Rede und ist schnell mit dem Flitzebogen, ist hier aber nicht der uneingeschränkte Star, der alle neben sich stehen lässt. Mary Elizabeth Mastrantonio ist als kämpferische Marian durchaus passend besetzt, verfällt mir am Ende aber zu sehr in ihren Kreischanfällen, während Christian Slater wider herrlich unsympathisch bleibt.

Die, ebenfalls mit viel Augenzwinkern versehene, Action (Man achte auf die Szene am Ende, in der Costner vor einer Statue verblüfft stehen bleibt *gg*) ist hier noch dankbar altmodisch inszeniert und kann mit einigen netten Kamerafahrten, sowie beeindruckenden Stunts aufwarten. Das neben der obligatorischen Stockklopperei, auch die ganzen Konfrontationen mit denen Soldaten des Sheriffs nicht zu kurz kommen sollte klar sein. Nett hierbei die immer wieder auftretenden Soldaten, mit immer verformteren Helmen. Krönung hierbei natürlich das Finale in Nottingham während der anstehenden Hochzeit mit Sean Connerys Cameo und Tucks Verabschiedung.

Fazit:
Es ist pures Mainstreamentertainment, aber so wie es auszusehen hat: Eine temporeiche Inszenierung, die perfekte Dosis Humor und Wortwitz, Akteure die mit Herz bei der Sache sind, sowie geballte Action. Frei von Klischees oder Durchhänger wurde hier die Krone ergriffen, ohne dass in nunmehr 13 Jahren auch nur eine weitere Verfilmung ansatzweise diese Qualität erreichte. Klasse Unterhaltung!


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