"I can't give you anything but Love, Baby !" erklingt es zu Beginn des Films und erweckt unmittelbare Assoziationen an den Swing und die turbulente Komödie "Bringing Up Baby" mit Katherine Hepburn und Cary Grant. Ein wenig später - Ende der 40er Jahre - ist "Married Life" zwar angesiedelt, aber als Richard Langley (Pierce Brosnan) seine persönlichen Beobachtungen zu der gelungenen Ehe seines besten Freundes Harry Allen (Chris Cooper) aus dem Off zum Besten gibt und dieser gleich in der ersten Szene erklärt, dass er sich von seiner Frau Pat (Patricia Clarkson) trennen will, glaubt man einen kurzen Moment, dass eine turbulente Komödie auf den Betrachter zukommt.
Zwar wirkt Chris Cooper wie gewohnt sehr ernst, aber als er seinem Freund die neue Angebetete Kay (Rachel McAdams) vorstellt, die er als besonders liebenswertes Geschöpf beschreibt, scheint die Handlung in Richtung Selbstbetrug zu kippen. Dieses blonde und viel jüngere "Gift" soll eine züchtige Hausfrau sein, die ihre Abende am liebsten bei einem guten Buch vor dem Kamin verbringt ? - Und den zwar wohlhabenden, aber braven Geschäftsmann und Grossvater Harry aufrichtig liebt ? - Verständlich ist dagegen Richards Reaktion, der als erfahrener Womanizer sofort begeistert ist, und sich vornimmt, die blonde Schönheit selbst zu erobern. Nur wenig später steht er mit einem Bündel Büchern vor ihrer Haustür und lässt seinen Charme spielen...
Wer trotz Chris Coopers tieftraurigen Augen bisher noch an eine Komödie glaubte, wird schnell eines besseren belehrt, denn von nun an steigt der Film mit grösster Ernsthaftigkeit in das Eheleben von Harry und Pat ein. Prinzipiell ein harmonisches Paar mit den üblichen langjährigen Abnutzungserscheinungen, fehlt Harry einfach die grosse Liebe. Diese Sehnsucht treibt ihn in Kays Arme und - wider erwarten - erweist sie sich als verantwortungsvolle, liebevolle Person, die es ernst mit Harry meint, und an der sich Freund Richard die Zähne ausbeisst. Dieser steht zudem noch unter erheblichem Zeitdruck, da ihm klar ist, dass seine Chancen endgültig vorbei sind, sobald Harry sich von seiner Frau getrennt hat und offiziell mit Kay zusammen sein kann.
Alles scheint sich in die Richtung eines Beziehungsdramas zu wandeln - bis Chris Cooper plötzlich den guten Anzug auszieht und seinen herb männlichen Charakter rauslässt, der lieber anpackt als diskutiert. Harry möchte seine Frau nicht verletzen und kommt auf den aus seiner Sicht einzigen Ausweg - er bringt sie gleich um. Und ehe man sich versieht, wird aus dem Drama ein Kriminalstück. Oder doch eine Komödie ? - Mit leicht dramatischen Anklängen ? - "Married Life" entzieht sich jeder üblichen Einordnung und wenn man als Betrachter eine Erwartungshaltung entwickelt, die sich an üblichen Mustern orientiert, ist man dem Film schon auf den Leim gegangen.
"Married Life" wird in ruhigem Tempo erzählt, ist so gediegen wie die schweren Stoffe, aus denen die Anzüge von Harry und Richard gemacht sind, scheint so ernsthaft die Verwicklungen zwischen den Protagonisten zu erzählen, dass es nicht auffällt, wie egoistisch und nur am eigenen Vergnügen interessiert, Jeder hier agiert. Dabei sind alle voll des Lobes für einander - der wunderbare beste Freund, die grossartige, sensible Ehefrau, die schöne und doch so bescheidene Geliebte - aber letztlich zeigt "Married Life" nur den Betrug aller Beteiligten, wenn auch in unterschiedlichen Gewichtungen. Und bleibt dabei immer seriös und gleichzeitig so perfide, dass sich alles in Wohlgefallen auflöst - wie bei jeder Komödie.
Nur das es dem Betrachter angesichts des harmonischen Miteinander zum Schluss regelrecht übel wird - "I can give you everything but Love, Baby!" (8/10)