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Michael Gondry ist einer der Meister des skurrilen Films der Gegenwart. Sein Drama-Sci-Fi-Streifen "Vergiss mein nicht", welcher definitiv zu den besten Filme der letzten Jahre gehört, ist z. Bsp. ein Fest an schrägen Fantasien und vollgestopft mit allerhand abgedrehten Ideen, welche aber dennoch zu Herzen gehen. Auch sein "Silence of Sleep" ist ganz in dieser Tradition. Nun allerdings hat sich Gondry dazu entschlossen, mal einen Gang zurück zu schalten und mit "Abgedreht" eher eine "normalere" Komödie zu drehen, die nicht mehr ganz so stark ins Ungewöhnliche greift. Das dabei die Skurrilität trotzdem nicht außen vor bleibt, versteht sich allerdings von selbst.

Mit "Abgedreht" zeigt uns Gondry dieses mal keine Liebesgeschichte, sondern eine schräge Geschichte aus dem Alltag ganz normaler Filmfreunde aus der Nachbarschaft. Es geht um den Videothekenangestellten Mike, der, zusammen mit seinem ständig bei ihm rumlungernden Kumpel Jerry, den Laden schmeißt, als dessen Besitzer aus geschäftlichen Gründen verreisen muss. Durch einen Unfall wird Jerry eines Tages elektrisch aufgeladen und löscht dadurch ungewollt alle Videokassetten der Videothek. Aus der Not heraus beschließen die Freunde deshalb die Streifen nachzudrehen und landen damit einen ungeahnten Megahit. Fortan müssen nun immer mehr Filme "dran glauben", doch schon bald sollen dunkle Wolken am Horizont aufziehen... Ohne Frage, die Geschichte ist von Anfang bis Ende schlichtweg nett. Sympathische Figuren, nette Einfälle und immer wieder blitzt die Liebe zum Medium Film spürbar durch. Auch wenn das ganze Treiben auf einem einfachen Niveau bleibt und nicht wirklich herausragt, so kann man die Geschichte durchaus gerne haben.

Auch wenn sie leider erst einmal eine ganze Weile braucht, um richtig in Fahrt zu kommen. Schon von Anfang an macht Gondry klar, dass er es nicht nur auf das zitieren von Filmen und dessen Verulkung im großflächigen Amateurstil abgesehen hat, sondern auch eine Geschichte erzählen will, welche sich über das Verhältnis zwischen Schwarz und Weiß und dem übermächtigen "Neuen", dass von allen Seiten auf das kleine zaghafte "Alte" und Liebgewonnene einströmt dreht. Dabei verheddert er sich aber in der ersten halben Stunde spürbar und lässt es Langezeit so gar nicht zu, den eigentlichen Sinn hinter der ganzen Sache zu erkennen. Man hat zeitweise sogar das Gefühl, dass man es eher mit einem Jack Black-Klamauk-Streifen zu tun bekommt, der in Kerben wie z. Bsp. "Nacho Libre" oder ähnlich Dürftigem zu schlagen droht.

Doch sobald sich die Freunde ans Werk machen geht es Bergauf! Was sich Gondry nämlich dann ausgedacht hat ist wirklich herzallerliebst, wenn auch so manch bissige Idee nicht ausbleibt. Das Karikieren von großen und bekannten Filmen auf möglichst kleiner Ebene ist teilweise sensationell gelungen. Vor allem der erste nachgedrehte Film "Ghostbusters" wird hier wirklich in einer derart wohlwollenden Form aufs Kreuz gelegt, dass man als Filmverliebter Zuschauer nur so seine Freude daran hat, wenn die Beiden wirklich alles versuchen, dem Streifen ein Denkmal aus Amateursicht zu setzen. Sowieso ist die Filmauswahl der verschunkelten Filme sehr gelungen. So gibt es nicht nur große und bekannte Streifen in Kleinformat zu sehen, auch so manche Gurke (z. Bsp. "Rush Hour 2") und so manch völlig unbekannter Film wird hier vorgeführt oder zumindest erwähnt. Durch alle möglichen Genres wurschelt sich Gondry hier so durch, wenn auch die großen und bekannten Filme natürlich die jenigen sind, die am meisten erwähnt werden. Und in der Art des Parodieren ist deutlich zu spüren, wie viel Liebe der Regisseur doch zu den Filmen haben muss, genauso wie er anscheinend auch fleißigen Amateurfilmern ein Denkmal setzten will. Alles in allem hat man als Filmfreak jedenfalls einen herrlichen Spaß vor sich.

Zum Ende hin besinnt sich der Streifen dann allerdings wieder auf seine Ausgangsposition, sprich der Geschichte um die Erhaltung der Videothek. Da die Urheberrechtsbehörde dem ganzen Spaß schon allzu bald ein Ende setzt, machen sich die Hobbyfilmer nun daran, einer Kultfigur, die in ihrem Viertel gehaust haben soll, zu frönen und somit vielleicht doch noch das Geld für die Sanierungen und das Herz der Behörden zu erlangen. Also wird flugs noch einmal ein Film gedreht, dieses mal aus der ganz eigenen Schmiede der Figuren. Auch wenn dabei die Gefahr aufflammt, noch einmal in die Bedeutungslosigkeit des Filmanfangs zu rutschen, so umschifft das Treiben diese im Endeffekt doch mit einem gelungenen Kniff, so dass auch der Schluss mehr als zufrieden stellt.

Was die Darsteller angeht hat man es ebenfalls deutlich mit Filmfreaks zu tun, wenngleich auch Hauptdarsteller Jack Black erst einmal etwas unbeholfen ist und in so manchen Momenten zudem Fehl am Platz wirkt. Vor allem in der ersten halben Stunde, in der er eher seinen typischen Albernheiten frönt, ist er gänzlich fehlbesetzt. Das bessert sich dann später zwar deutlich und vor allem zum Ende hin geht er ganz in seiner Rolle auf, dennoch ist er eben in vielen anderen Filmen schon wesentlich besser gewesen bzw. passten seine Albernheiten dort besser hin als hier. Als Überraschung erweist sich Mos Def, der Black völlig an die Wand spielt und Melonie Diaz, welche ebenfalls eine sehr gelungene Darbietung zur Schau stellt. Nett auch Danny Glover und Mia Farrow, wobei die Beiden auch schon deutlich besser waren.

Fazit: Wunderbar launische, teils extrem witzige Komödie von Filmfans für Filmfans, die aus einer, eigentlich eher als Nebensache angedachten Idee, eine teils äußerst gelungene Liebeserklärung auf das Filmemachen ansich darstellt, so schmal das Budget auch immer sein mag. Die eingestreuten Parodien auf die großen und kleinen, gelungenen und weniger gelungenen Filme dieser Welt (vor allem aus Hollywood), sind zum Teil herrlich abgedreht und können somit für einige wirkliche Lachanfälle gut sein, verbunden mit so manch nostalgischem Flashback. Auch wenn der Anfang ein wenig arg verkrampft ausgefallen ist, Jack Black bei weitem nicht in Höchstform ist und die eigentliche Hauptgeschichte drum herum auch nicht immer ganz passt, so darf sich jeder Filmfreak, der vielleicht schon einmal selber probiert hat einen Film (nach-) zu drehen, gerne auf diesen 100 Minütigen Spaß einlassen. Die Qualität der letzteren Gondrys erreicht "Abgedreht" aber leider nicht!

Wertung: 7/10 Punkte

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