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Beavis & Butt-Head machen's in Amerika (1996)
Eine Kritik von Vince (Bewertung des Films: 5/10) eingetragen am 28.03.2005, seitdem 202 Mal gelesen
In seiner erfolgreichen MTV-Clipshow "Beavis & Butt-Head übt Erschaffer Mike Judge ganz offensichtlich Kritik an der oberflächlichen „Generation Nothing“, wobei er die Schuld weniger auf deren Angehörige, als vielmehr auf die Mediengesellschaft und Popkultur abwälzt. Die 90er-Generation in ihrer Lustlosigkeit und Oberflächlichkeit ist das Frankenstein-Monster der kulturellen Entwicklung unserer Gesellschaft. Und wer schon damals die manipulative Plätte der plakativen Musikvideos und glänzenden Lichter der Medienwelt angeprangert hat, wird nach dem Jahrtausendwechsel entsetzt feststellen müssen, dass sich die Situation noch verschlimmert hat: Klingeltöne, Reality- und Ekelshows sind das neue Ebenbild der Zuschauerverdummung.
Bei mikroperspektivischer Betrachtung bietet Mike Judges Vollidioten-Duo dennoch einen immensen Unterhaltungswert, mit dessen Hilfe „Beavis & Butt-Head“ zum Kult geworden sind. Fast schon ist es ironisch, dass ausgerechnet die beiden Symbole der substanz- und perspektivlosen „Youth of the Nineties“ zum Idol einer neuen Generation geworden sind.
Wie dem auch sei, es ist kaum verwunderlich, dass im Kinofilm nun wirklich nicht mehr viel von der Gesellschafts- und Medienkritik übergeblieben ist. Die wurde nämlich zugunsten einer etwas seltsam konstruierten Roadmovie-Rahmenhandlung ausgespart. Mike Judge setzt nun voll auf die Marotten seiner TV-Junkies. Eine gewisse Kurzweil ist dabei auch nicht zu leugnen, wenngleich immer noch deutlich bleibt, dass die Verfilmung so überflüssig ist wie ein drittes Nasenloch.
Unverkennbar sind dabei die Parallelen zu den Problemen, die auch „Garfield – Der Film“ hatte. Im Film muss alles größer und aufwändiger sein als in der Serie; ein Abenteuer muss also her. Nur verträgt sich das nicht mit der Serienkonzeption, die stets auf Alltagssituationen abzielt und daher ihren Reiz bezieht. Der Problematik waren sich wohl auch die Macher bewusst, denn die Laufzeit beträgt nicht einmal 80 Minuten. Trotzdem führte kein Weg dran vorbei: Beavis & Butt-Head gehen in ihrer Kinopremiere auf Welttournee und verlassen damit den Rahmen, innerhalb dessen die Blödheit wirklich hintergründig wirkt.
Die Ausgangssituation ist noch recht logisch. Der Rahmen der TV-Serie wurde aufgebrochen, indem jemand den Fernseher von Beavis & Butt-Head geklaut hat. Wäre das nicht passiert, wieso sollten sie sich von ihrer Couch erheben und durch die Weltgeschichte wandern?
Dann greifen Judge & Co. - wie überraschend – auf das altbewährte Verwechslungsprinzip zurück. So, und hier gleich ein kleiner Hinweis. Ich bin zwar grundsätzlich Verfechter der deutschen Synchro, aber hier sollte man den Film nach Möglichkeit unbedingt auf englisch gucken. Denn sowohl der Filmtitel („Beavis & Butt-Head Do America“) als auch die komplette Verwechslungssituation beruhen auf der missverständlichen Interpretation des Wortes „Do“. Das sieht im Detail so aus: bei der Suche nach einem neuen Fernseher geraten unsere beiden Hauptdarsteller an einen Kriminellen, der seine Frau umbringen lassen will. „Do“ kann im Englischen nun mit „umbringen“ übersetzt werden, aber auch mit „es jemandem besorgen“ - je nach Kontext. Und als der Kriminelle sagt „I want you to do my wife“, meint er natürlich, dass sie seine Frau umbringen sollen; die beiden dauergeilen Vollspacken denken aber, sie sollen es mit ihr treiben und dann auch noch Geld dafür bekommen. Dieser elementare Handlungsaspekt geht in der deutschen Übersetzung jedoch vollkommen unter.
Um ihre Aufgabe zu erledigen, machen sich Beavis & Butt-Head also auf den Weg und bereisen ganz Amerika. Uninteressant ist das Ganze sicher nicht. Der eigenwillige Zeichenstil der TV-Serie hat hier Gelegenheit, sich weiterzuentwickeln. In Totalen werden oft sehr detaillierte Hintergründe gezeigt, und ein- oder zweimal werden auch ungewöhnliche Kamerafahrten verwendet (der Tanz im Casino). Außerdem hat der Film eine Traumsequenz zu bieten (ähnlich wie die in Eddie Murphys „Der verrückte Professor“) und ein surreales Wassermangel-Delirium – eine der wenigen Stellen, in denen Bezug genommen wird zur Optik eines Musikvideos.
Der Aufbau wirkt einerseits episodenhaft, weil Beavis & Butt-Head immer wieder in andere Situationen geraten und neue Menschen treffen, von dem Kriminellen über dessen Frau zu der Touristen-Oma bis hin zu Bill Clinton. Andererseits hält Judge den Handlungsverlauf durch diverse Schnitttechniken gut zusammen, so dass trotz der vielen Ausschweifungen, die sich vom Storygerüst wegbewegen, der eigentliche Erzählstrang nie aus dem Blickfeld gerät.
Zum Zuge kommen natürlich sämtliche Charakterzüge der Dummbratzen, die man in der TV-Serie liebgewonnen hatte. Allen voran dürfte Beavis' „Great Cornholio“-Performance mit über den Kopf gezogenem T-Shirt mitten durch das Weiße Haus die Fans begeistern. Aber auch sonst lässt man nix aus, wobei sich viele Witze leider als Rohrkrepierer erweisen. Dafür entschädigt die ein oder andere Filmanspielung, wie etwa der an „Shaft“ angelehnte Vorspann.
Geht man ohne Erwartungen an die Sache heran und verfügt vor allem über etwas B&B-Grundwissen, kann man sich mit „Beavis & Butt-Head Do America“ sicher ein schönes Stündchen machen. Optisch zumindest für Fans ansprechend, treiben Beavis & Butt-Head ihre Sex- und TV-Geilheit in eine unrealistische Größenordnung und halten ein ganzes Land mit ihrem belanglosen Blödsinn in Atem. Dass irgendwo auf der Reise der Anspruch verloren gegangen ist, war nicht anders zu erwarten. Ansehbar – zumindest auf englisch.
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