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Pornorama oder Die Bekenntnisse der mannstollen Näherin Rita Brauchts (2007)
Eine Kritik von Carbusters (Bewertung des Films: 2/10) eingetragen am 25.08.2008, seitdem 492 Mal gelesen
Wieder ein Film übers Filmemachen: Eines meiner Lieblingsgenres.
Ein Film ist nicht wegen seiner aufwendigen Ausstattung oder Ausleuchtung schlecht - doch je wichtiger diese Faktoren im Vergleich zu Drehbuch und Montage wurden, desto schlechter wird der Film.
So mag „Pornorama“ auf Nebenkriegsschauplätzen triumphieren (der Organisation zeitgenössischer Autos und Kostüme) - doch umso mehr schmerzt es, wenn Figuren und Milieu nicht ernst genommen werden, der Montagefluß versandet und das Buch abstirbt.
Ich müßte den Film noch einmal sehen, um auf alle Beispiele eingehen zu können, aber dazu ist er zu langsam, zu unüberlegt, zu langweilig, zu affektiert.
Es gibt unnötige Verzögerungen (Umbau am Set, Beispielfilme, Pfandhaus, New York).
Es gibt Ideen, die angeschnitten, aber nicht ausgeführt werden (z.B. die Diskussion „Es muß doch auch Polizisten geben“ wird verschenkt, weil die Vorzeige-Revolutionärin nicht widerspricht; das „Pinkeln-aufs-Kabel“ bleibt folgenlos für die Geschichte; die Konkurrenz durch „Birkenwälder in Schweden“ - steht vereinzelt und unreflektiert im luftleeren Raum). Mehr Tempo in anderen Szenen hätte dafür Zeit gegeben, doch mir schien, daß vor dem Drehen zu wenig konzipiert wurde und der Film am Schneidetisch gestreckt werden mußte.
Es gibt Bezüge aufs (Underground-) Filmemachen, die zu spät, zu flach oder gar nicht eingebaut werden, wie Eisensteins Montagetechnik, wie “Body Doubles“, wie die Verwendung von „Found Footage“, wie Improvisation, wie Nachsynchronisation - all das wurde in allgemein bekannten Filmen wie Tim Burtons „Ed Wood“ oder Franz Oz‘ „Bowfingers Große Nummer“ durchdekliniert und hätte Regisseur Marc Rothemund als Maßstab zur Verfügung gestanden - doch dagegen ist „Pornorama“ ein Rückschritt.
Umso peinlicher, als Rothemunds Film als Thema eine Jugend behandelt, die gegen überkommene Strukturen aufbegehrt, gegen „Opas Kino“ und gegen „Verklemmte Moral“. Rothemunds Geschichte geht sogar so weit, seinen Helden Benny sich auf die Seite der Revolutionäre schlagen zu lassen, während Rothemunds Machart geradezu „konterrevolutionär“ wirkt: Er hängt an der Oberfläche, vermeidet ideelle Auseinandersetzungen, montiert altväterlich betulich, zitiert Beziehungs- und Kriminellendarstellungen der 50er Jahre, macht nicht nur seine Revolutionäre spießig oder lächerlich (die Slogans, das Megaphon, das sofortige Aufgeben, „was für ein schöner Titel“), wie auch seine Polizisten (die Razzia) und seine Filmemacher (Mikrofon; fehlende Absprachen).
Keine dieser Gruppen nimmt er für voll, auch wenn die SchauspielerInnen gelegentlich tapfer dagegen rudern; doch gerade Hauptfigur Benny wird als begriffsstutziger Tölpel geführt/verschenkt. Und sogar der Hofer Festivalleiter Heinz Badewitz läßt sich für „Pornorama“ als tattriger Inkognito-Filmbesucher herabwürdigen. Ein Joke nur für Insider (die Badewitz und seinen Ausverkauf wahrscheinlich bemitleiden), der zu spät und unklar aufgelöst wird.
Was „Pornorama“ prinzipiell kennzeichnet: Die angestrebten Gags versacken wegen des schlechten Timings. Auch der Zuschauer fühlt sich nicht für voll genommen, wenn Gags endlos ausgedehnt werden (die erste Begegnung Luzie-Benny, der Umbau am Set, die Nacktheits- und Sprachprobleme, ) oder die Auflösung verzögert wird (Mikrofon, Nachsynchronisation, Badewitz, Pinkeln, Razzia). Durchgehend sorgen zu langsame Umschnitte und zu späte Gegenschnitte für retardierende Momente; die Geschichte an sich ist so wenig fesselnd oder neu, daß alles von Gags, Timing und Charakteren abhängt. Aber die werden verschenkt, verzögert und nicht ernst genommen. Und so bleibt dann nichts mehr übrig.
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