Als Haneke im Jahre 1997 seinen sozialkritischen Film "Funny Games" herausbrachte und damit die Sehgewohnheiten der Menschen in Frage stellte, vor allem im Bezug auf den Gewaltkonsum, lief dieser quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit, zumindest außerhalb vom Ursprungsland Österreich. Erst die VHS-Veröffentlichung, sowie die TV-Ausstrahlungen auf Tele 5, brachten ihm den Ruhm, den er verdient hat. Denn Hanekes Experiment ist mehr als gelungen und lässt selbst den abgebrühtesten Filmfreak, dem Gewalt und Grauen im Medium Film kaum noch bewusst sind, tief im Sessel zusammensinken und seine Sehgewohnheiten hinterfragen. Das Hauptpublikum für solche Streifen, Amerika, erreichte "Funny Games" allerdings nie, da fremdsprachige Filme selten dort auf großen Anklang stoßen. Aus diesem Grund, so gibt Haneke zumindest an, drehte der Regisseur seinen Film nun noch einmal punktgetreu neu und besetzte diesen nur mit englischsprachigen Schauspielern neu. Alles andere blieb gleich. Herausgekommen ist dabei ein Film, der der Wirkung des Originals in kaum etwas nachstehen dürfte, allerdings nur sofern man dieses nicht kennt.
Denn es ist wahr. Hanekes Film ist wirklich das geworden, was die Internetgerüchteküche schon längst wusste. Eine 1:1-Kopie des 97er-Originals. Schon wie bei den Remakes zu "Das Omen" oder "Psycho" wurde das Original auch hier wirklich ohne auch nur eine einzige wirkliche Neuigkeit neu verfilmt, alles sieht so aus, als würde der Klassiker in einen amerikanischen Spiegel schauen. Doch wo diese Entscheidung bei den gerade genannten Horror-Remakes schon das absolute "No-Go" bedeutete, ist es bei "Funny Games" quasi Fluch und Segen zugleich. Doch erst einmal zur Story, welche allgemein bekannt sein dürfte. Eine Familie, bestehend aus Vater, Mutter und Sohnemann, ist gerade auf ihrem Feriendomizil angekommen, als ein nett wirkender junger Mann nach ein paar Eiern fragt. Diese harmlos wirkende Frage, entpuppt sich schon bald als der Anfang einer grauenerregenden Tour-de-Force für die Familie, denn der junge Mann ist, genau wie sein dazukommender Freund, alles andere als nett und tyrannisiert die Familie. Bis es zu einer eiskalten Wette der zwei Männer gegen die Familie kommt...
Wie schon erwähnt, ist das Treiben wirklich 1:1 dem Original entsprungen, was aber dennoch aus zwei unterschiedlichen Blickwinkeln betrachten werden muss. Zum einen aus dem Blickwinkel derer, die das Original kennen und schätzen. Denn aus dieser Sicht (welche auch meine persönliche Sicht widerspiegelt) gibt es eigentlich keinerlei Gründe für die Existenz bzw. das Betrachten dieses Films. Man ist eigentlich nur ständig auf der Suche nach Änderungen, nur um zu erkennen, dass es wirklich kaum welche gibt. Und wenn, dann sind sie wirklich unbedeutend, sowie z. Bsp. das Verpacken der Eier, welche hier in eine Eierverpackung gelegt werden, während sie im Original z. Bsp. in Papier eingewickelt wurden. Nein, es gibt wirklich keine Gründe, diesen Film dem Original vorzuziehen. Denn vom Ankommen am Wohnort bis zum finalen Anfang erneuter Tyrannei an einer anderen Familie, ist wirklich alles vorhanden, was man schon kennt und es ist nichts da, was es neu zu entdecken gibt. Selbst was die Musikuntermalung angeht, wurde wirklich punktgenaue Arbeit betrieben.
Und genau das ist es dann auch, was den Film für Neulinge dennoch sehr interessant machen kann. Denn wer das Original kennt der weiß, wie grenzgenial und wirksam Haneke seine Message auf den Zuschauer herüber zu bringen vermag und lässt niemanden damit kalt zurück. Und weil eben diese Wirkung so punktgenau übertragen wurde, hat auch das Remake alle Möglichkeiten sein Publikum zu schocken und es wie einen begossenen Pudel zurück zu lassen. Vor allem Hanekes Mut, seinen Film von damals, auch bei der Amerikanisierung der Geschichte, in keinster Weise wie einen Hollywood-Streifen aussehen zu lassen, gebührt höchstes Lob. Daher ist es auch eigentlich kein Wunder, dass der Film in Amerika, trotz Darsteller die in der Landessprache sprechen, keine wirklichen Chancen hatte. Denn Happy End und glattgebügelte Szenarien gibt es hier nun einmal nicht. Dafür Figuren die zum Publikum sprechen und es in ihren eigenen Gelüsten nach dem, was es wohl auf der Leinwand erwartet, zu überführen. Gebe es den Ösi-Film nicht, "Funny Games U.S." hätte das Zeug ebensolche Ehrungen zu verdienen, wie eben "Funny Games".
Einzig und allein die Darsteller müssen hinter denen des Originals zurückbleiben. Und damit ist nicht gemeint, dass sie irgendwie schlecht agieren würden. Nein, ganz im Gegenteil! Egal ob man da Naomi Watts, Tim Roth oder auch die beiden Bösewichter Brady Corbet und Michael Pitt nimmt, jeder von ihnen stellt seine jeweilige Figur mit Bravour zur Schau. Doch wenn man sich dagegen die Leistungen von Ullrich Mühe, Susanne Lothar und vor allem Arno Frisch ansieht, merkt man, dass es den US-Darstellern irgendwie dennoch an dem gewissen Quäntchen Intensität fehlt, welches ihre Vorgänger so einmalig machte. Und der österreichische Dialekt, sowie der Zynismus in Fritschs Stimme, fehlt einem hier auch spürbar. Gerade dieser machte ihn, in Zusammenhang mit seinem Spiel gesehen, so furchterregend. Aber nun gut!
Fazit: Sinnvoll oder Sinnlos, diese Frage lässt sich nach Sichtung des Remakes immer noch nicht abschließend beantworten. Bei jemanden der das Original nicht kennt, hat "Funny Games U.S." durchaus die Chance ähnliche Wirkungen und Empfindungen hervor zu rufen, wie damals das Original bei jenem Publikum. Dafür hat Haneke die Amerikanisierung doch bewusst auf einem derart niedrigen Level gehalten, dass der Film alles andere als ein typischer US-Streifen geworden ist. Kenner des 1997er-Streifens allerdings werden nicht wirklich schlau bei der Frage, was das Ganze eigentlich soll, denn das Kernpublikum, nämlich den Durchschnitts-Amerikaner an sich, dürfte man auch hiermit nicht erreichen und für alle anderen ist "Funny Games", aufgrund der intensiven Darstellung von Mühe, Fritsch und Co., trotz aller positiven Merkmale dieses Remakes, dennoch vorzuziehen. Wahrscheinlich wahr es doch nur die Kohle, welche Haneke hier antrieb, oder?
Wertung: 6,5/10 Punkte