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Waisenhaus, Das (2007)
Eine Kritik von floair (Bewertung des Films: 7/10) eingetragen am 05.01.2012, seitdem 101 Mal gelesen
Mit Preisen überschüttet, von den Krtikern hochgelobt und auch noch der zweiterfolgreichste Film Spaniens. Juan Antonio Bayona konnte mit seinem Debüt und bis heute auch einzigen Film einen Hit landen, der sich fernab des üblichen Geisterhorrors, oder diverser Folterfilme bewegt. Wirklich schön zu sehen, dass es auch noch ohne jegliche Effekthascherei gelingt Spannung zu erzeugen, auch wenn im gleichen Atemzug ebenfalls altmodische Genrevertreter wie "The Others" oder "Schloss des Schreckens" genannt werden, welche eben jene Mittel einsetzten, aber auch eine etwas ausgefeiltere Story boten.
Laura (Belén Rueda) wuchs in einem Waisenhaus auf, mit ihrem Mann Carlos (Fernando Cayo) und Sohn Simón (Roger Princep) will sie jenes nun in eine Betreungsstätte für behinderte Kinder umfunktionieren. Doch Simón benimmt sich zunehmend seltsam, besonders was seine imaginären Freunde angeht. Am Tag der Einweihungsfeier verschwindet Simón spurlos, jegliche Suchaktion bleibt ohne Erfolg. Doch Laura ist sich sicher, dass ihr Sohn noch lebt und seine unsichtbaren Freunde für das Verschwinden verantwortlich sind. Nach und nach deckt sie die schreckliche Wahrheit auf, denn kurz nach ihrer Adoption damals gab es eine Tragödie.
Allein schon aufgrund seiner altmodischen Optik erinnert "Das Waisenhaus" an frühere Gruselklassiker. Ein großes Haus, abgelegen von der Zivilisation, ein schöner Sandstrand mit Höhle, die bei Flut zur Todesfalle wird und ein alter Leuchtturm, der heute nicht mehr funktioniert. Bayona gelingt es diesem idyllischen Anglitz eine zunehmend bedrohliche Seite abzugewinnen und das mit den ältesten Mitteln der Spannungserzeugung. Hierzu gehört ein unheimlicher, jedoch nicht zu aufdringlicher Score, nebst knarzenden Geräuschen, Türen oder Fenster die wie von Geisterhand auf und zu gehen. Das Ganze in Kombination mit einer interessante Geschichte, die "Das Waisenhaus" auch zu bieten hat. Besonders die Tatsache, dass man in der ersten Filmhälfte kaum Hinweise hat und sich nicht mal ansatzweise denken kann, was mit Simón passiert ist. Allerdings hat die Story auch kleinere Macken, beispielsweise was es mit dem Muschelweg auf sich hat, oder das nicht ganz nachvollziehbare Verhalten der alten Sozialarbeiterin. Und überhaupt entfaltet sich der Film extrem langsam, lässt dem Zuschauer so auch genügend Raum für eigene Theorien und besonders die Überschneidung von Realität und Fiktion ist Bayona bestens gelungen.
Sind hier tatsächlich Geister am Werk, oder bildet sich Laura das Ganze nur ein? Dabei weiß die Seance mit dem Medium Aurora (Geraldine Chaplin) nicht so ganz zu überzeugen, wenn auch spannend gemacht. Natürlich gibt es auch noch eine tragische Geschichte, die bis in Lauras Kindheit zurückreicht und sich vielleicht nun zu rächen droht? Echte Überraschungen hat "Das Waisenhaus" nur selten zu bieten, diverse Schocks leider gar nicht, aber die sparsam gesetzten Spannungspitzen sind Bayona gelungen, auch wenn man sich davon mehr wünschen würde. Die Auflösung der Geschichte dürfte nicht jedermanns Sache sein, da einerseits verblüffend und grausam, andererseits auch einfach und uneffektiv.
Aber Belén Rueda (Das Meer in mir, Wilde Unschuld) hat ihre Rolle gut im Griff und spielt die verängstigte Mutter sehr überzeugend. Besonders wenn ihre Figur Realität und Fiktion nicht mehr auseinander halten kann. Die restlichen Charaktere spielen eine eher untergeordnete Rolle und sind nur Mittel zum Zweck. Ob die late Frau welche sich als Sozialarbeitern ausgibt, die Polizistin Pilar (Mabel Rivera) oder das Medium Aurora, leider neigt der Film dazu seine Figuren gerne fallen zu lassen.
Völlig ohne Blut oder sonstige Effekte kann Bayona hier Gänsehaut verursachen, die auch durch die Unwissenheit des Zuschauers geschürt wird. Die Story bildet dabei eine gute Basis, bietet aber kaum Überraschungen, auch ein Knaller im Finale bleibt aus. Dennoch verschwimmt die Grenze zwischen Fiktion und Realität und die weibliche Hauptdarstellerin macht ihre Sache gut. Ein paar Ungereihmtheiten, sowie das abrupte Fallenlassen diverser Figuren ist da zu verschmerzen.
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