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Saw IV (2007)

Eine Kritik von Dekar (Bewertung des Films: 7/10)
eingetragen am 07.02.2008, seitdem 584 Mal gelesen


Warum? Warum nur schaut man sich die Fortsetzung eines absolut desolaten Filmes an? Etwa um sich erneut in Grund und Boden zu ärgern, weil irgendwelche goldgierigen Futzies aus einem sehr interessanten Film eine längst überholte Serie schufen? Eventuell aber auch, weil man einfach das Bedürfnis hat, mal wieder richtig Dampf abzulassen, in Form einer schriftlichen Kritik vielleicht. Oder doch, weil man irgendwo den Hauch von Hoffnung auf eine positive Überraschung verspürt? Bei "SAW 4" kommen also einige Gründe zusammen das Ticket zu lösen.

Soweit so gut, die Story erstmal ist sicherlich kein Grund dafür. Jigsaws Spiele wollen einfach nicht enden, erst Recht nicht, jetzt wo Detective Hoffman eines der berühmten Tonbänder gefunden hat. Lauthals wird angekündigt, dass die Spiele erst jetzt beginnen und nur wenig später steht SWAT Commander Rigg vor der Aufgabe zwei Arbeitskollegen zu retten.
Das klingt meines Erachtens nach nicht wirklich nach einer Offenbarung und hat durchaus gewisse Analogien zu der diskutablen Ausgangssituation von "SAW 3". Kann das gut gehen?

Regisseur und mittlerweile SAW-Haudegen Darren Lynn Bousman zeigt in seinem neuesten Werk zumindest schonmal wie es besser gehen kann. Trotz der vielen unübersehbaren Parallelen zaubert er im Vergleich zum Vorgänger mit diesem Film schon fast ein Meisterwerk auf die Leinwand.
Das fängt schon damit an, dass er sich die obligatorische Falle zu Beginn einfach mal schenkt und stattdessen die beste Einleitung seit "SAW" liefert. Wenn das erste Tonband gefunden wird und angekündigt wird, dass die Spiele erst jetzt beginnen, dann ist das ein glorreicher Moment im Herzen eines jeden SAW-Fans der ersten Stunde.
Im weiteren Verlauf bleibt Bousman dem bekannten Schema treu. Hier und da eine verdammt raffinierte Falle und dann wieder der Wechsel zu Polizei, FBI, was auch immer. Diese Wechsel gelingen ihm in der Regel gewohnt gut, erinnern stellenweise auch an die durchaus starken Szenen des zweiten Filmes, treten mit der Zeit aber eindeutig zu häufig auf, wodurch der Film, mit seinen zahlreichen Schauplatzwechseln, deutlich die Überschaubarkeit verliert.
Als nicht gerade förderlich in dieser Hinsicht stellen sich insbesondere auch die krampfhaft installierten Verbindungen zu den Vorgängerfilmen heraus. Mit allen Mitteln wird hier versucht sämtliche Charaktere aus allen bisherigen Filmen irgendwie hineinzustopfen, ob tot oder lebendig. Spätestens im Finale raubt das dem Zuschauer dann doch die Nerven.

Kurioserweise hat mich das allerdings nur wenig gestört, denn ein Großteil der von mir scharf kritisierten Mäkel des direkten Vorgängers wurden hier, auf eine einfache und effektive Art und Weise, beseitigt.
Das fängt mit den Hauptdarstellern an, allen voran Tobin Bell, der als Jigsaw hier wirklich noch mal richtig auftrumpft und seine bescheurte Rolle im dritten Teil leicht vergessen macht. Sein dominantes Auftreten ist in einem Horrorfilm beinahe einzigartig und hier zeigt er es u.a. seinem allerersten Opfer so richtig. Die Menschlichkeit, die er in diesem Film hinzugewinnt, beraubt ihm seinem Mysterium, bereichert aber seinen Charakter.
Überraschend, nicht nur weil verdammt gut, auch Betsy Russell als Jigsaws Ex-Frau. Der Charakter ist sehr interessant, lässt viel Spielraum für Spekulationen und die Gute stellt sich einem polizeilichen Verhör, was mir unter der Regie von Bousman bereits einmal gut gefiel.
Ganz wichtig außerdem Lyriq Bent als Rigg, der Analogie zu Jeff aus dem dritten Teil. Ganz anders als bei seinem Schauspielkollegen Angus Macfadyen funktioniert der Part hier einwandfrei. Bent wirkt in jeder einzelnen Szene glaubhafter und entwickelt sich sogar zu einer Sympathieperson. Das hebt den vierten Teil in meinen Augen meilenweit vom schwachen Dritten ab.

Auch die Opfer haben glücklicherweise wieder einigermaßen Profil. Wo im Vorgänger Personen herhalten mussten, die mit dem Tötungsschema Jigsaws rein gar nichts zu tun hatten, sind es hier immerhin größtenteils Verbrecher, was die Sache zumindest teilweise erklärt. Gut, den "Das-Leben-schätzen-Kram" muss man sich oftmals dazu denken, aber wenn man sich ein bisschen anstrengt, dann funktioniert das auch wieder, im Vorgänger habe ich das nicht gekonnt, was für mich eigentlich bereits das Ende der Filmreihe bedeutete.
Vielleicht haben die Macher das tatsächlich auch eingesehen und kurzerhand die Fallen umkonzipiert. Keine Riesenapparate mehr, stattdessen glücklicherweise wieder die eher handelsüblichen Kleinmechanismen, die allerdings mindestens genauso effektiv sind. Insbesondere die Duofallen, in denen zwei Personen gleichzeitig verstrickt sind, haben einen gewissen Reiz, wenn man auch hier wieder das gewisse Faible für Sadismus mitbringen sollte.
Am Gewaltgrad hat sich nicht viel verändert, es ist aber im Vergleich zum direkten Vorgänger keineswegs härter geworden (Anmerkung: Ich vergleiche beide Kinoversionen). Dafür ist der Geschmacklosigkeitspegel auch gesunken, glücklicherweise keine Schweinebrühe und Hirnmatsche mehr, pfui Teufel!

Das auffälligste Manko hier dürfte das enttäuschende Finale sein, vielleicht auch weil da die größten Erwartungen stecken. Der vermeintliche Twist bleibt nicht aus, muss sich aber im Vergleich zu allen anderen Teilen ganz klein machen und am besten verstecken.
Eigentlich sehr schade, aber ich verzeihe diesen Totalausfall sehr gerne, denn der Rest hat mich wirklich wieder überzeugt und lässt mich den dritten Film vielleicht schon bald gänzlich vergessen. Der geschätzt realistische Sound, die in der Regel blutigen und auch sehr guten Effekte und schließlich die Inszenierung von SAW-Veteran Darren Lynn Bousman stehen also doch für gute, wenn auch sehr makabere Horror-Thriller-Kost.
Also gebt dem guten Mann gefälligst ein anständiges Drehbuch inklusive gescheitem Cast und dann wird auch SAW 5 sicherlich wieder überzeugen können.


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