Er ist nicht tot zu kriegen, obwohl er schon längst im Arsch ist: Jigsaw. Nachdem er in Teil 1 zwei Männer auf einer dreckigen Toilette gegenüber an die Wand kette und perfide Spiele mit ihnen trieb, in Teil 2 ein ganzes Haus voller Menschen terrorisierte, nebst Cop Donnie Wahlberg, und im dritten Teil, um sein Leben ringend, eine Krankenschwester und dessen Mann in den Wahnsinn trieb, ist er hier nun endgültig tot aber noch längst nicht Geschichte. Denn mit Teil IV fangen die Spiele erst an, so eine Aussage im Film. Und fürwahr, auch tot ist Jigsaw nicht klein zu kriegen und spielt seine perversen Spielchen mit den Leuten, während er sich wohl nur noch vom Himmel (oder aus der Hölle?) aus daran ergötzen kann. Der Zuschauer hingen spürt allerdings eher eine gewisse Müdigkeit, wenn er vielleicht auch besser unterhalten wird, wie zunächst angenommen.
Der neue Sawfilm schließt wieder einmal genau da an, wo der Letzte aufgehört hat. Jigsaw ist also nun endgültig tot, doch während seiner Obduktion findet man eine Kassette in seinem Magen, auf der Jigsaw neue grausame Spielchen ankündigt. Unter anderem spielt er diese Spielchen mit Officer Rigg, dem Partner von Detective Mathews, welcher im zweiten Teil von Jigsaw entführt wurde und hier nun an Ketten gefesselt auf einem Eisblock steht. Officer Rigg wird von Jigsaw ein Spielchen auferlegt, welches mit der unmittelbaren Rettung Mathews zusammenhängt. Nebenbei verhört man Jigsaws Ex-Frau und die Frage, wer diesesmal die Fäden zieht, muss auch noch geklärt werden... Ohne Frage, auch die Story zu diesem Film zieht sich wieder genauso auf, wie die Vorgänger. Sprich es werden ein paar geschickte Wendungen eingeworfen, die Vorgeschichte wird durchleuchtet und verschiedene Opfer müssen sich wieder durch Jigsaws Todesspiele kämpfen. Innovationen sind also auch hier wieder fehl am Platze, wenn auch man erneut festellen muss, dass sich das Treiben an sich recht nahtlos an Vorgänger anschmiegt und das Vorantreiben der Handlung auch hier nicht unbedingt unclever wirkt. Aber so bombig wie beim ersten Teil wird es natürlich dennoch nicht.
Und das liegt vor allem daran, dass einem die Figuren dieses mal egaler sind, als in allen Teilen zuvor. Während man im Original noch richtig mit den Charakteren mit fiebern konnte und man auch in Teil 2 und 3 noch einigermaßen mit Wohlwollen die Figurenentwicklung betrachtete, so geht sie einem dieses mal doch relativ gepflegt am Hintern vorbei. Egal ob Detective Hoffmann, Officer Riggs, Jigs Ex-Frau oder Agent Strahm, die (relativ) neuen Figuen im Film können allesamt nicht überzeugen. Zu sehr hat man ihre Zeichnung hier vernachlässigt und eine wirkliche Bezugsperson kann der Zuschauer auch nicht ausmachen.
Da kann man Jigsaws Entwicklung schon eher als gelungen bezeichnen. Gut, er ist tot mögen manche jetzt sagen, aber wie schon beim Vorgänger, so wird auch hier wieder in Jigsaws Vergangenheit gewühlt und somit wird z. Bsp. erstmalig ein relativ glaubwürdiger Beweggrund für seine Taten aufgezeigt, sowie sein aller erstes Spielchen mit einem Drogensüchtigen, der sich nur mit dem Gesicht durch ein Messergestell von Jigsaws blutiger Falle erretten kann. Zwar ist es nicht auszuschliessen, dass die folgenden Teile auch da noch einmal ordentlich was auf die Pfanne hauen werden, doch zumindest so kann man schon mit der Figur des Jigsaw zufrieden sein.
Sowieso schlagen auch die Fallen an sich wieder kräftig ins Gemüse, wenn auch nicht mehr ganz so drastisch, wie noch im direkten Vorgänger. Von der, gerade genannten, Messerfalle, über eine Falle in der sich ein Opfer entweder selbst die Augen ausstechen muss oder zerrissen wird, über eine böse Falle in der es heißt "stirb oder töte deinen Retter", bis hin zu einer gigantischen Falle, bei der ein Opfer (Mathews) auf einem Eisblock steht und sollte er sterben sein Nebenmann ebenfalls das Zeitliche segnet, haben die Schreiberlinge wieder allerhand fiese Sachen auf Lager, die zumindest den Ideenreichtum der Fallen noch einigermaßen am Leben erhält.
Dennoch, so wirkliche Spannung mag nicht mehr aufkommen. Dafür ist der Drops einfach zu sehr abgelutscht. So Ideenreich die Fallen auch sein mögen, so nett die Wendungen, trotz des Wissen um sie, immer wieder noch leicht überraschen können und so sehr man sich an der Figur des Jigsaws auch noch (irgendwie pervers) erfreuen kann, so wirklich vom Hocker haut einem hier, bis kurz vor Schluss, eigentlich nichts mehr. Dafür hat man das Meiste leider doch schon zu oft in den Vorgängern gesehen. Wäre dies, mit einem etwas anderen Handlungsaufbau versteht sich, der erste Teil der Reihe gewesen, hätte es sicher für ordentlich Spannung gereicht, aber als 3. Sequel ist es dann eben einfach alles doch irgendwie zu abgesehen. Zumal auch die Atmosphäre nur mühsam in die Gänge kommt, da die dunklen Kellergewölbe und muffigen Polizeistadtionen, in denen der Film spielt, eben auch nichts mehr sonderlich Neues sind, geschweige denn die Musik, welche mir persönlich zwar dennoch sehr gut gefällt, aber auch irgendwie wieder die gleiche Leier darbietet.
Die einzige wirkliche Überraschung stellt da das Ende dar, welches ich persönlich direkt hinter das Ende von Teil 1, in Sachen "What the F**k..."(im positiven Sinne), anstellen möchte. Und damit meine ich nicht unbedingt die Lösung, wer denn nun Jigsaws kleines Helferlein ist, denn die ist noch relativ vorhersehbar. Aber die Bombe die "Saw IV" hier am Ende außerdem noch platzen lässt, ist wirklich ein Augenaufreisser und dürfte so sicher von niemanden erwarten worden sein. Der Cliffhanger knackt nur so und lässt einem dann irgendwie schon mit Spannung auf den Nachfolger hoffen, obwohl man doch schon nach Teil 3 gehofft hat, endlich Ruhe vor Jigsaw und seinen Fallen zu haben. Auf alle Fälle gehört dieser Schluss hier zu den besten Enden eines Films dieser Art, in den letzten Jahren.
Was die Darsteller angeht kann allerdings nur Tobin Bell völlig überzeugen. Die Rolle des Puzzlemörders hat er mittlerweile vollkommen in sich aufgesogen und in jeder seiner Szene überzeugt er vollkommen, selbst wenn er tot auf dem Obduktionstisch liegt. Den Status des wohl furchterregendsten Filmpsychopathen der heutigen Zeit dürfte er wohl endgültig inne haben. Dagegen enttäuschen seine Mitspieler leider ziemlich stark. Vor allem Lyriq Bent als Officer Rigg spielt hier derartig müde, dass man immer nur hofft, seine Szenen würden schnell vorbei gehen. Donnie Wahlberg ist dagegen vielleicht noch ganz nett anzuschauen, wenngleich er einem hier ennorm fett vorkommt. Ob das nur die Klamotten sind, die ihn hier so aufgebläht wirken lassen, ist fraglich.
Fazit: Besser als erwartet und trotzdem wieder ein Stück näher Richtung Talebene, so kann man "Saw IV" noch am besten einschätzen. Nachdem die Reihe mit Teil 3 eigentlich ein passendes Ende gefunden hätte, so kann Saw IV nun überraschenderweise doch noch einigermaßen überzeugen. Erneut wurde das Treiben passend weitergesponnen, mit interessanten Rückblenden bereichert und mit knackigen Fallen gefüllt. Auch wenn Spannung und Atmosphäre weitgehendst außen vor bleiben, da man das Meiste einfach schon zu oft gesehen hat und die Figuren größtenteils ziemlich blass bleiben, so kann man sich trotzdem irgendwie einen netten Abend damit machen und sich dann noch über ein Ende freuen, welches Hoffnungen weckt, dass die Reihe mit Teil 5 vielleicht doch wieder an Fahrt gewinnt. Na mal sehen!
Wertung: 5,5+/10 Punkte