„Ich hatte nie etwas mit einer anderen Frau…!“ – „Das sollte auch auf der Liste stehen!“
Wenn ein Dreamteam wie Jack Nicholson und Morgan Freeman unter der Regie von Rob Reiner an den Start geht, sind die Erwartungen entsprechend hoch, - und die werden zu fast keiner Zeit enttäuscht. Die wohl temperierte Mixtur aus Melodram und Komödie trifft immer den richtigen Ton, sie hätte nur etwas ausgiebiger sein dürfen, denn wer hätte den beiden Charaktermimen nicht gerne länger bei verrückten Unternehmungen beigewohnt, während sie ihre „Löffelliste“ abarbeiten.
Diese umfasst alle Unternehmungen, Wünsche, auch Träume, die man innerhalb seines Lebens umsetzten möchte, bevor man den Löffel abgibt.
Nur haben der steinreiche Krankenhausbesitzer Cole (Nicholson) und der Mechaniker Carter (Freeman) maximal noch ein Jahr Zeit dafür, bevor der Krebs ins Endstadium übergeht.
Doch nicht alle Punkte auf der Liste führen zu einem freudigen Ereignis, wie Cole in bitterer Selbsterkenntnis feststellen muss…
Mit dem beruhigend weise klingenden Voice-over von Morgan Freeman ist bereits unmittelbar zu Beginn der erste Sympathiepunkt erfüllt, denn die philosophischen Worte erinnern nicht von ungefähr an „Die Verurteilten“. Und auch die symbolträchtige Landschaft eines verschneiten Berggipfels weist auf das unabwendbare Schicksal der beiden Hauptfiguren hin, denn schließlich ist der Gipfel des Lebens erst erreicht, wenn das Beste zum Schluss kommt.
Mit zwei so hervorragenden Darstellern ist es eine durchgehende Freude, diesen ungleichen Charakteren beizuwohnen, die zwar im selben Boot sitzen, sich durch ihre unterschiedlichen Eigenarten aber hervorragend ergänzen.
Nicholson verkörpert den herrlich zynischen Querkopf, der sogar kurz nach der Operation sarkastische Kommentare ablässt, im Leben viele Frauenbekanntschaften hatte, im Alter aber große Furcht vorm Tod in Einsamkeit hat.
Freeman ist der seit 45 Jahren verheiratete Mann mit großer Familie, verfügt über ein breites Allgemeinwissen (kann jede Frage bei „Jeopardy“ vor den Kandidaten beantworten) und ist mit seinem einfachen Leben weitestgehend zufrieden. Bis eben die tödlich verlaufende Krankheit einsetzt, die beide Männer in einem Krankenzimmer zusammenführt und schließlich zur gemeinsamen Reise rund um die Welt antreten lässt.
Als minimaler Kritikpunkt sei da allenfalls die etwas zu lange Anlaufphase im Hospital erwähnt, während einige Punkte der Löffelliste zu hektisch abgeklappert werden.
Denn vom Fallschirmsprung, über ein Autorennen und dem Stechen eines Tattoos (Nicholson wählt als Motiv natürlich sich selbst) kommen ein paar der anmutig schönen Reiseziele wie Kairo, Tibet und Frankreich zu kurz und auch die Safari in Afrika beinhaltet kaum mehr als ein von beiden angestimmtes „The Lion Sleeps Tonight“.
Sich abwechselnder Spaß und Melancholie kommen dabei aber keinesfalls zu kurz.
So werden Themen wie Ziele des Lebens, religiöser Glaube, Loslassen der besorgten Angehörigen, Mut zur Versöhnung, aber auch sozialkritische Ansätze wie die unterschiedliche Behandlung von Patienten in Krankenhäusern gestreift.
Die recht emotionale Reise bewirkt zuweilen ein lachendes und ein weinendes Auge des Betrachters.
Entsprechend sentimental gerät das Finale, welches aber zugleich versöhnlich zum Ausgangspunkt zurückkehrt und dabei nie ins Kitschige abdriftet, - gewissermaßen einen gebührenden Respekt erweist, ohne auf die Tränendrüse zu drücken.
Hinter all dem steht am Ende mehr als nur die Botschaft Carpe diem, denn man lernt nicht nur etwas über den Katzenkaffee Kopi Luwak, sondern auch, wie höchst unterschiedliche Menschen mit ihrem Schicksal umgehen und daraus Mut schöpfen können.
Und auf so sympathische Art und Weise ist es Balsam für die Seele, vielleicht nicht so genial wie der ähnlich gelagerte „Besser geht´s nicht“ mit Nicholson, in vielen Punkten aber nah dran.
Knapp
9 von 10