Ansicht eines Reviews

Cube (1997)

Eine Kritik von Schlombie (Bewertung des Films: 8/10)
eingetragen am 05.12.2007, seitdem 350 Mal gelesen


Dies ist ein hervorragender Film, der es trotz starker Schwächen schafft einen zu überzeugen und zu unterhalten. Die Grundidee allein ist so stark und groß, dass sie alleine einen ganzen Film tragen kann. Gedreht in nur einem Raum wird Hochspannung erzeugt, obwohl die mathematische Logik ab einem gewissen Punkt für den Zuschauer zum Zeitpunkt des Guckens nicht mehr nachvollziehbar ist. Man muß sich einfach darauf einlassen dass die angeblichen Genies des Films recht haben. Bis es zu diesem Punkt kommt machen die Erklärungen und Berechnungen Sinn.
Die Räume wirken schön fremd, düster und skuriel zugleich, die Todesfallen sind einfallsreich, die Tricks wenn diese aktiviert werden und Menschen ihnen zum Opfer fallen gelungen umgesetzt. Und da sind wirklich fiese Ideen dabei. Der durch Laser zerschnittene Mensch ist sicherlich der Höhepunkt in Sachen Gore dieses Werkes.
Der Regisseur schafft es zudem zusätzlich Spannung zu erzeugen. Eine der wirklich gelungensten Szenen in diesem Punkt ist das Geschehen rund um den klangaktivierten Raum, in der der Zuschauer bibbert, insbesondere weil er dem Authisten nicht traut. Und wenn dieser das Misstrauen des Zuschauers bestätigt läuft es einem eiskalt den Rücken runter.
Die Protagonisten rätseln und philosophieren, sie forschen und grübeln was der Sinn der ganzen Sache ist. Das ist grob abgearbeitet und dennoch sind hier hervorragende Ansätze zum Philosophieren, Diskutieren und Phantasieren gegeben, so dass man nach Schluß des Films noch eine nette Gesprächsrunde vor sich haben kann, vorrausgesetzt man schaut den Film mit den richtigen Leuten. Besonders gelungen fand ich den Ansatz, in dem einer der Beteiligten die Nutzung des Würfels mit dessen Existenz argumentiert. Andernfalls hätte der Würfel keinen Sinn. Das ist eine schön kaputte Idee, aber ähnlich skuriel wie viele Dinge und Rituale in unserer Gesellschaft, auf die ähnliches zutrifft. Am Schluß macht der Film das einzig richtige: Es gibt keine Auflösung. Damit würde er auch sofort verpuffen, egal was da käme. Neben der ordentlichen Logik, die hin und wieder bröckelt, lebt er von der Mystik rund um das Geschehen herum, und diese würde mit einer Auflösung derart schmerzhaft vergehen, dass sie den ganzen Film zunichte machen würde. Der Spaß eines weiteren Guckens dieses phantastischen Films wäre damit genommen. So aber kann man ihn immer wieder gucken und seiner Phantasie immer wieder aufs Neue freien Lauf lassen. Das offene Ende sorgt wiederum für allerlei Gesprächsstoff, ist es doch eine für unsere Zeit gesellschaftstypische Entscheidung warum welche Person dieses Ende erlebt. Auf sehr versteckter Ebene findet an allen Ecken und Enden Gesellschaftskritik statt. In manchen Szenen allerdings auch mit dem Holzhammer. Das ist manchmal gelungen, z.B. wenn der Konstrukteur der Außenwände über sein Leben grübelt und sich fragt was ihn außerhalb des Würfels erwarten wird. Manchmal ist die aufgesetzte Kritik aber auch arg plump, z.B. wenn es, zugegeben etwas ironisch angehaucht, um Verschwörungstheorien geht und um diverse Begründungen der Existenz des Würfels betreffend. Manchmal wirkt der Film auf billige Art kritisch, wenn sich die Figuren streiten und dabei ihre Standpunkte und Ansichten des Lebens klar machen. Hierbei sollte man aber beachten, dass eine solche Stellungnahme ja nicht für den ganzen Film oder den Filmschaffenden steht, sondern nur die subjektive Auffassung der jeweiligen Figur ist, um diese noch einmal zu verdeutlichen und um bestimmte Geschehnisse ins Rollen zu bringen.
An sich ist "Cube" ein ordentlicher Film mit viel Potential geworden, und gerade deshalb wundern bzw. überraschen einen die Fehler. Von der leicht bröckelnden Logik des Films einmal abgesehen fallen da in erster Linie die Charaktere auf. Gewisse Klischeefiguren einzubauen, die zu entdecken glauben, dass jeder im Würfel zur Aufgabenbewältigung Sinn macht, ist noch ok. Dass aber diese Klischeefiguren derart überzeichnet werden ist nicht nur kontraproduktiv, sondern manchmal auch hart an der Schmerzgrenze für die Betrachter dieser Geschichte. Besonders negativ fällt hierbei der schwarze Anführer der Gruppe auf, der im letzten Drittel zu extrem spielt und dessen Charakter zu dick aufgetragen wird. Er hätte auch das Störelement der Gruppe auf einer harmloseren Ebene sein können und wirkt ab einem gewissen Punkt kaum noch glaubhaft. In Sachen mangelnde Glaubhaftigkeit ist die Hauptattraktion dieses Kinofilms allerdings der Authist. Er ist grottenschlecht besetzt worden, spielt seine Krankheit wie ein Kasperle, und nicht mal das Drehbuch kann ihm den Rücken decken. Man muß als Zuschauer einfach akzeptieren, dass man es hier mit einem besonders umgänglichen Authisten zu tun hat, der all diese unglaublichen Dinge vollbringt und Situationen meistert und der sich derart gut ins soziale Gefüge der Gruppe einfindet. Nun ja..., andere Dinge, wie z.B. dass die Mathematikstudentin unbedingt eine Brille tragen muß, ist man natürlich schon gewöhnt, also was solls.
Da sind deutliche Schwächen in Sachen Besetzung und Charakterzeichnung, so dass es einen wundert am Schluß einen derart guten Film gesehen zu haben. Fans harter Gorseszenen werden hier ebensogut unterhalten wie Freunde skurieler Ideen. Das ganze ist sehr ruhig erzählt, mit der richtigen Musik untermalt, und wird niemals hektisch. Leute die in Filmen alles vorgekaut kriegen müssen sollten lieber zu actiongeballteren und hirnfreieren Werken wie "I Robot" greifen. Filmfreunde, die auch mal gern herausgefordert werden wollen, sind hier goldrichtig. Das Glück des Films ist es einfach eine sehr starke Grundidee zu haben, deren Unterhaltungswert selbst dann nur leicht zu wackeln beginnt, wenn die hier aufgezählten Schwächen in Erscheinung treten.


Surprise me!
"Surprise me!" BETA
Lassen Sie sich überraschen! Wir führen Sie zu einem zufälligen Treffer zu einem Thema Ihrer Wahl... Wollen Sie eine andere Kritik von "Schlombie" lesen? Oder ein anderes Review zu "Cube (1997)"?


Zur Übersichtsseite des Films
Liste aller lokalen Reviews von Schlombie

Zurück





Copyright © 1999-2012 KI Media GbR
Alle Rechte vorbehalten.
Nutzungsbedingungen · Werben · Impressum
Hosted by Net-Build



Quicksearch






User-Center

Benutzername: 
Paßwort:
Login nur für diese Sitzung:

·

759 Besucher online





Abonnement


Abonnement - Bitte erst anmelden
Melden Sie sich bitte an, um Abonnements vornehmen zu können



Neue Reviews


Mein wunderbarer Waschsalon (1985)
Hereafter - Das Leben danach (2010)
Get the Gringo (2011)
Blade 2 (2002)
Shaolin - Warteliste des Todes (1979)



News


Unser News-Bereich wurde überarbeitet und wird in Kürze weiter ausgebaut werden, damit Sie stets aktuell über alle Neuigkeiten rund um die Welt des Films informiert sind.

» Zum neuen News-Bereich